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Bio-Milcherzeuger brauchen mehr

Markt & Management12.02.25

In Bio-Milch steckt viel für Klima- und Artenschutz. Die höheren Vollkosten spiegeln sich nicht im Preis. Bio-Milch wird knapp.

Die Erzeugung eines Liters Bio-Milch leistet viel für Klima- und Artenschutz. Darum sind die Vollkosten höher als für konventionelle Milch.(Foto: Sonja Herpich)

Um Bio-Milch unter hohen Umwelt- und Tierwohl-Standards zu erzeugen, entstehen auf Bio-Betrieben Vollkosten von 69,7 Cent pro Kilogramm Bio-Rohmilch. Diesen Orientierungspreis haben die Bio-Verbände heute gemeinsam veröffentlicht. Im vergangenen Jahr wurden im Schnitt laut Bio-Milchpreiserhebung aber nur 58 Cent gezahlt. Es klafft also eine Lücke von fast 12 Cent. Das bedeutet auf den Betrieben, dass die Betriebsleiter und ihre Angehörigen über der Belastungsgrenze arbeiten und unterhalb des Mindestlohns.

Mehr Klima- und Artenschutz, mehr Umweltmaßnahmen, mehr Tierwohl: Das sind Mehrleistungen für eine nachhaltige Produktion, die Bio-Milchviehbetriebe erbringen. Dadurch sind die Produktionskosten auf Bio-Betrieben höher als im konventionellen Bereich. Diese Produktionskosten sind in den vergangenen Jahren noch gestiegen. Die Bio-Milcherzeugerpreise sind aber nicht in ausreichendem Maß mitgewachsen. Auf diese Lücke weisen Deutschlands größte Bio-Verbände Bioland, Naturland und Demeter mit der Veröffentlichung des Orientierungspreises zur Bio-Milcherzeugung hin.

Bio-Verbände fordern Signale für höhere Preise
Die Konsequenz der belastenden Situation auf Bio-Betrieben: Das Umstellungsinteresse auf Bio-Milcherzeugung hat spürbar nachgelassen. Bereits jetzt ist die Rohware Bio-Milch knapp. Die Bio-Verbände fordern daher gemeinsam, jetzt schnellstmöglich zu handeln und Signale für höhere Erzeugerpreise zu setzen. 

Ihr Statement zur Biofach: „Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln zieht wieder deutlich an, das zeigen die aktuellen Zahlen. Auch politisch ist der Bio-Ausbau weiterhin gewollt, die meisten Parteien mit Ambitionen auf die nächste Bundesregierung haben den Ausbau des Ökolandbaus in ihren Wahlprogrammen stehen. Was dazu nicht passt, sind Erzeugerpreise, die nicht mal die Vollkosten decken – denn die führen dazu, dass der Bio-Ausbau ins Stocken gerät. Wir fordern mehr Wertschätzung für die Erzeuger in der Wertschöpfungskette! Alle Beteiligten müssen sich darüber klar sein, dass sie auf die jeweils anderen Partner angewiesen sind und dass eine Kette nur mit stabilen Gliedern langfristig auf Spannung gehalten werden kann. Bio-Molkereien und der Handel müssen jetzt schnell dafür sorgen, dass die Erzeugerpreise steigen. Nur so können Bestandsbetriebe im System gehalten und Anreize für Neu-Umsteller gesetzt werden. Entsprechende Preissignale sollten daher jetzt schnellstmöglich kommuniziert werden!“