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Johannes Walther unterrichtet angehende Landwirte und Landwirtinnen und vermittelt dabei auch seine Erfahrungen aus dem Ökolandbau (Foto: Walther)

"Wir müssen die Lehrpläne umbauen"

Wie Berufsschullehrer Johannes Walther mehr Öko in die Klassen bringt

07.02.2022

Johannes Walther ist 25 Jahre alt, gelernter Landwirtschaftsmeister und führt mit seinen Eltern einen Bioland-Ackerbaubetrieb im fränkischen Rothenburg o.d. Tauber. Neben dem Betrieb bildet er als Berufsschullehrer angehende Landwirte aus. Für ihn gehört Ökolandbau selbstverständlich in die landwirtschaftliche Ausbildung. Und vor allem endlich in den Lehrplan.

Von Marta Fröhlich

Hallo Johannes! Du bist Ökolandwirt und Berufsschullehrer. Wie kam es zu dieser Kombi?
Zunächst einmal war ich nicht schon immer öko. Ich habe eine klassische Ausbildung zum Landwirt gemacht und den Landwirtschaftsmeister draufgesattelt. Dafür musste ich eine Abschlussarbeit anfertigen und habe die Umstellung unseres Betriebes zum Ökolandbau geplant. Bis dahin waren wir konventionell unterwegs. Dann haben wir festgestellt: Rein betriebswirtschaftlich rechnet es sich, wir hatten Probleme mit Resistenzen im Unkrautbereich, die Düngerpreise gingen immer weiter rauf. Der Druck in der Bevölkerung wuchs spürbar. Ich habe meinen Eltern vorgeschlagen, auf Bio umzustellen. Und die waren sehr offen und wir haben 2018 auf Öko umgestellt.

Wie war deine eigene Ausbildung? Spielte Ökolandbau eine Rolle?
Ich habe 2012 die Ausbildung gemacht. Da warst du der Depp, wenn du angefangen hast, von Bio zu erzählen. Wir hatten einen Mitschüler, der war auf einem teilumgestellten Betrieb. Der wurde belächelt und als Bio abgetan. Das war damals noch sehr stark vertreten, das merke ich heute bei meinen Schülern gar nicht mehr. Da hat sich im Vergleich zu  meiner Ausbildung im Denken schon einiges getan.

Deine Ausbildung war also eher konventionell. Wie bist du selbst Lehrer für Ökolandbau geworden?  
Berufsschullehrer sind Mangelware. Nach meinem Meisterabschluss hörte ich davon, dass an der landwirtschaftlichen Berufsschule hier in Triesdorf Lehrkräfte gesucht werden. Ich habe mich beworben und bin nun nebenberufliche Lehrkraft im Quereinstieg mit aktuell 12 Stunden die Woche.

Welche Qualifikationen musstest du mitbringen, um unterrichten zu können?
Ich musste einen Bachelor oder einen gleichgestellten Abschluss mit praktischer Komponente vorweisen. Mein Meister mit praktischer Ausbildung zum Beispiel oder ein dual studierter Bachelor wird dafür anerkannt.

Was genau unterrichtest du?
Also im Prinzip alles, was du auf einem Betrieb brauchst. Von EDV über Betriebsführung, jeder Bereich im Pflanzenbau, teils auch Tierhaltung, querbeet, was gebraucht wird. Es geht um Basics aus der Landwirtschaft - die Ausrichtung ist weder konventionell noch ökologisch. Aber ein Grund, warum ich eingestellt wurde, ist, dass ich einen Bioland-Betrieb habe, das hat dem Schulleiter von Anfang an gefallen. Gerade im Pflanzenbau vermittle ich viele ökologische Inhalte, weil ich mich dort am besten auskenne. Zum Beispiel erzähle ich nichts zur Pflanzenschutzspritze, sondern eher zum Striegel oder zu Strategien gegen Unkraut oder Krankheiten. Natürlich ist beispielsweise die Spritze ein prüfungsrelevantes Thema und muss unterrichtet werden. Das übernimmt dann aber ein Kollege, der in dem Thema fitter ist.

