Naturgärten sollen auch Tieren einen wichtigen Lebensraum bieten (Fotos: Désirée Thorn)

Zurück zur Natur

Wie der eigene Garten zum wertvollen Lebensraum wird

31.05.2021

In vielen Gärten geht es inzwischen wenig natürlich zu – kaum Insekten, keine Vögel oder gar Steinwüsten. Gärtnermeister Friedhelm Strickler will das ändern und mit Naturgärten wertvolle Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Menschen schaffen.

Von Désirée Thorn
Die steinerne Treppe ist unter den Erdbeerpflanzen kaum noch zu sehen. Die Natur darf sich ausbreiten.

 

Ein Vogel fliegt über die Baumkronen, landet auf einer Tränke und badet im Wasser. Hummeln stecken kopfüber und summend in violetten Blütenkelchen. Erdbeerpflanzen umranken eine steinerne Treppe. Nein, wir befinden uns nicht im Vorspann eines kitschigen Zeichentrickfilms, sondern in Friedhelm Stricklers Garten. Die Realität zeigt sich spätestens, als vor seinen Füßen eine tote Maus liegt. "Das gehört eben auch dazu", sagt der Bioland-Gärtner. Friedhelm hat einen Naturgarten. Das bedeutet, dass dort vorwiegend einheimische Wildpflanzen wachsen. Sie bieten Schmetterling, Spatz und Co. das ganze Jahr über einen nützlichen Lebensraum.

Zum Naturgarten gehört auch, dass regionale und umweltverträgliche Materialien und Bautechniken zum Einsatz kommen – also zum Beispiel Holz und Steine. Der Garten soll nicht einfach aus einem Rasen und einer Hecke bestehen, sondern ein Natur-Erlebnis-Raum werden. Quasi eine Win-win-win-Situation für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Dafür setzt sich Friedhelm nicht nur mit seinem privaten Garten ein, sondern auch beruflich und ehrenamtlich. In seiner Versandgärtnerei, der Wildpflanzengärtnerei Strickler, im rheinhessischen Alzey sind rund 850 der insgesamt 1200 Pflanzenarten aus seinem Sortiment einheimische Wildpflanzen. Damit bietet er das größte Wildpflanzen-Angebot in ganz Deutschland.

 

Außerdem ist Friedhelm nicht nur Bioland-Mitglied, sondern er engagiert sich auch im Naturgarten e.V. Der Verein setzt sich dafür ein, dass immer mehr artenreiche Naturgärten in privaten und öffentlichen Räumen angelegt werden. Gemeinsam mit Bioland wurden dafür sogar eigene Richtlinien erarbeitet. So muss zum Beispiel mindestens 60 Prozent der Pflanzen im Garten in Mitteleuropa einheimisch sein.


"Wer Tiere unterstützen will, braucht Vielfalt."

"Wir wollen die genetische Bandbreite erhalten", sagt Friedhelm. Obwohl es etliche unterschiedliche Pflanzensorten gibt, stehen in den Gartencentern oft nur die gleichen. In der Regel ist der Verkauf größerer Gehölze wie Tuja oder Kirschlorbeer lukrativer für die Gärtnereien. Die kleineren und abseits der Blütezeit oft auch unscheinbareren Wildpflanzen haben es da schwer, die Blicke der Kunden auf sich zu ziehen. Hier ist mehr Beratung gefragt, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sich die Pflanze entwickeln wird.

"Wildbestände sind nie einheitlich. Sie blühen zu unterschiedlichen Zeitpunkten", erklärt Friedhelm den Unterschied. Nur so können Tiere die ganze Saison über Nahrung und einen Unterschlupf finden. "Auf immer mehr Pflanzen steht, dass sie insektenfreundlich seien. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie auch nützlich für die Insekten sind", sagt der Naturgärtner. "Wer wirklich Tiere unterstützen will, der braucht einheimische Pflanzenvielfalt."


 

In seiner Gärtnerei im rheinhessischen Alzey bietet Friedhelm Strickler das größte Wildpflanzenangebot Deutschlands.

 

 

Seine Leidenschaft für Wildpflanzen spiegelt sich aber natürlich auch in seinem eigenen Garten wider.

 

 

Der eigene Garten ist nicht nur für Menschen eine grüne Oase, sondern auch für viele Tiere.

 

 

Inzwischen hält sich auch der Aufwand in Grenzen. Die Pflanzen werden nur ab und zu zurückgeschnitten.

 

 

In der Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler kommt nur torffreie Erde zum Einsatz.

 

 

Knapp 100.000 Jungpflanzen wachsen auf dem Gelände.

 

 

Ein Großteil der Pflanzen wird über das Internet verkauft und dann zu den Kunden geschickt.

