Eine gelockerte Pestizidzulassung wäre fatal
Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina warnt ebenso wie Bioland vor einer fatalen Lockerung des Prüfverfahrens von Pestizidwirkstoffen.

Die Pestizidreduktion in der EU war eigentlich beschlossene Sache, jetzt soll die Zulassungspraxis gelockert werden. (Foto: Imago)
Die Europäische Kommission will die Zulassungsregeln für Pestizide deutlich lockern: Künftig sollen Wirkstoffe nicht mehr regelmäßig neu bewertet werden müssen, sondern grundsätzlich unbefristet zugelassen bleiben. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina warnt eindringlich vor den Folgen für Mensch und Umwelt. Bioland fordert die Bundesregierung auf, die Warnungen aus der Wissenschaft ernst zu nehmen und sich auf EU-Ebene klar gegen die Pläne zu positionieren.
Wissenschaft warnt
Weil Wirkstoffe als Schadstoffe die Umwelt belasten oder die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen können, muss jeder Wirkstoff ein strenges Zulassungsverfahren auf EU-Ebene durchlaufen, bevor er auf den Markt kommt. Das aktuelle Schutzniveau für Mensch und Umwelt könne bei der geplanten Lockerung nicht mehr gewahrt werden, argumentieren die beteiligten Autorinnen und Autoren der Leopoldina. Sie raten dazu, weiterhin neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Wirkstoffen systematisch in die Bewertung einfließen zu lassen.
Anstieg statt Reduktion
„Eigentlich hat die EU sich die Pestizidreduktion auf die Fahnen geschrieben – aus gutem Grund: Die Auswirkungen vieler chemisch-synthetischer Pestizide auf Umwelt und Artenvielfalt sind gut dokumentiert“, betont Bioland-Präsident Jan Plagge. Dabei steigen die Absatzzahlen von Pestiziden in der EU laut Eurostat weiter an, auch dieses Jahr um 8 Prozent auf 316.000 t. Viele Wirkstoffe wurden in der Vergangenheit zurecht vom Markt genommen und Abdrift ist zunehmend ein Problem für Bio-Betriebe.