Spielt umgekehrt Ökolandbau eine Rolle in den Prüfungen?
Es gibt keine spezifischen Vorgaben zum Ökolandbau in den Prüfungen. Aber ich als Lehrkraft gehe gern und viel auf zum Beispiel Unkrautbekämpfung mit ökologischen Methoden ein. Aber meine Schüler können das, ich hab's ihnen ja erklärt (lacht).

Das hängt dann also sehr von der Lehrkraft ab.
Ja, auf jeden Fall. Wenn das Wissen beim Lehrer da ist, dann lernen die Schüler auch was darüber. Wenn der Fachlehrer selbst von einem konventionellen Betrieb kommt und keine Ökoinhalte vermittelt, dann bleibt es häufig auch dabei.

Wie sieht es aus mit Fortbildungen für Lehrkräfte? Gibt es da Vorgaben bezüglich Ökolandbau?
Nein, da gibt es keine Vorgaben. Aber: Dadurch, dass der politische Druck und der Druck aus der Gesellschaft größer werden und auch die Landwirte immer mehr in die Richtung denken, wird es zwangsläufig Einzug in die Berufsschulen halten. Die jungen Lehrkräfte, die nachkommen, gehen von selbst in die Richtung. Wenn die Politik das Ziel 30 Prozent Ökolandbau vorantreibt, dann muss sich aber auch jeder Praktiker damit beschäftigen. Es braucht also auch Fortbildungen für die Kollegen, die jetzt unterrichten. Ich halte jedoch nichts von verpflichtenden Ökoseminaren für Lehrkräfte.

Was wäre dann eine gute Lösung, um mehr Ökolandbau in die Klassen zu bekommen?
Wir müssen die Lehrpläne umbauen. Ich als Lehrer orientiere mich am Lehrplan. Wenn dort Öko von mir gefordert ist, dann bilde ich mich auch fort, weil ich es gebrauchen kann. Je mehr konkrete Inhalte aus der ökologischen Anbauweise dort verankert sind, desto relevanter wird das Thema auch für die Lehrkräfte.

Es gibt die Empfehlung der Kultusministerkonferenz, dass Ökolandbau mit 80 Stunden in der Ausbildung vertreten sein soll. Die Länder können diese Empfehlung frei umsetzen. Das Ergebnis ist nicht sehr zufriedenstellend. Wie stehst du dazu?
Mein Unterricht baut stark auf Öko auf. Ich deklariere es nicht so, aber ich vermittle viele Inhalte aus dem Ökolandbau. Alle Basics, die vermittelt werden, können auch öko mitunterrichtet werden. Das ist in der Praxis realistischer als ein eigener Ökoblock in der Ausbildung, finde ich. Der Hebel wird der Lehrplan sein. Dort kann zum Beispiel "Unkrautbekämpfung mit der Spritze" auch mit Spritze und Striegel" gefordert sein. So wird Öko automatisch mitvermittelt.

Die Lehrkräfte sind die eine Seite. Interessieren sich deine Schüler denn überhaupt für Ökolandbau?
Der Durchschnitt meiner Schüler*innen sind kommen von typisch fränkischen Familienbetrieben, die meisten konventionell. Aber sie freuen sich tatsächlich, wenn ich ihnen was aus der Ökoanbaupraxis erzähle. Dazu wissen sie wenig und kennen es in der Regel auch von daheim nicht.

Wenn du das mit deiner eigenen Ausbildung vergleichst: Hat sich da was verändert?
Die größte Veränderung passiert in der Bevölkerung, da wird bereits umgedacht, der Druck wird größer. Und vor allem die Schüler sind nicht mehr so abgeneigt gegen Öko und offener geworden. Das sollten wir nutzen.

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