Biodiversität auf der Streuobstwiese

Alex und Micha, Geschäftsführung Schlaraffenburger gGmbH
Spaziergang der Vielfalt
Streuobstwiesen werden als „Kultur der Vielfalt“ bezeichnet. Aber wieviel Vielfalt gibt’s wirklich auf der Streuobstwiese? Der Perlmuttfalter hat nachgefragt bei einem „Spaziergang der Vielfalt“ mit Alex und Micha, den beiden Geschäftsführern von Schlaraffenburger. Eins steht fest, die beiden stecken an mit ihrer Begeisterung für Totholz, Baumhöhlen und Hecken, die einer Vielzahl an Lebewesen – nicht nur dem Perlmuttfalter – Heimat und Nahrung bieten.
Was bedeutet der Begriff Biodiversität und welche Rolle spielt diese für euch?
Alexander Vorbeck: „Biodiversität versorgt uns mit klarem Wasser, sauberer Luft, gesunder Nahrung und einem vielfältigen Lebensraum. Der Rückgang der Biodiversität ist also auch eine Bedrohung für uns als Menschen.
Biodiversität ist in erster Linie Vielfalt, also Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. Biodiversität heißt aber auch diese Tier- und Pflanzenarten, in unterschiedlichen Rassen und Sorten zu haben, sprich eine genetische Vielfalt. Und dann müssen diese ganzen Tiere und Pflanzen natürlich auch irgendwo leben. Das heißt wir haben auch eine unheimliche Vielfalt an Ökosystemen, in denen diese Arten vorkommen.

Das Besondere an den Streuobstwiesen ist, dass es mehrere Etagen gibt, wir haben ganz unten die Wiese mit vielen Kräutern und den Gräsern. Dann folgt der Stammbereich häufig mit Höhlen und weiteren wichtigen Strukturen. Zuletzt dann den riesigen Kronenbereich, in dem ganz viele Insekten und Vögel leben.
In diesen Ökosystemen spielt jede Art eine ganz spezifische Rolle. Jede ist für sich einzigartig. Wir haben ein komplexes Netz von verschiedenen Arten, die aufeinander abgestimmt und voneinander abhängig sind. Je mehr Arten im Ökosystem vorkommen, umso stabiler ist dieses Ökosystem. Biodiversität auf der Streuobstwiese ist weit mehr als nur Steinkauz und Margerite! Bakterien, Pilze, Flechten aber auch eine Vielzahl an Insekten. Es gibt eine unheimliche Vielfalt und diese Vielfalt gilt es zu erhalten. Wir brauchen die Insekten hier als Befruchter und bei uns ist nicht nur die Honigbiene aktiv. Wir haben mehr als 200 Wildbienen, die zum Teil bereits bei niedrigen Temperaturen unterwegs sind.“

Was ist eigentlich eine Streuobstwiese?
Alexander Vorbeck: „Streuobstwiesen sind eine Mischung aus Wald und Offenland und durch die Kombination von Wiesen und Bäumen haben wir hier sehr strukturreiche Lebensräume. Wir haben in aller Regel hochstämmige Obstbäume, das heißt Bäume, die auf stark wachsenden Unterlagen stehen und über 1,60 Meter Stammhöhe haben. Dann sind sie in der Regel auch verteilt in der Landschaft, deswegen der Name Streuobstwiese. Streuobstwiesen sind eine traditionelle Bewirtschaftungsform. Als solche ist die Streuobstwiese ein Kultur-Biotop, das heißt sie ist erst durch menschliche Bewirtschaftung entstanden. Ohne die Bewirtschaftung durch den Mensch würden die Streuobstwiesen verbuschen und langfristig Wald entstehen. Dadurch würde die hohe Artenvielfalt verloren gehen.

Dazu kommt, dass es meist auf engem Raum unterschiedliche Pflegezustände gibt: gemähte und ungemähte Bereiche, gepflegte und verbrachte Flächen. Und wenn man das dann noch ergänzt mit Kleinstrukturen, wie Baumhöhlen, Totholzhaufen, Hecken- und Steinriegeln und so weiter, dann hat man einen unheimlich vielfältigen Lebensraum. In dieser Vielfalt fühlen sich auch viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten wohl. Schätzungen gehen von mehreren Tausend aus, die man auf Streuobstwiesen findet."
Welche Tiere finden wir auf Streuobstwiesen?
Michael Specht: „Wo fange ich da an? In Totholzhaufen finden sich Igel, Wiesel, Blindschleiche und Amphibien. In den Baumhöhlen leben Steinkauze, Stare, Fledermäuse und Hornissen. Es gibt aber auch viele Spinnen- und Käferarten, Wespen, Honigbienen, Wildbienen und viele verschiedene Schmetterlinge.

Einen besonderen Fokus legen wir auf totholzbewohnende Insektenarten, auch Xylobionten genannt. Bei Untersuchungen von zwei Streuobstwiesen in Unterfranken wurden über 150 Arten Totholzbewohner gefunden. Über ein Drittel davon auf der Roten Liste."
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