Die Regionalberatung: Interview mit Martin Weiß

Aus dem VerbandBaden-WürttembergBaden-Württemberg 23.07.26

Seit 2022 gibt es fünf Kolleginnen und Kollegen, die Bioland in den Regionen vertreten. Wir stellen vor: Martin Weiß, der Bioland-Regionalberater aus Oberschwaben.

Martin Weiß beim Ballenpressen auf dem Familienbetrieb (Foto: Martin Weiß)

Steckbrief

Region: Oberschwaben/Bodensee

Beratungsschwerpunkte: Regionalberatung, Grund- und Umstellungsberatung. Davor Fachberater für Rinder mit Schwerpunkt Milchvieh, Stallbau und Fütterung.

Hintergrund: Aufgewachsen mit der elterlichen Landwirtschaft, Ausbildung zum Landwirtschaftsgehilfen, staatlich geprüfter Wirtschafter des Landbaus und Studium der Agrarwissenschaften in Hohenheim. Zusätzliche Ausbildung in Coaching und Unternehmerschulung.

So würden ihn seine Kolleg*innen beschreiben: Für Martin ist Bioland Familie. Sehr richtlinienkompetent, eng mit Verband und Praxis verbunden. Auch bei kritischen Fragen bleibt er loyal und konstruktiv.

Interview vom 9. Juli 2026

Seit wann bist du beim Landesverband und was sind deine Aufgaben?

Ich habe dieses Jahr mein 30-jähriges Mitarbeiterjubiläum gefeiert und war lange Jahre Fachberater für Rinder mit den Schwerpunkten Milchvieh, Stallbau und Fütterung. Gleichzeitig war ich auch immer als „Feld-Wald-Wiesen-Berater“ unterwegs, also mit einem breiten Blick auf die Betriebe. Heute bin ich Regionalberater und insbesondere für die Grund- und Umstellungsberatung zuständig.

Wie bist du zur Landwirtschaft allgemein und zum Verband gekommen?

Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Mein Zwillingsbruder und ich haben schon in der Legokiste gemeinsam den Hof bewirtschaftet. Meine Familie hat immer recht alternativ gedacht, weshalb mich „die Ökologisierung“ der Landwirtschaft früh interessiert hat. Für meine Lehrlingsausbildung war ich auf dem Rösslerhof bei Albert Batzill. Das war ein prägender Betrieb für mich und hat meinen weiteren Weg stark beeinflusst. Während meines Studiums in Hohenheim war ich dann im Arbeitskreis Ökolandbau aktiv. Als die Fördermöglichkeiten für Betriebe aufkamen hat mein Vorgänger in der Bioland-Beratung meinem Bruder und mir geraten: „Wenn ihr umstellen wollt, dann jetzt“, was wir dann auch gemeinsam mit unserem Nachbarbetrieb und Cousin Franz Boos gemacht haben. Rückblickend haben eigentlich viele Wege zum Verband geführt. Besonders gefallen hat mir immer die pragmatische und praxisorientierte Herangehensweise, für die Bioland steht.

Was findest du am Biolandbau besonders spannend?

Ich halte die ökologische Landwirtschaft und insbesondere den organisch-biologischen Landbau für eine sehr moderne Form der Landwirtschaft. Sie bietet Antworten auf viele Fragen, die uns heute beschäftigen: Energie, Wasser, Grundwasserschutz, Bodenerosion oder Biodiversität. Gleichzeitig ist Bio für mich kein Zustand, sondern ein Weg. Auch nach 30 Jahren sehe ich noch viele Möglichkeiten, Dinge weiterzuentwickeln. Das gilt zum Beispiel für Nährstoffkreisläufe oder auch beim Tierwohl. Wir haben im Biolandbau vieles erreicht, aber wir dürfen nicht so tun, als wäre alles perfekt. Wenn Tiere lahm gehen oder es Defizite im Herdenmanagement gibt, dann müssen wir das auch offen ansprechen. Gerade diese ständige Weiterentwicklung macht die Biolandwirtschaft für mich spannend.

Was sind deine ersten Schritte, wenn du auf einen neuen Betrieb kommst?

Ich will die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Wenn ich auf einen neuen Betrieb komme, versuche ich zu verstehen, wie der Betrieb bisher gearbeitet hat. Danach sprechen wir über Inhalte und Werte des Biolandbaus, die hinter den Richtlinien stehen, und deren praktische Umsetzung. Ganz viele Landwirtinnen und Landwirte teilen unsere Leitbilder bereits, auch wenn ihnen das vielleicht gar nicht so bewusst war. Außerdem spreche ich gern über Verantwortung. Bioland und die Bio-Branche leben davon, dass Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und mitgestalten. Das zeigt sich beispielsweise in den Regionalgruppen, bei Delegiertenversammlungen oder auch in Erzeugergemeinschaften. Wir brauchen im Biolandbau gut informierte, kompetente Betriebe und Menschen, die Themen diskutieren und Dinge selbst in die Hand nehmen.

Gibt es eine Situation, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich war mal auf einem Milchviehbetrieb und auf einmal stand das Nachbarhaus in Flammen. Wir sind rüber gerannt, aber zum Glück sind alle selbst rausgekommen und am Ende ist niemandem was passiert. Das ist mir noch sehr lebhaft in Erinnerung. Bei einem anderen Betrieb, auf den ich kam, liefen die Legehennen in der Küche herum und die Kälber waren an der Stallwand angebunden. Dem musste ich damals sagen, dass er zur Biozertifizierung noch einen sehr weiten Weg vor sich hat. Es gibt noch viele andere Geschichten. Als Berater kommt man viel herum und begegnet den unterschiedlichsten Menschen, vom Bauern bis zur Gräfin.

Was gibt dir Energie, wenn’s mal anstrengender war? Bei was kannst du entspannen?

Im Sommer gehe ich möglichst jeden Abend mit meiner Frau im Steeger See bei Aulendorf schwimmen. Auch die Arbeit auf dem Hof meines Bruders und meines Neffen ist für mich fast schon Erholung. Ich habe dort feste Aufgaben und helfe etwa beim Schwaden, Striegeln oder Maishacken. Einfach mit dem Traktor meine Bahnen zu ziehen, genieße ich sehr.

Was möchtest du den Betrieben noch mitgeben?

Die Bioland-Bäuerinnen und -Bauern sind der Verband, er ist ihre Branchenorganisation und Wertegemeinschaft. Mir ist wichtig, dass wir über den Tellerrand hinausblicken, miteinander im Gespräch bleiben und uns wertschätzend begegnen. Gruppentreffen und Bildungsveranstaltungen bieten dafür eine gute Gelegenheit. Dort kommen Menschen zusammen, tauschen Erfahrungen aus und entwickeln den Verband gemeinsam weiter. Diese Kultur des Austauschs auf Augenhöhe sollten wir uns erhalten.

Vielen Dank für das Interview!
Kontakt

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