Im Stall und auf der Weide

Wie werden kranke Tiere bei Bioland behandelt?

Die wichtigste Voraussetzung für gesunde Tiere ist eine artgerechte Fütterung und Haltung. Mit präventiven Maßnahmen kann man die meisten Krankheiten vermeiden, aber nicht alle. Wird ein Tier krank, muss es unverzüglich behandelt werden. Stehen Naturheilverfahren oder homöopathische Verfahren zur Verfügung, müssen diese angewandt werden. Nur der Tierarzt kann Medikamente verschreiben. Dann muss bei Bioland die doppelte gesetzliche Wartezeit eingehalten werden, bevor Lebensmittel von dem behandelten Tier gewonnen werden dürfen. Wurde ein Tier mehr als drei Mal im Jahr mit nicht naturheilkundlichen Mitteln behandelt, dürfen die von ihm erzeugten Produkte nicht mehr als bio vermarktet werden. Bei Tieren, die unter einem Jahr alt werden, darf nur einmal behandelt werden.
Bioland hat in seinen Richtlinien eine Liste von Wirkstoffen und Arzneimittelgruppen aufgenommen, die nicht oder nur eingeschränkt angewendet werden dürfen.
 

Dürfen bei Bioland Tiere mit Antibiotika behandelt werden?

Wenn einem Tier nicht anders als mit einem Antibiotikum geholfen werden kann, muss es aus Tierschutzgründen behandelt werden. Die Entscheidung trifft der Tierarzt. Das Ziel ist, durch artgerechte Haltung und weitere präventive Maßnahmen, Krankheiten zu vermeiden. So können der Einsatz von Antibiotika und damit einhergehende Resistenzen verringert werden.
 

Wie werden Tiere bei Bioland geschlachtet?

Bioland-Betriebe dürfen ihre Tiere nur in biozertifizierten und biolandzertifizierten Schlachtbetrieben schlachten lassen. Die Bioland-Richtlinien machen Vorgaben, um unnötigen Stress zu vermeiden. Unter anderem dürfen Tiere nur 4 Stunden bzw. 200 km transportiert werden, müssen getränkt worden sein und eingestreute Transportflächen haben. Die Bioland-Richtlinien schreiben vor: „Grundsätzlich sind vom Verladen der Schlachttiere bis zur Schlachtung alle Maßnahmen zu ergreifen, die Stress, Schmerz und Leid und insbesondere Angst der Tiere minimieren.“
Bioland unterstützt auch das Verfahren des Kugelschusses auf der Weide. Das Verfahren wurde von "Rinderflüsterer" Ernst Hermann Maier entwickelt, der seit über 30 Jahren Bioland-Mitglied ist. Bioland setzt sich für eine vereinfachte Zulassung des Weideschusses ein, der allerdings verschiedene Genehmigungen,  Nachweise und Voraussetzungen erfordert. Bei diesen Verfahren werden Tiere direkt auf der Weide durch einen Schuss in den Kopf betäubt und direkt danach in einer mobilen Schlachtbox geschlachtet. Stressige Transporte entfallen so.
 

Passen Bioland und halal zusammen?

Bioland schreibt die Betäubung der Tiere vor dem Schlachten vor und macht hier keine Ausnahmen. Doch nicht immer bedeutet halal auch betäubungsloses Schlachten. Deshalb gibt es auch Bioland-Halal-Fleisch, da viele Muslime Fleisch von betäubten Tieren akzeptieren.
 

Gibt es Bioland-Fisch zu kaufen?

Bioland hat Richtlinien für Aquakulturen erlassen; Wildfang lehnen wir aufgrund des Beifanges und der Überfischung ab. Zurzeit können nur Karpfen unter der Marke Bioland vertrieben werden. Sie sind Friedfische und ernähren sich überwiegend von den vorhandenen Nährstoffen im Teich. Raubfischen muss meist Tiermehl zugefüttert werden, was Bioland ablehnt.
Zurzeit ist leider kein Bioland-Fisch im Handel verfügbar.


Kühe und Milch

Was fressen Bioland-Kühe?

Während der Vegetationszeit müssen Kühe Zugang zur Weide haben, wo sie frisches Gras und Kräuter fressen. Sollte Weidegang in Einzelfällen nicht möglich sein, erhalten sie im Stall trotzdem frisches Grünfutter. Im Winter füttert der Bioland-Bauer Heu, Getreide und Silage, also haltbar gemachtes Grünfutter (Gras, Klee). Die meisten Milchbauern füttern zusätzlich etwas „Kraftfutter“ aus unter anderem Biogetreide und Mineralfutter. Die gesamte Futtererzeugung hängt sehr von den natürlichen Standortbedingungen des Betriebes ab.

Wie leben Bioland-Kälber?

