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Das Forschungsprojekt hat gezeigt: Schafs- und Ziegenmilch sind ein Nischenprodukt mit steigender Nachfrage (Foto: Sonja Herpich)

Die 3 spannendsten Forschungsthemen

Unsere Highlights aus 50 Jahren Bioland

02.08.2021

Die Weiterentwicklung des Ökolandbaus überlassen wir nicht dem Zufall, sondern lieber den Profis aus unserer eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Gemeinsam mit Menschen aus Landwirtschaft, Fachberatung und Wissenschaft kümmern sie sich um offene Fragen aus den Bereichen Pflanzenbau, Tierhaltung und Nachhaltigkeit.

Von Meike Fredrich

Wertvolle Nährstoffe aus der Kläranlage

Phosphor kennst du vielleicht noch aus dem Chemie-Unterricht, als du das Periodensystem auswendig lernen musstest. Neben Stickstoff und Kalium gehört er zu den wichtigsten Nährstoffen für Pflanzen. Wie so vieles sind leider auch die Phosphorvorkommen im Boden endlich, sodass die Pflanzen zusätzlich mit Phosphor versorgt werden müssen. Im Ökolandbau mangelt es zurzeit noch an nachhaltigen Phosphor-Düngern, weswegen unser Forschungsteam sich von 2017 bis 2019 intensiv mit dem Thema beschäftigt hat.


Phosphor verlässt den Kreislauf meistens ohne zurückzukommen

 

Um ein grundlegendes Problem zu verstehen, müssen wir einen kurzen Abstecher zur Kreislaufwirtschaft machen. Denn normalerweise werden Nährstoffe auf dem Betrieb gehalten. Wir bringen sie beispielsweise als Kompost oder Mist der eigenen Tiere wieder auf die Felder.

Allerdings verlassen sie den Hof auch mit dem Verkauf der Ernteprodukte. Die Nährstoffe aus den Pflanzen fließen also in Tierfutter für andere Betriebe oder in die Lebensmittelproduktion - also in unserem Essen. Das heißt im Klartext: Der wertvolle Phosphor landet auf lange Sicht in unseren Ausscheidungen. Klärschlamm wird daher zum Objekt der Begierde – wer hätte das gedacht?!

 

"Leider" kann man den Klärschlamm aber nicht einfach auf die Felder werfen. Denn: Neben den Nährstoffen können auch Schadstoffe, wie Schwermetalle oder Arzneimittel, dabei sein. Die Folge: Man muss den Klärschlamm – vereinfacht gesagt -  recyceln, um den Phosphor zurückzugewinnen und den Phosphorkreislauf zu schließen.

Wie das geht, erfährst du im Video. Die Lösung heißt Struvit. Oder Ammonium-Magnesium-Phosphat-Hexahydrat, falls du mal ein Wort für das Spiel Galgenmännchen brauchst. Bisher darf dieser natürlich recycelte Phosphor-Dünger allerdings nicht verwendet werden. Wir appellieren daher an die Politik, die sauberen, schadstoffarmen und wertvollen Struvite für den Ökolandbau zuzulassen.


Und falls du jetzt (oder schon immer) ein Phosphor-Fan bist, findest du im Phosphor-Wiki viele tiefergehende Infos.


Im Einsatz für eine tierische Randgruppe

Schafe und Ziegen stellen einen Randbereich der deutschen Landwirtschaft dar. Bis zum Jahr 2014 gab es daher auch keine wirklich guten Zahlen zur Schaf- und Ziegenmilchproduktion. Die heutige Geschäftsführerin der Bioland-Praxisforschung, Gwendolyn Manek, wollte das ändern. Ihr Ziel: eine ordentliche Datengrundlage, um einen konkreten Handlungsbedarf abzuleiten.


Nur 10 von den 371 Betrieben halten sowohl Ziegen als auch Schafe

 

Durch aufwendige Recherchen, Befragungen, etliche Telefonate, Vor-Ort-Termine und vieles mehr konnte das Projektteam 371 Betriebe (Kriterium: mehr als 15 Melktiere) mit 35.000 Milchziegen und 8.500 Milchschafen ausmachen. Besonders erfreulich: Der Ökolandbau überwiegt in der Nische. Während 57 Prozent der Ziegen nach biologischen Richtlinien gehalten wurden, waren es bei den Schafen sogar 70 Prozent.

