Feldfutter Mischungsvergleiche im Ökologischen Landbau
Aufgrund des Klimawandels und der zunehmend auftretenden Trockenheiten gewinnen trockenheitstolerante Futterpflanzen im Futterbau für Raufutterfresser an Bedeutung. Bleibt die Frage: Gelingt der Anbau der Luzerne als Königin der Futterpflanzen auch auf marginalen Standorten mit niedrigem pH-Wert?

Biolandberaterin Eike Poddey dokumentiert Ergebnisse des Versuches. (Foto: Eike Poddey)
Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Die Fragestellung, ob die Luzerne auch auf marginalen Standorten mit niedrigem pH-Wert Fuß fassen kann, konnte aufgrund des schlechten Auflaufens der Luzerne nicht eindeutig geklärt werden.
Abgesehen von den geringen Luzerneanteilen in den Beständen war zu erkennen, dass sich die Luzernepflanzen sehr unterschiedlich entwickelten. Auf der Suche nach den Ursachen hierfür, wurden zusätzliche Faktoren erhoben. Dabei konnten zwar mögliche Faktoren für ein schlechtes Wachstum vorerst verworfen werden, die untersuchten Faktoren gaben jedoch auch keinen Hinweis auf die Ursachen.
Das schlechte Auflaufen der Luzerne kann mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die ungünstigen Ansaatbedingungen zurückgeführt werden. Dieser Rückschluss wird dadurch gestützt, dass alle anderen Arten ebenfalls mehr oder weniger betroffen waren und die Bodenproben auch keinen Hinweis auf eine andere Ursache ergaben. Zudem war die weitere Entwicklung durch die Aussaat ca. einen Monat nach dem für Luzerne empfohlenen Ausaatzeitraum erschwert.
Die Großenteils niedrigen pH-Werte schienen sich auf die sich gut entwickelnden Luzernepflanzen nicht negativ auszuwirken, ganz im Gegenteil: Auf dem Betrieb E mit den niedrigeren pH-Werten waren in den letzten beiden Schnitten im Jahr 2024 die meisten Luzernepflanzen zu finden. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich die jährliche Kalkdüngung des Betriebs E auch im Frühjahr 2024 doch positiv ausgewirkt hat. Zusätzlich enthielt der Kalk des Betriebs E Schwefel, was ebenfalls ein wachstumsfördernder Faktor sein könnte.
Da keine bodenstrukturellen Hemmnisse für das Wurzelwachstum gefunden wurden, erschien es wahrscheinlich, dass das schwache Wachstum eines Teils der Luzernepflanzen durch eine unzureichende Nährstoffversorgung verursacht wurde. Die Analysen der Bodenproben ergaben jedoch keinen Hinweis auf Ursachen für die extremen Unterschiede in der Entwicklung der Luzerne.
Auch bei den Versuchsflächen, auf denen Wirtschaftsdünger ausgebracht wurde, konnte kein nachweislicher Unterschied in der Entwicklung der Luzernepflanzen festgestellt werden. Sowohl in der gedüngten als auch in der ungedüngten Variante stellte sich das gleiche Bild von sich gut entwickelnden und sich schlecht entwickelnden Pflanzen dar. Trotzdem fiel auf, dass sich die Luzerne in der Mischung A9RsKg mit den Mischungspartnern Rohrschwingel und Knaulgras in der ungedüngten Variante zum Ende des Versuchs hin nochmal stärker entwickelte.
Im Versuch zeigte sich, dass Luzernepflanzen durchaus auf marginalen Standorten bestehen können. Kritisch sind jedoch der Aussaatzeitpunkt, die Ansaat und die Jugendphase. Durch den Versuch wurde bestätigt, dass besonders ertragsstarke Gräser (im Versuch Weidelgras) und Rotklee das Potential haben die Luzerne in ihrer Jugendphase zu unterdrücken. Luzerne braucht auf marginalen Standorten sich langsam entwickelnde Mischungspartner, um sich in ihrer Jugendphase gut entwickeln zu können. Dies hat auf weniger wüchsigen Standorten zur Folge, dass die Erträge im ersten Hauptnutzungsjahr hinter denen leistungsstärkerer Mischungen zurückbleiben – wenn genug Niederschlag fällt. In Trockenzeiten könnte die Luzerne dazu beitragen, die Erträge zu stabilisieren. Vor allem, wenn sie gut mit Rohrschwingel und Knaulgras harmoniert, die sich ebenfalls durch eine gute Trockenheitstoleranz auszeichnen.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Kann die Luzerne als Königin der Futterpflanzen auch auf marginalen Standorten mit niedrigem pH-Wert Fuß fassen? Um diese Frage zu beantworten, wurde Luzerne in 5 unterschiedlichen Mischungen sowie im Vergleich zu einer Mischung ohne Luzerne (A7) getestet.
Mit diesem Projekt (Laufzeit Mai 2022 bis Dezember 2024) sollten Erkenntnisse gewonnen werden, wie eine trockenheitsresiliente Raufuttererzeugung auf marginalen Standorten mit Luzerne umgesetzt werden kann.
Bild: Gut entwickelte Luzerne.
Versuchsvarianten
Für das Vorhaben wurde auf zwei Betrieben, im Weiteren mit den Kürzeln W und E benannt, je ein leichter Geeststandort für die Aussaat ausgewählt. Die Versuchsfläche wurde nach Homogenität ausgewählt und anschließend ausgemessen.
Betrieb W: Landkreis: OL; Schlaggröße: 6,15 ha; Landschaftstyp: Geest; Bodenart: S; Bodenpunkte: 16; Wurzeltiefe Dez. 22: 70cm
Betrieb E: Landkreis: EL; Schlaggröße: 10,8 ha; Landschaftstyp: Geest; Bodenart: S; Bodenpunkte: 20; Wurzeltiefe Dez. 22: 80-90cm
In einem Streifenversuch wurden 6 unterschiedliche Futterbaumischungen in 3-facher Wiederholung angelegt. Dazu wurden 50 m lange Streifen mit der Sämaschine des Betriebs ausgesät. Aufgrund des schlechten Auflaufens der Kräuter und Leguminosen, besonders der Luzerne, wurde entschieden, eine Hälfte des Versuchs mit Gülle bzw. Gärrest zu düngen. Projektseitig wurden für den Vergleich 5 Mischungen ausgewählt. Zusätzlich wurde jeweils eine praxiserprobte Mischung der Betriebe (Hof W, Hof E) in die Versuchsanlage aufgenommen. Die in den Mischungen verwendeten Arten und deren Prozentanteil in den Mischungen sin im vollständigen Bericht (siehe Download) zu finden.
Bild: Versuchsflächen für den Feldfutteranbau.
Download
Feldfutter Mischungsvergleiche im Ökologischen Landbau
Dieser Versuch wurde aus Mitteln des Landes Niedersachsen gefördert.