Kälber, die für ihr Fleisch gehalten werden, leben meist bis zu zehn Monate bei der Mutter. Weibliche Kälber aus der Milchviehhaltung können meist nur bis zu drei Tage bei der Mutter bleiben. In dieser Zeit erhalten sie die wichtige Kolostralmilch, die viele Abwehrstoffe enthält. Danach leben sie in der ersten Lebenswoche allein oder zu zweit in Iglus (Kälberhütten). Das hat gesundheitliche Vorteile, da sie so einem geringen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. „Iglu-Nachbarn“ können sich beschnuppern und belecken, haben also Kontakt zueinander. Ab der zweiten Lebenswoche werden die Kälber in Gruppen gehalten.
 

Werden Kuh und Kalb nach der Geburt getrennt?

Man muss zwischen Fleischrindern und Milchkühen unterscheiden. Reine Fleischrinder werden meist bis zu zehn Monate bei der Mutter gehalten, in der sogenannten Mutterkuhhaltung.
Bei Milchkühen werden die Kälber in der Regel nach ein bis drei Tagen von der Mutter getrennt. Die Kälber würden sonst mit der Mutterkuh in den Melkstand laufen, was zu Verletzungen und Unruhe führen kann. Zudem steht weniger Milch zur Verfügung, wenn das Kalb ständig an der Mutter trinkt. Einige Betriebe betreiben aber auch kuhgebundene Aufzuchtverfahren, entweder mit drei oder vier Kälbern an einer Ammenkuh oder mit permanentem oder zeitweisem Zugang zu ihren Müttern. Auch bei Bioland gibt es diese Form der Haltung.
 

Wo finde ich Milch aus Ammenkuhhaltung?

Molkereien erfassen die Milch aus Ammenkuhhaltung häufig nicht separat, da der Anteil dieser Milch noch zu gering ist, um separat vermarktet zu werden.
 

Was passiert mit männlichen Kälbern bei Bioland?

Auch Bio-Betriebe, insbesondere Milchviehbetriebe, sehen sich immer häufiger in dem Dilemma, ihre Bullenkälber abgeben zu müssen. Dies liegt oft daran, dass vermehrt eine Spezialisierung stattfindet: Betriebe halten entweder Milchkühe und deren Nachzucht oder Mastrinder für die reine Fleischerzeugung. Bioland-Betriebe versuchen natürlich, ihre Tiere bio zu vermarkten, aber die Nachfrage nach Rindfleisch steigt nur langsam, während die der Bio-Milch schnell wächst. Die Bedarfe passen also nicht zusammen. Deshalb müssen Bio-Bauern ihre männlichen Kälber zum Teil leider konventionell vermarkten. Die Kälber gehen dann direkt zu konventionellen Kollegen in der Region oder über Viehhändler in die konventionelle Kälber- oder Bullenmast.
 

Wie oft bekommen Milchkühe ein Kalb?

Kühe bekommen ungefähr alle 365 bis 400 Tage ein Kalb. Ohne Kälber gäbe es keine Milch, die für den Verzehr gemolken werden kann.
 

Wie lange lebt eine Bioland-Milchkuh?

Milchkühe leben auf Bio-Betrieben im Mittel eine halbe bis eine ganze Laktation (die Zeit im Jahr, in der sie Milch geben) länger als auf konventionellen Betrieben. Das entspricht ungefähr einem Jahr. Allerdings schwankt die Zeit zwischen den Betrieben – egal ob bio oder konventionell. Im Mittel kann man von einem Lebensalter von circa 6 Jahren ausgehen. Viele Kühe werden aber auch 10 Jahre und älter.
 

Dürfen Bioland-Kühe enthornt werden?

Enthornungen ohne Grund sind bei Bioland verboten. Im Einzelfall darf enthornt werden, um zu vermeiden, dass sich die Tiere gegenseitig oder die betreuenden Menschen verletzen. Die Genehmigung zur Enthornung erteilen die Kontrollbehörden der Bundesländer. Liegt diese vor, muss so früh wie möglich enthornt werden, meist bis zur 6. Lebenswoche. Die Behörden und Bioland schreiben vor, dass die Tiere ein Beruhigungsmittel, eine lokale Betäubung sowie ein langwirksames Schmerzmittel erhalten müssen. Bioland-Bauern versuchen, durch Neu- oder Umbau von angepassten Ställen für horntragende Tiere oder durch die Zucht auf Hornlosigkeit Enthornungen auf Dauer zu vermeiden.
 

Gibt es bei Bioland Anbindehaltung?

Bei Bioland dürfen keine Anbindeställe mehr neu gebaut werden. Die Anbindehaltung ist zurzeit nur für Kleinbetriebe mit maximal 35 Großvieheinheiten erlaubt. Dabei müssen strenge Regeln beachtet werden: Unter anderem müssen die Tiere artgerecht aufstehen, fressen, sich auf einer gut eingestreuten Liegefläche hinlegen und Körperpflege betreiben können. Während der Weidezeit müssen die Tiere täglichen Zugang zur Weide haben. Außerhalb der Weidezeit müssen die Tiere mindestens zwei Mal pro Woche Auslauf erhalten.