 

Aber genau dort liegt für einige Menschen der Haken: zu viele Krabbeltiere, zu viel Unordnung, zu viel Arbeit. Das sind die gängigen Vorurteile. "Ein Naturgarten ist eben nur etwas für Menschen, die wirklich einen Garten wollen", sagt Friedhelm. Wer den Rasen gern mit der Nagelschere trimmt oder sich allerhöchstens einen kleinen Busch in den Stein-Vorgarten setzt, wird sich wohl eher weniger für die Naturgarten-Idee begeistern können. "Man muss sich schon mit seinem Garten auseinandersetzen: Wann wächst was? Wo fühlt sich welche Pflanze wohl? Wann schneide ich zurück?" Der Aufwand ist also am Anfang etwas höher als im Standard-Garten hinter dem städtischen Reihenhaus. "Aber nach rund zehn Jahren ist der Naturgarten sogar pflegeleichter", weiß Friedhelm. Seinem eigenen Garten widmet er sich inzwischen nur etwa einmal im Monat. Dann wird hier und dort mal etwas heruntergeschnitten oder zurechtgestutzt.


Ein Umzugsunternehmen im grünen Paradies

Wesentlich mehr zu tun gibt's hingegen in seinem Betrieb "Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler" - einem kräftig grünen Paradies mit vielen bunten Akzenten, Düften, Ideen und Fachwissen an jeder Ecke. Knapp 100.000 Jungpflanzen wachsen dort und warten darauf verkauft oder verschickt zu werden. "So eine Gärtnerei ist ein riesiges Umzugsunternehmen", sagt er. Da geht es hin und her. Viel Logistik ist notwendig. Statt Möbelpacker*innen gibt's Gärtner*innen.


Die Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler

Vor fast 30 Jahren hat Friedhelm Strickler seine Gärtnerei in Alzey gegründet.



Die Versandgärtnerei von Friedhelm Strickler bietet mit rund 850 Sorten bundesweit das größte Angebot an heimischen Wildpflanzen. Insgesamt wachsen auf der rund 1,9 Hektar großen Fläche circa 1200 Pflanzenarten. Um die kümmert sich Friedhelm natürlich nicht allein, sondern mit einem Team aus 19 Personen. Dazu zählen auch Christopher William Livingstone und Janis David Schmitt, die seit Anfang des Jahres mitverantwortlich für den Betrieb sind und ihn in 4 Jahren komplett übernehmen werden.  


Aber für Friedhelm ist nicht an seinem eigenen Tor Schluss. Er will das Naturgarten-Konzept weitertragen, andere begeistern, aufklären und dafür sorgen, dass es noch viele weitere grüne Paradiese gibt. Und genau deswegen ist er bereits seit 30 Jahren Mitglied im Naturgarten e.V. Die Idee überzeugte ihn damals so, dass er 1990 innerhalb von drei Monaten seinen konventionellen Garten-Landschaftsbaubetrieb aufgab und aus Rheinland-Pfalz nach Bayern zog. Zuvor hatte er den Naturgarten-Vorsitzenden Reinhard Witt kennengelernt und Walter Brummbauer, der im eigenen Naturgarten-Betrieb noch Personal suchte. Fügung! Weil es aber schwierig war, einheimische Pflanzen zu bekommen, gründete er mit seiner Frau Monika schließlich eine eigene Bioland-Gärtnerei. Den Naturgarten-Gedanken im Gepäck.

"Der Naturgarten e.V. ist für uns eine ganz wichtige Plattform", sagt Friedhelm. Dort tauschen sich Fachleute und Laien aus, diskutieren, lernen voneinander, entwickeln sich gemeinsam weiter. Und auch wenn die Zahl der Mitglieder bereits stetig wächst, wünscht sich Friedhelm, dass diese Plattform noch viel mehr genutzt wird. Er ist sich sicher: "Das Miteinander bringt den Erfolg."


Naturgarten und Bioland


Du willst deinen Garten naturnah gestalten? Die Landschafts- und Gartenbauexperten des Naturgarten e. V. geben dafür wichtige Impulse. Bioland und Naturgarten haben für ihre Kooperation eigene Richtlinien entwickelt. Gemeinsam zertifizieren wir Dienstleistungen im naturnahen Garten- und Landschaftsbau sowie Produktionsbetriebe im Wildpflanzen- und Wildsamenanbau. So fördern wir den gezielten Einsatz einheimischer, biologisch erzeugter Wildpflanzen und umweltverträglicher Baumaterialien. Die Kooperation leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Artenvielfalt und zu einer Minimierung des Ressourcenverbrauchs.

Hier gibt es mehr Infos zu den Naturgarten Fachbetrieben.


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