Ein Festessen für Insekten ist blühender Gewürz-Fenchel (Foto: imago)

Eine Badewanne für Bienen

Besuch auf dem Bioland-Hof Meitzler

19.06.2018

Abwechslung sollte für jeden Biobauern selbstverständlich sein. Doch die Vielfalt auf den Feldern von Familie Meitzler in Rheinland-Pfalz ist schwer zu toppen. 20 verschiedene Kulturen wachsen dort. In manchen Jahren sogar noch mehr.

Von Julia Schreiner

Armin und Monika Meitzler im Rheinhessischen südlich von Mainz sind vor sechs Jahren auf Bio umgestiegen, nachdem sie den Hof von Armins Eltern übernommen hatten. Damit haben sie sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Heute ist der Hof Öko-Leitbetrieb in Rheinland-Pfalz. Das bedeutet, dass sich die Biobauernfamilie in der Forschung engagiert und Kollegen berät, um den Biolandbau voranzubringen. Die Felder liegen verstreut rund um das Örtchen Spiesheim. Am Horizont Windräder. Die Meitzlers bauen klassisch Weizen an, aber auch Soja, Hanf, Lein und vieles mehr. Und es gibt sogar einen Weinberg.


Biobauer Armin Meitzler mit einer Wicke (Foto: Julia Schreiner)

Im Roggenfeld blühen gerade die Wicken. Und hier und da auch Klatschmohn. "Die Wicke ist mein bester Stickstofflieferant", erklärt der Biobauer. Sie macht den Boden fit für die nächste Frucht, die Pflanzen brauchen Stickstoff zum Wachsen. Der Roggen steht eigentlich nur als Gehilfe auf dem Feld. Denn die Wicke braucht etwas, woran sie hochklettern kann. Meitzler baut sie an, um Saatgut zu gewinnen. Wicken gehören zu den Hülsenfrüchten, sind eiweißreich und eignen sich daher gut als Tierfutter. Und sie unterdrücken prima Unkraut. Bald werden sich 24 Bienenvölker auf den Nektar der Wicken stürzen - Armin Meitzler erwartet Imkerbesuch. 
Meitzlers zweitwichtigster Bodendünger ist Hühnermist. Der, so sagt er, stinke überhaupt nicht. "Was gut ist, stinkt nicht." Die Meitzlers halten allerdings selbst keine Tiere, den Mist bekommen sie aus Kooperationen mit anderen Biobauern. Auch Champost landet tonnenweise auf den Feldern. Champost - das ist Champignon-Kompost. Meitzler liefert einem Pilzzüchter Stroh und bekommt im Gegenzug Pilzsubstrat zurück.

Auf dem Sonnenblumenfeld ist im Mai gerade noch nicht viel los. Die Pflanzen sind spät dran. Es war zu trocken. Bei Meitzlers wachsen alte Sorten, keine hochgezüchteten Sonnenblumen. Die lassen sich nämlich meistens nicht bestäuben. Hübsch steril. Ein Problem, das man von vielen Blumen aus dem Gartencenter kennt: Sie blühen prächtig, bringen den Insekten aber nichts, weil der Nektar fehlt.


Auf dem Weizenfeld wächst Leindotter zwischen den Ähren. Er wird im Frühjahr untergesät. Wozu das gut sein soll? Leindotter düngt den Boden und bedeckt ihn. So können sich störende Unkräuter weniger auszubreiten. Und wenn der Leindotter mal blüht, leuchtet es kräftig gelb.
Seit er auf Bio umgestellt hat, baut Armin Meitzler auch Soja an. Die Bohnen verkauft er an den Tofuhersteller Pur Vegan. Der ist glücklich, einen regionalen Soja-Anbauer gefunden zu haben. "Soja von hier, für das kein Regenwald abgeholzt wurde. Das ohne chemische Pestizide auskommt und ohne Gentechnik", sagt Pur-Vegan-Geschäftsführer Alexander Bauer.


Klatschmohn ist für die extrem seltene Mohn-Mauerbiene überaus wichtig: Sie kleidet mit den Blüten ihr Nest aus (Foto: Julia Schreiner)

Der Fenchel scheint dieses Jahr gut zu gedeihen. Nach einem schlechten Jahr 2017 eine gute Nachricht - für die Biobauern, die Fenchselsamen an die Agrimed Hessen verkaufen, eine Erzeugergemeinschaft für Heil- und Gewürzpflanzen. Und für die Insekten. Wenn der Fenchel Nektar ausbildet - was nicht immer der Fall ist -, dann schwimmt er regelrecht in der Dolde. "Da kann sich die Biene dann reinsetzen wie in eine Badewanne", sagt Insektenexperte Jean Larro. "Für Imker sind Fenchelfelder das reinste Paradies." Und Honigliebhaber schätzen am Fenchelhonig seinen nussigen Geschmack. Auf dem Fenchelfeld dürfen auch allerlei Unkräuter gedeihen. Meitzler spricht allerdings lieber von Beikräutern. Sogar Seide kommt hier vor. Dem Fenchel macht das nichts, er wächst schnell und kräftig. Zwei Meter kann er hoch werden. Bald duftet es wieder kilometerweit.


Noch nicht viel zu sehen ist beim Hanf. Der lässt sich Zeit. Aus den Samen wird Hanföl gewonnen. Das ist reich an gesunden Omega-3-Fettsäuren. Eine berauschende Wirkung darf man sich allerdings nicht erwarten, der THC-Gehalt liegt unter 0,3 Prozent. Trotzdem kommen regelmäßig staatliche Kontrolleure und nehmen Proben. Hanf war früher eine angesagte Nutz- und Heilpflanze. Und war bis in die dreißiger Jahre auch in der Industrie als Baustoff sehr beliebt. Autobauer Henry Ford etwa schwor auf Karosserien aus Hanf. Armin Meitzler bedauert es, dass der vielseitige Nutzen von Hanf so in Vergessenheit geraten ist, und die Pflanze heute fast nur noch als Droge bekannt ist. "Hanf hat nämlich einen riesigen Vorteil: Er braucht überhaupt keine Pflanzenschutzmittel." Hanf ist einfach sehr robust. Neben dem Hanf-Feld wächst Lein. Buttrig mild ist das Öl im Geschmack und noch etwas reicher an Omega 3 als Hanf. 


Im Weinberg blühen bald wieder Wicken und Buchweizen (Foto: Julia Schreiner)

Und dann ist da noch Meitzlers Weinberg. Winzer ist er zwar nicht, die Trauben landen aber trotzdem im Glas. Er verkauft sie unter anderem ans Bioland-Weingut Bäder. Im Weinberg experimentieren die Meitzlers mit Terra Preta, das ist Pflanzenkohle. "Beim Einsatz von Terra Preta geht es in erster Linie um die Humussteigerung im Boden, um der künftigen Klimaveränderung entgegenzuwirken", erklärt Bauer Meitzler. Denn mehr Humus bewirkt, dass der Boden Wasser und Nährstoffe besser speichern kann. Und schützt vor Erosion. Zwischen den Reben sollen bald Wicken und Buchweizen wachsen. Damit auch die Insekten etwas zu schlemmen haben. Und Hasen und Rehe Deckung finden. Dass die Rehe die Reben schlimm anknabbern könnten, befürchtet Meitzler nicht. "Die finden genug andere Nahrung am Boden."


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