"Wir konnten feststellen, dass die Verarbeitung der Milch hauptsächlich auf den Höfen erfolgte, inklusive Direktvermarktung. Nur 35 Prozent der Ziegen- und 10 Prozent der Schafsmilch wurde an Verarbeitungsstätten geliefert", erzählt Gwendolyn.

 

Laut der aktuellen Milchstatistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung werden rund 15 Millionen Kilogramm Schafs- und Ziegenmilch pro Jahr an große Molkereien und Käsereien geliefert – bio und konventionell wohlgemerkt. Zum Vergleich: Allein bei Bio-Kuhmilch waren es letztes Jahr 1,23 Milliarden Kilogramm, also 82-mal so viel.

Doch die Zahlen und Befragungen von Landwirt*innen, Verarbeitung und Handel sprechen für das Nischenprodukt. "Ich habe mich gefreut, dass wir eine stabile oder gar wachsende Nachfrage und Marktentwicklung feststellen konnten. Die Beliebtheit der leckeren Ziegen- und Schafsmilchprodukte steigt", sagt Gwendolyn, die selbst Ziegen hält. Auch einige Herausforderungen, wie Forschungsbedarf bei Gesundheitsfragen, verbesserte Zuchtstrategien, Vermarktung von Kitzen sowie mehr Vernetzung, Bildung und Beratung, wurden durch die Studie deutlich.


Für Shopping-Queens und -Kings

Gehst du auch gerne im Hofladen einkaufen? Wenn ja, was kaufst du dort vorwiegend? Wenn nein, welche Produkte würdest du dort am ehesten kaufen bzw. fehlen dir dort?

Diese und viele weitere Infos sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht sehr relevant für die Besitzer*innen von Hofläden. Schließlich müssen sie wissen, welche Produkte sie am besten vermarkten können. Wie aber können sie ihre Wirtschaftlichkeit messen und bewerten? Um verschiedene Kennzahlen von Hofläden zu analysieren und ein Bewertungsinstrument zu entwickeln, wurde vor drei Jahren ein Projekt gestartet. Hierbei wurden die Buchabschlüsse von 32 Bio-Hofläden, 14 konventionellen Hofläden und 7 Hofläden von sozialen Einrichtungen betrachtet. Die Inhaber*innen wurden natürlich auch persönlich befragt.

Dabei kam zum Beispiel heraus, dass in konventionellen Hofläden vor allem Fleisch (38 % Umsatzanteil) und in Bio-Hofläden hauptsächlich Gemüse, Obst und Kartoffeln (29 % Umsatzanteil) gekauft wird. Ist das bei dir auch so?


 

Die Sortimentsgruppen von Biohofläden und konventionellen Hofläden sind teilweise ähnlich, manchmal aber auch ganz unterschiedlich verteilt (Grafiken: N-Komm Agentur für Nachhaltigkeits-Kommunikation)

 

 

Die wichtigsten Waren bei allen Hofläden sind die Frischeprodukte, wie Obst, Gemüse und Kartoffeln, mit einem Umsatzanteil von rund 29 %, gefolgt von Molkereiprodukten (Mopro) und Fleisch. Tiefkühl-Waren (TK) machen nur 1 % aus

 

 

Wie viel gibst du durchschnittlich bei deinem Einkauf im Hofladen aus?

 

Auf Basis dieser Erhebung wurde das Online-Tool KennDi erstellt. Hiermit können Besitzer*innen von Hofläden ihre betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ermitteln. On top erhalten sie unmittelbar eine Gegenüberstellung der eigenen Kennzahlen mit vergleichbaren Betrieben ähnlicher Größe und ähnlichen Umsätzen.


Du hast noch nicht genug?

Wenn du weitere Forschungsthemen aus den Bereichen Pflanzenbau, Tierhaltung und Nachhaltig kennenlernen möchtest, dann schau doch mal hier vorbei: www.bioland.de/praxisforschung


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