Ganzjährige Weidehaltung effizient
Schafhaltung im Einklang mit der Natur: Dieses Prinzip stellten Marcus und Kate Maxwell der Bioland-Reisegruppe in Schottland vor.

Statt einer klassischen Hofführung erlebte die Reisegruppe einen überraschenden Ausflug mit dem Anhänger direkt in die Herde Romney-Schafe. (Foto: Jörn Bender)
In Castle Douglas besuchte die Bioland-Fachreisegruppe Marcus und Kate Maxwell auf ihrer Holm Farm, die Teil des Familienbetriebs Viewfield Romneys ist. Mit Anhängern wurde die Reisegruppe direkt auf die Weide gefahren, mitten hinein in die Herde ihrer Romney-Schafe.
Die direkte Begegnung mit den Tieren, umgeben von der Weite der schottischen Landschaft, war ein emotionaler Höhepunkt. Marcus und Kate erklärten ihre Philosophie des „Lambing nature’s way“, das Lammen im Einklang mit natürlichen Abläufen. Dieses Managementsystem ist neuseeländisch inspiriert.
Extensives Haltungssystem mit saisonaler Ablammung
Die Maxwells setzen auf ein konsequent extensives System: Ihre Schafe sind 365 Tage im Jahr auf der Weide. Lediglich von Januar bis März füttern sie etwas Silage zu. Die Ablammung erfolgt komplett im Freien, und das innerhalb von nur 21 Tagen - ein beeindruckend synchroner Prozess. Die Lämmer werden ebenfalls ausschließlich auf der Weide gemästet.
Männliche Lämmer werden in den ersten Lebenstagen durch einen Gummiring kastriert, eine in Großbritannien zulässige Methode. Nach dem Absetzen mit etwa 30 Tagen kommen die Mastlämmer zur Endmast auf Ackerfutterflächen, die regelmäßig umgebrochen und mit einer vielfältigen Mischung aus rund 200 Pflanzenarten wie Klee, Chicorée und Spitzwegerich neu eingesät werden. Die Aufzuchtrate liegt bei 1,5 bis 1,6 Lämmern pro Mutterschaf.
Überraschend für viele Teilnehmende war, dass keine regelmäßige Klauenpflege erfolgt. So gehen auch die anderen besichtigten Betriebe vor, wie sich zeigte. Nur Problemtiere werden behandelt und meist ausselektiert. Auch die Entwurmung der Mutterschafe entfällt, während die Lämmer etwa dreimal pro Saison entwurmt werden. Bemerkenswert war zudem, dass der in Deutschland gefürchtete rote Magendarmwurm auf den schottischen Betrieben kaum eine Rolle spielt. Dafür ist der Leberegel dort ein deutlich relevanterer Parasit.
Professionelle Zuchtarbeit: Daten, Technik und klare Ziele
Auf der Holm Farm wie auch auf allen besichtigten Betrieben erlebten die Teilnehmenden eine sehr professionelle Schafzucht. Marcus und Kate Maxwell erfassen systematisch das 100-Tage-Gewicht der Lämmer, die Geburtsverläufe, die Klauengesundheit und weitere wichtige Merkmale. Die Zuchtorganisationen stellen dafür leistungsfähige Tools zur Verfügung, doch die eigentliche Arbeit liegt bei den Betrieben selbst: Datenerfassung, Auswertung und züchterische Entscheidungen werden mit großer Sorgfalt, klaren Zuchtzielen und konsequenter Umsetzung getroffen.
Besonders eindrücklich war, wie effizient die Betriebe organisiert sind: Mit nur wenigen Gebäuden und meist 2 bis 4 Arbeitskräften werden 2.000 bis 3.000 Mutterschafe betreut. Dafür verfügen alle besichtigten Betriebe über moderne Behandlungsanlagen, ausgestattet mit:
automatischer Einzeltiererkennung
Klemmvorrichtung
Wiegeeinrichtung
automatischer Dosierung für Wurmbehandlungen
und einer Software, die nicht nur die Daten erfasst, sondern auch direkt tägliche Zunahmen seit der letzten Wiegung darstellt.
Diese Kombination aus technischer Ausstattung, digitaler Unterstützung und klarer züchterischer Strategie beeindruckte die Teilnehmenden nachhaltig und zeigte, wie zukunftsorientiert und praxisnah Schafhaltung in Schottland betrieben wird.