Die Regionalberatung: Interview mit Jonathan Kern

Aus der RegionBaden-WürttembergBaden-Württemberg 04.08.26

Seit 2022 gibt es fünf Kolleginnen und Kollegen, die Bioland in den Regionen vertreten. Wir stellen vor: Jonathan Kern, der Bioland-Regionalberater im Nordosten Baden-Württembergs.

Jonathan Kern (links) modelt beim Bioland-Shooting (Foto: Sonja Herpich, Bioland e. V.).

Steckbrief

Region: Nordost

Beratungsschwerpunkte: Ackerbau, Grund- und Umstellungsberatung

Beruflicher Hintergrund: Jonathan hat Agrarwissenschaften mit Schwerpunkten Agrartechnik und Ökolandbau studiert. Nach mehreren Praxis-Stationen kam er 2012 als Fach- und Regionalberater zu Bioland.

Wie würden dich deine Kolleginnen und Kollegen beschreiben? „Jung, gutaussehend, freundlich, humorvoll" (lacht).

Interview vom 28.07.2026

Wie bist du zur Landwirtschaft allgemein und später zu Bioland gekommen?

Eigentlich über die Nachbarschaft. Da gab es einen kleinen Betrieb, auf dem ich schon als kleiner Stepke mitgelaufen bin. Mit etwa fünf Jahren war ich dann regelmäßig auf einem größeren Betrieb auf dem Traktor dabei, auf dem ich auch heute noch tätig bin und dort den Ackerbau organisiere. Nach meinem Studium an der Uni Hohenheim arbeitete ich auf einem Feldgemüsebetrieb in Bayern, bei einem Lohnunternehmer in Tübingen und anschließend zweieinhalb Jahre als Betriebsleiter auf einem Bioland-Betrieb auf der Alb. Ich kannte schon viele Bioländer und auch Bioland-Mitarbeitende und als die Stelle in meiner Heimatregion ausgeschrieben war, hat sich alles ziemlich gut gefügt. Anfangs habe ich noch mehr Regionalgruppen betreut, mit der Zeit ist mein Schwerpunkt aber immer stärker Richtung Ackerbau gewandert. Die Gruppen Hohenlohe-Tauber und Schwäbisch-Hall sind mir trotzdem erhalten geblieben. Darüber bin ich auch sehr froh, weil ich beide einfach richtig gerne mag.

Was macht dir an der Arbeit mit den Betrieben am meisten Spaß?

Ganz klar der Umgang mit Menschen. Ich habe das Glück, mit unglaublich vielen netten Leuten zusammenzuarbeiten. Es passiert praktisch nie, dass ich mal keine Lust hätte, irgendwo hinzufahren. Auch fachlich wird es nie langweilig. Jedes Jahr läuft anders, jeder Betrieb hat andere Fragen und Herausforderungen. Man lernt ständig dazu und nimmt von jedem Betrieb Erfahrungen mit, die man dann auch weitergeben kann.

Wenn du auf einen neuen Betrieb kommst: Wie gehst du vor?

Erstmal steig ich mit guter Laune aus dem Auto, das macht einen großen Unterschied. Gerade bei Umstellungsbetrieben ist oft viel Unsicherheit dabei, da hilft es, wenn man gleich am Anfang die Spannung rausnimmt. Danach will ich möglichst viel über den Betrieb erfahren. Bei einem Rundgang bekommt man ein gutes Gefühl dafür, was die Leute beschäftigt. Der eine macht sich Sorgen ums Unkraut, die andere um die Vermarktung. Man muss erstmal rausfinden, worum es den Betrieben eigentlich geht und wie man am besten helfen kann.

Was beschäftigt deine Betriebe aktuell am meisten?

Da kommt einiges zusammen. Die wirtschaftliche Situation spielt eine große Rolle und viele fragen sich, wie sich die Märkte und der Ökolandbau insgesamt entwickeln. Ein großes Thema ist auch die Hofnachfolge. Viele Bioland-Betriebe kommen jetzt schon in die zweite Generation. Und natürlich die Trockenheit. Viele überlegen, wie sie ihren Betrieb an die veränderten Bedingungen anpassen können oder auch müssen. Was mich dabei freut: Die meisten klagen nicht nur über die Probleme, sondern überlegen ganz konkret, was gut läuft und was sie ändern oder verbessern können.

Welche Strategien verfolgen die Betriebe, um besser mit der Trockenheit klarzukommen?

Viele legen größere Futterreserven an oder pflegen dafür langfristige Kooperationen mit anderen Betrieben. Auch Strukturen mit Bäumen oder Hecken rund um die Äcker gewinnen an Bedeutung. Bei der Fruchtfolge stellt sich auch die Frage: Welche Kulturen kommen mit Hitze und Trockenheit am besten zurecht? Luzerne ist für mich ganz vorne mit dabei, das wird gerade in diesem Jahr wieder gut sichtbar. Daneben sehe ich viel Potenzial bei Sojabohnen und Mais sowie generell bei Ackerfutterkulturen. Allgemein wirken sich die vielfältigen Fruchtfolgen im Biolandbau positiv auf Bodenstruktur und Bodenfruchtbarkeit aus. Ein Boden, der Wasser besser speichern kann, ist in trockenen Jahren klar im Vorteil. Das merkt man unter solchen Bedingungen besonders. Viele unserer Betriebe sind da schon recht gut aufgestellt.

Gibt es ein Erlebnis aus deiner Beratung, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein brennendes Haus habe ich jetzt nicht auf Lager, aber es gibt viele schöne Begegnungen. Vor ein paar Jahren hat mich ein Betriebsleiter so halb in den Arm genommen und mir gesagt, wie gut ihm das tut, dass er mit seinen Fragen und Sorgen immer zu mir kommen kann. So etwas freut mich natürlich. Da merkt man, dass Beratung viel mehr ist als nur der fachliche Input. Manchmal entsteht ein richtiges Vertrauensverhältnis, über Jahrzehnte hinweg.

Was gibt dir noch Energie und wie kannst du am besten abschalten?

Viel Zeit für Hobbys bleibt ehrlich gesagt nicht. Familie, Bioland und die Arbeit auf dem Betrieb nehmen mich schon in Anspruch. Am besten entspannen kann ich tatsächlich bei Arbeiten draußen auf dem Acker. Jetzt in diesem Moment stehe ich mitten in meinem Öl-Lein-Feld, das ist eine meiner Lieblingskulturen. Klingt vielleicht komisch, aber wenn ich dort arbeite, komme ich runter. Ab und zu spiele ich auch Basketball mit Freunden.

Gibt es etwas, das du den Betrieben in Baden-Württemberg noch mitgeben möchtest?

Vor allem, dass sie guten Mutes bleiben sollen. Natürlich gibt es immer wieder Herausforderungen, aber die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass unsere Betriebe damit auch umgehen können. Es lohnt sich, darauf zu schauen, was gut läuft und was man schon erreicht hat. Wer positiv und aktiv bleibt, hat neue Ideen und findet gute Lösungen.

Vielen Dank für das Interview!
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