Leitbetriebe 2026 Bioland Südtirol

Familie Gurschler vom Finailhof ist einer der Leitbetriebe 2026.
Neue Leitbetriebe 2026 ausgezeichnet
Finailhof, Schloss Campan und Eggerhof sind starke Betriebe der Biolandwirtschaft
Im Mittelpunkt der Mitgliedervollversammlung von Bioland Südtirol in der Messe Bozen stand in diesem Jahr eine besondere Würdigung: Bereits zum siebten Mal wurden die Bioland Leitbetriebe ausgezeichnet – landwirtschaftliche Betriebe, die die sieben Prinzipien von Bioland in vorbildlicher Weise leben und umsetzen.
Der Wettbewerb stand 2026 unter dem Zeichen des siebten Bioland-Prinzips: „Menschen eine lebenswerte Zukunft sichern“. Bewertet wurden die Höfe jedoch ganzheitlich nach allen sieben Grundsätzen – vom Wirtschaften im natürlichen Kreislauf über Bodenfruchtbarkeit, artgerechte Tierhaltung und Biodiversität bis hin zur Bewahrung natürlicher Lebensgrundlagen. Die Prämierung erfolgte in drei Kategorien:
· Grünland
· Obst- und Weinbau
· Mischbetrieb / Acker- und Gemüsebau

Neben dem Leitbetriebsschild erhalten die Gewinner dank der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft einen Gutschein im Wert von 400 Euro für ökologisch wertvolle Materialien.
Kategorie Grünland: Finailhof – Familie Gurschler (Schnalstal)
In der Kategorie Grünland wurde der am Vernagter Stausee gelegene Finailhof von Manfred und Veronika Gurschler ausgezeichnet. Auf über 1.950 Metern Meereshöhe im Schnalstal bewirtschaftet die Familie einen historisch bedeutenden Hof – einst höchstgelegener Kornhof Europas – mit beeindruckender Konsequenz im Sinne der Bioland-Prinzipien.

Am Finailhof werden autochthone und bedrohte Rassen wie Grauvieh, Passeirer Gebirgsziegen und Schnalser Schafe gehalten. Tierwohl, Respekt und Verantwortung sind hier gelebter Alltag. Durch extensive Bewirtschaftung trägt der Betrieb aktiv zum Erhalt der Biodiversität bei. Mit eigenem Hofschank und Ferienwohnungen verbindet die Familie Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft und Gästebeteiligung auf authentische Weise. Der Finailhof steht exemplarisch für eine Landwirtschaft, die Tradition, Qualität und Zukunftsverantwortung vereint.
Kategorie Obst- und Weinbau: Schloss Campan – Familie von Unterrichter
In der Kategorie Obst- und Weinbau wurde Schloss Campan in Sarns bei Brixen unter der Leitung von Klemens von Unterrichter ausgezeichnet.
Der arrondierte Betrieb bildet eine nahezu geschlossene Einheit und lebt Kreislaufwirtschaft in schlüssiger Form. Mit eigener Wasserversorgung und einem Fernheizwerk aus hofeigenem Holz ist der Betrieb weitgehend autark. In den Anlagen wachsen schorfresistente Obstsorten, robuste PIWI-Rebsorten sowie Gemüse. Hochstammbäume, eine neu angelegte Streuobstwiese mit alten Sorten, Wiesenflächen, Biotope und Wasserflächen schaffen wertvolle Lebensräume.

Darüber hinaus übernimmt der Betrieb soziale Verantwortung: Mitarbeitenden soll Wohnraum direkt am Hof ermöglicht werden. Landwirtschaft wird hier als ganzheitliches System verstanden – ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltig, verwurzelt in der Geschichte und mit Weitblick offen für Mensch und Natur gleichzeitig.
Kategorie Mischbetrieb / Acker- und Gemüsebau: Eggerhof – Martin Lintner
Als Leitbetrieb in der Kategorie Mischbetrieb / Acker- und Gemüsebau wurde Martin Lintner vom Eggerhof am Ritten ausgezeichnet.
Der junge Betriebsleiter übernahm 2016 den Hof und stellte 2020 auf biologische Wirtschaftsweise um. Sein Ziel ist eine durchdachte Kreislaufwirtschaft. Neben Grünland betreibt er vielfältigen Ackerbau mit abgestimmter Fruchtfolge, Untersaaten und Zwischenfrüchten. Er experimentiert mit Linsen, Erbsen, Hirse und Blauer Lupine sowie mit pfluglosem Anbau.

Alte Getreidesorten, eine Streuobstwiese mit traditionellen Sorten (Pala Birnen, Lederer und Grafensteiner Äpfel) sowie ökologische Nischen entlang von Trockenmauern unterstreichen sein Engagement für Biodiversität. Besonders wichtig ist ihm eine möglichst lange Weidehaltung seiner Tiere. Mit Innovationsgeist, Idealismus und klarer Zukunftsorientierung steht Martin Lintner beispielhaft für eine junge Generation, die Verantwortung für Boden, Tiere und kommende Generationen übernimmt.
Starkes Signal für die Zukunft der Biolandwirtschaft
Die prämierten Betriebe zeigen eindrucksvoll, wie die sieben Bioland-Prinzipien in der Praxis gelebt werden – und wie Landwirtschaft dazu beitragen kann, Menschen eine lebenswerte Zukunft zu sichern. Die Preise und die neuen Hofschilder wurden von Klaus Gasser, Direktor der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft, Julian von Spinn, Ökologieberater bei Bioland Südtirol und Alma Calliari sowie Heinrich Runer (Bioland Vorstand) überreicht.