Legehennen und Eier

Wie steht Bioland zur Geschlechtsbestimmung im Ei?

Bioland lehnt zum jetzigen Zeitpunkt die Geschlechtsbestimmung im Ei (In-ovo-Selektion) ab. Die bisherige Technik erlaubt erst ab dem 9. Tag bzw. ab dem 13. Tag (je nach Methode) die Küken zu selektieren. Da Schmerzempfinden jedoch ab dem 7. Tag nachgewiesen ist, stellt die momentan verfügbare Technik der In-ovo-Selektion zurzeit keine Alternative für Bioland dar. Neuen Technologien gegenüber ist Bioland offen und bewertet sie individuell.
 

Werden auch bei Bioland männliche Küken getötet?

Bioland-Betriebe beziehen ihre Küken von Brütereien. Diese wiederum setzen Tiere ein, die von weltweit nur wenigen Zuchtunternehmen gezüchtet werden. Dabei handelt es sich um Hybridrassen, die auf bestimmte Merkmale – zum Beispiel „viele Eier legen“ – gezüchtet werden. Männliche Küken dieser Rassen sind wirtschaftlich nicht zur Mast geeignet, da sie zu wenig Fleisch ansetzen. Deshalb werden sie in den Brütereien getötet. Leider gibt es kaum andere Anbieter für Junghennen.

Aber um aus diesem System auszubrechen, hat Bioland mehrere Wege eingeschlagen:

  • Die Zucht eigener Geflügelrassen in der Ökologischen Tierzucht gGmbH. Zusammen mit Demeter arbeitet Bioland unter anderem an der Züchtung eines Zweinutzungshuhns. Bei diesen Rassen setzen die Hähne genug Fleisch an, um gemästet zu werden und die Hennen legen ausreichend, aber deutlich weniger Eier. Diese müssen daher auch teurer verkauft werden.
  • Bioland-Betriebe unterstützen die Bruderhahn-Initiative. Für jedes verkaufte Ei dieser Initiative wird im Verkauf 4 Cent aufgeschlagen, die zu 100 Prozent für die Aufzucht der Bruderhähne verwendet werden. Die Bruderhähne werden gemästet und ihr Fleisch zu verschiedenen Produkten verarbeitet.
  • In manchen Bioland-Betrieben werden Hennen länger als eine Legeperiode gehalten. So muss der Bauer im Schnitt weniger Junghennen kaufen, wodurch weniger männliche Küken getötet werden müssen.
  • Seit 2012 zahlen Bioland-Betriebe mit Legehennen den Kükengroschen: 10 Cent, mit denen die Aufzucht von Bruderhähnen und deren Vermarktung finanziert werden.

Schweine

Wie werden Ferkel kastriert?

Seit 2010 ist bei Bioland die chirurgische Kastration von Ferkeln nur unter Betäubung und mit Schmerzbehandlung zulässig. Die Immunokastration – eine Impfung, die mittels Spritze durchgeführt wird - ist bei Bioland nicht zulässig.

Ist der Kastenstand bei Bioland erlaubt?

Grundsätzlich setzt Bioland auf freies Abferkeln ohne jegliche Fixierung der Sauen. Die meisten Abferkelplätze besitzen keine Fixiereinrichtungen mehr. Eine kurzfristige Fixierung von sogenannten Problemsauen, die sich aggressiv verhalten, ist zum Schutz der Ferkel und des Betreuungspersonals jedoch erlaubt. Dabei gilt eine Frist von maximal 48 Stunden. Normalerweise werden hochträchtige Sauen acht bis zehn Tage vor dem Abferkeln in eine Einzelbox umgestallt, die mit Auslauf mindestens 10 qm groß ist.


Bienen und Honig

Kann Honig wirklich bio sein?

Es gibt strenge Vorschriften, die Bioland-Imker einhalten müssen. Unter anderem dürfen nur natürliche Materialien und Mittel für die Beuten verwendet werden, Krankheiten dürfen nur mit organischen Säuren behandelt werden. Die Rauchmaterialien zum Beruhigen der Bienen müssen aus natürlichen Materialien bestehen.
Bienen kann man nicht auf einer eingezäunten Weide halten. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, „so viel Bio wie möglich“ zu garantieren: Bei Bioland müssen Bienenstöcke so aufgestellt werden, dass im Umkreis von 3 km keine Verschmutzungsquelle zu erwarten ist, die die Honigqualität beeinträchtigen kann. Im Zweifelsfall müssen die Honigprodukte untersucht werden. Stehen die Beuten in landwirtschaftlichen Flächen, müssen diese ökologisch bewirtschaftet werden.


Kontakt

Sonja Degenhardt

Öffentlichkeitsarbeit und Verbraucheranfragen
Tel 06131 239 79 18
sonja.degenhardt@bioland.de
 

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