Die Regionalberatung: Interview mit Annika Lenz

Aus dem VerbandBaden-WürttembergBaden-Württemberg 10.06.26

Seit 2022 gibt es fünf Kolleginnen und Kollegen, die Bioland in den Regionen vertreten. Wir stellen vor: Annika Lenz, die Bioland-Regionalberaterin in Baden-Württembergs Südwesten.

Annika auf dem Weg zum Bioland-Betrieb (Foto: Bioland e. V.)

Steckbrief

Region: Südwest

Beratungsschwerpunkte: Grund- und Umstellungsberatung über alle Sparten hinweg, inklusive betriebswirtschaftlicher Planung. Viele Milchvieh- oder Rindermastbetriebe.

Beruflicher Hintergrund: Landwirtschaftliche Berufsschule und Studium Ökologische Landwirtschaft in Witzenhausen sowie Agrarmanagement in Weihenstephan.

Das ist typisch für mich: Ich strebe nach Harmonie. Mir sind Gemeinschaft, ein konstruktives Miteinander und ein gutes Arbeitsklima wichtig. Ich gehe Herausforderungen möglichst positiv an und versuche Lösungen zu finden, die für alle funktionieren.

Interview vom 8. Juni 2026

Wie bist du in der Regionalberatung gelandet?

Angefangen hat alles mit einem Freiwilligen Ökologischen Jahr auf einem Bioland-Schulbauernhof und bei der Geschäftsstelle in Niedersachsen, da wurde mein Interesse an Biolandwirtschaft so richtig geweckt. Nach dem Studium bin ich bei der Bioland Beratung in mein Berufsleben gestartet und habe ein Praxisforschungsprojekt zu Klimawirkungen koordiniert. Als ich dann die Chance hatte, in meine alte Heimat zurückzukehren, habe ich mich auf die Beratungsstelle im Schwarzwald beworben. Bioland hat mein ganzes Erwachsenenleben eigentlich immer eine Rolle gespielt. Ich denke, dass ich mich auch deshalb so verbunden mit dem Verein fühle.

Was macht dir an der Arbeit mit den Betrieben am meisten Spaß?

Ganz klar die Arbeit mit Menschen. Der Job hat zwar einen fachlichen Anteil, aber es geht um ganz viel Zwischenmenschliches. Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich Menschen und Betriebe ticken, mit wie viel Leidenschaft viele dabei sind und wie sie ihre Themen angehen. Auch das Miteinander im Team spielt für mich eine große Rolle.

Was sind deine ersten Schritte, wenn du auf einen neuen Betrieb kommst?

Erstmal den Hofhund einschätzen und überlegen, ob ich unbeschadet aus dem Auto steigen kann (lacht). Bei einer Umstellungsberatung kläre ich meist, warum sich der Betrieb für den Biolandbau interessiert und was die Motivation dahinter ist. Danach gehe ich eigentlich immer durch den Stall. Der Zustand der Tiere sagt unglaublich viel aus: ob sie gut genährt sind, ob sie gesund wirken, wie es den Kälbern geht. Daraus kann man schon viele Rückschlüsse auf den Betrieb ziehen.

Was beschäftigt deine Betriebe aktuell am meisten?

Ein großes Thema ist Stallbau bzw. Stallumbau. Viele Betriebe wollen weitermachen, müssten dafür aber investieren und möchten in dem Zuge gleich auf Bio umstellen. Steigende Kosten und wirtschaftliche Unsicherheiten sind regelmäßig zentrales Thema, dazu kommt dann oft noch ein Generationenwechsel. Der Bio-Milchpreis ist im Vergleich zum konventionellen Milchpreis aktuell relativ stabil, aber gleichzeitig bleibt viel Unsicherheit, wie sich Markt und Politik zukünftig entwickeln.

Gibt es eine Situation, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Einmal ist mir mein Auto auf dem Weg zu einem Neu-Betrieb liegen geblieben und ich habe es mit blinkendem Armaturenbrett gerade noch so auf den Hof geschafft. Ich wurde dort dann sehr herzlich aufgenommen und umsorgt. Am Ende konnte das Auto sogar über das Wochenende dort stehen bleiben, bis der Abschleppwagen kam. Das war einfach ein schönes Beispiel für Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft in der Bioland-Familie. Eine andere Situation war eine Umstellungsberatung mit einem jungen Betriebsleiterpaar, bei denen ich sofort gemerkt habe, dass die Chemie stimmt und dass sich beide total mit den Bioland-Werten identifizieren. Es ist schön zu sehen, wenn es einfach passt.

Was gibt dir Energie? Bei was kannst du entspannen?

Vor allem Zeit mit meiner Familie, da komme ich ganz schnell auf andere Gedanken. Ansonsten bin ich gern draußen in der Natur, und sei es nur für einen Spaziergang. Und Podcasts hören natürlich – zu ganz unterschiedliche Themen, einfach nebenher. Das hilft mir beim Abschalten.

Um wie viele Tiere kümmerst du dich außerhalb von Bioland?

Keine. Also höchstens mal unfreiwillig, wenn mir irgendwelche Spinnen im Haushalt begegnen (lacht).

Was möchtest du den Betrieben noch mitgeben?

Man muss sich immer wieder ein klares Ziel vor Augen halten: Wo will ich hin? Wofür arbeite ich eigentlich? Sich immer wieder auf die eigenen Stärken besinnen hilft, sich nicht von Unsicherheiten oder negativer Stimmung runterziehen zu lassen.

Vielen Dank für das Interview!
Kontakt

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Dominik Strobel