Datenbasierte Schafzucht
Die schottische Thistleyhaugh-Farm züchtet robuste Lleyn-Schafe. Eine systematische Datenerhebung bildet die Basis.

Die robusten, kleinen Lleyn-Schafe der Thistleyhaugh-Farm sind das Ergebnis eine sorgfältigen Züchtungsarbeit.(Foto: Jörn Bender)
Die Thistleyhaugh Farm ist ein traditionsreicher Familienbetrieb in Northumberland, der heute von den Brüdern Duncan Nelless und Angus Duncan geführt wird. Dies war die die letzte Station der Bioland-Fachexkursion.
Auf der Farm leben rund 2.000 Lleyn-Schafe ergänzt durch 1.000 Mutterlämmer, die zur Bestandserweiterung gedeckt werden. Die Ablammung erfolgt draußen, konzentriert auf einen Zeitraum von sechs Wochen ab dem 15. April. Die Tiere sind robust, klein bis mittelrahmig und gehen mit guter Fettauflage in den Winter. Ein angepasstes System, das auch die Winterfreilandhaltung der Rinder ermöglicht, was in der Region lange unüblich war.
Zucht auf Leistungsfähigkeit und Parasitenresistenz
Die Herde ist in ein Zuchtwertsystem integriert, das seit 2007 genutzt wird. Die besten 75 Prozent der Tiere bilden die sogenannte A-Herde, während das untere Viertel in der B-Herde mit Fleischböcken zur Mastkreuzung eingesetzt wird. Ziel ist eine leistungsfähige, robuste und parasitenresistente Herde, die ohne Kraftfutter auskommt. Die Zucht erfolgt geschlossen, seit 2003 wurden keine weiblichen Tiere mehr zugekauft.
Besonders beeindruckend war die intensive Datenerhebung: Über eine halbe Million Datensätze wurden gesammelt, um Zuchtentscheidungen, Gesundheitsmanagement und Futterstrategien zu optimieren. Die genetische Zuordnung erlaubt sogar die Vaterbestimmung über DNA-Proben, was eine präzise Zuchtplanung ermöglicht. Zusätzlich werden individuelle Kotproben genommen, um die Parasitenresistenz einzelner Tiere zu erfassen. Auch ein Enzymtest auf Immunfaktoren wird durchgeführt, um Tiere mit hoher Widerstandskraft gezielt zu selektieren.
Die Farm beteiligt sich zudem an Methanmessungen: Rund 200 Lämmer wurden in spezielle Messkammern gebracht, um die Klimabilanz der Schafhaltung zu verbessern. Die Ergebnisse fließen in die Zuchtstrategie ein, mit dem Ziel, ökologische Tierhaltung wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.