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Eine landwirtschaftliche Ausbildung umfasst jeder Menge Themen - nur Öko kommt dabei zu kurz (Foto: Imago)

Wie wird man Landwirt?

Viele Wege führen auf den Acker und in den Stall

07.02.2022

Landwirtinnen und Landwirte produzieren unsere Lebensmittel und sichern unser Überleben. Doch woher wissen die denn, wie das geht? Ausbildung oder Studium? Und wie ist das für die Öko-Landwirtschaft? Ein kleiner Überblick.

Von Marta Fröhlich

Der Beruf Landwirt gehört neben zum Beispiel Forstwirt oder Milchtechnologin zu den 14 "grünen Berufen" im Agrar- und Ernährungsbereich. Im Jahr 2020 absolvierten 8.460 junge Menschen eine Ausbildung zu Landwirtin bzw. zum Landwirt. Frauen waren genau 1.569 dabei. In Deutschland gibt es viele Wege und Möglichkeiten, um zu qualifizierten Abschlüssen zu gelangen. Den Überblick zu behalten, ist da nicht immer ganz leicht, zumal das Bildungssystem föderalistisch organisiert ist, also in der Verantwortung der einzelnen Bundesländer liegt. Die Unterschiede in den Bildungsangeboten sind enorm.
Der klassische Weg führt zunächst über die staatliche Ausbildung und dauert für gewöhnlich drei Jahre, kann aber ggf. auf zwei Jahre verkürzt werden. Die Ausbildung findet dual statt, also ein Teil in der Schule und ein Teil auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Im ersten Jahr, dem sogenannten Grundschuljahr, werden Basics aus allen Fachbereichen vermittelt:

  • Böden bearbeiten, Feldfrüchte anbauen
  • Pflanzenbestände pflegen und düngen
  • pflanzliche Produkte ernten, fachgerecht lagern und verwerten
  • Landschaft pflegen
  • Nutztiere halten, füttern und versorgen
  • tierische Produkte gewinnen und aufbereiten
  • Qualitätsnormen bei der Produktion von Lebensmitteln kennen und kontrollieren
  • landwirtschaftliche Produkte vermarkten sowie ländliche Dienstleistungen anbieten
  • Maschinen und Geräte bedienen, warten und pflegen
  • betriebliche Abläufe und Arbeiten planen, durchführen und kontrollieren
  • betriebliche Geschäftsvorgänge kennen und diese aktiv gestalten

Diese werden dann in den zwei Folgejahren vertieft, vor allem in der Mitarbeit auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Am Ende der Ausbildung stehen mündliche und schriftliche Prüfungen. Als Mindestabschluss zum Antritt einer landwirtschaftlichen Ausbildung wird der Hauptschullabschluss verlangt.

Und was ist mit Öko?

Eine spezielle Berufsausbildung mit dem Abschluss "Ökolandwirtin" oder "Ökolandwirt" gibt es in Deutschland nicht. Die staatliche Ausbildung ist per se weder konventionell noch ökologisch ausgerichtet. Tatsächlich ist die konventionelle Landwirtschaft jedoch der Schwerpunkt. Laut einer Empfehlung der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 1994 sollten mindestens 80 Stunden "Alternative Landwirtschaft" in der Schule unterrichtet werden. Das wären etwa drei Wochen Unterricht  in drei Jahren. In keinem Bundesland werden aktuell die vorgegeben 80 Unterrichtsstunden in allen Schulen flächendeckend erreicht. Dafür sind viele Themen, die auf ökologischen Betrieben keine Rolle spielen, prüfungsrelevant. Ob Ökolandbau bereits in der Schule Thema ist, hängt zudem stark von der Lehrkraft ab, die Themen aus dem Ökolandbau in ihren Unterricht einbringen kann. Lies dazu mehr in unserem Interview mit Berufsschullehrer Johannes Walther.

Der betriebliche Teil der Ausbildung kann aber komplett auf einem Bio-Betrieb absolviert werden. Voraussetzung ist, dass diese Betriebe als Ausbildungsbetriebe anerkannt sind. Verpflichtende Ausbildungsinhalte wie zum Beispiel der Umgang mit Pflanzenschutzspritze oder Mineraldüngerstreuer können über eine Kooperation mit einem anderen (konventionellen) Betrieb vermittelt werden.

Studie zeigt Wege zu mehr Öko

Mehr Ökopraxis in der Ausbildung fordert auch eine große Studie des KÖN (Foto: Herpich/Bioland)

Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe stellen auf ökologische Wirtschaftsweise um oder planen diesen Schritt. Wird die berufliche Bildung dieser Entwicklung gerecht? Hat der Öko-Landbau genug Platz im Lehrplan? Und welche Lösungen gibt es, Ökolandbau mehr in die Berufsschulklassen zu bringen? Im Rahmen eines bundesweiten Projektes im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) wurden in einer fünf Jahre dauernden Studie genau diese Fragen bearbeitet. Verantwortlich ist das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN), Kooperationspartner sind der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Verband der Landwirtschaftskammern (VLK).
>>Hier geht's zur Studie.


Hat man die staatliche Ausbildung geschafft, gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Weiterbildung. An Fachschulen kann man sich auf einen bestimmten Fachbereich - zum Beispiel Geflügelhaltung - spezialisieren und/oder seinen Meister machen. Mögliche Perspektiven sind:

  • Agrarbetriebswirt*in oder Techniker*in
  • Landwirtschaftsmeister*in
  • Natur- und Landschaftspfleger*in
  • Fachagrarwirt*in

Hochschulstudium (zum Beispiel Agrarwissenschaften, Agrarökonomie)
Natürlich kann man auch über den zweiten Bildungsweg starten. Beim Quereinstieg kann man entweder die klassische Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen oder fachliche Weiterbildungen an den entsprechenden Fachschulen nutzen.

Einen guten Überblick über Aus- und Weiterbildungswege bietet der Bildungsserver Agrar. Zur möglichen Laufbahn im Ökolandbau findest du zahlreiche Informationen auf Oekolandbau.de Dort gibt es auch detaillierte Infos, wie die Ausbildung in den einzelnen Bundesländern organisiert ist und wo sich Ausbildungsbetriebe finden, die ökologisch arbeiten. Auch auf bioland.de findest du Betriebe, die Auszubildende suchen.

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