Warum mehr Bio eine Antwort auf die Energiekrise ist
Bioland: Unabhängigkeit von fossilen Ressourcen ist der Schlüssel zu Ernährungssouveränität.
Leguminosen (hier Luzerne) werden im Ökolandbau zur Stickstoffgewinnung eingesetzt.
Rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdgases und Öls passieren in Friedenszeiten die Straße von Hormus, die nun seit Wochen wegen der Eskalation im Nahen Osten blockiert ist. Die Folgen gehen weit über gestiegene Spritpreise an den Tankstellen hinaus: Die globale Landwirtschaft ist zum überwiegenden Anteil auf synthetischen Stickstoffdünger angewiesen. Und der braucht diese fossile Energien, die, wie schon zu Beginn des Ukraine-Krieges, schlagartig knapp und extrem teuer geworden sind: zweitweise haben sich die Preise verdoppelt. Für die Zukunft braucht es daher dringend mehr unabhängige, resiliente Kreislaufsysteme, fordert Bioland.
„Die aktuelle Energiekrise führt uns eindrücklich vor Augen, wie verletzlich unser globalisiertes Ernährungssystem ist. Wir ernähren uns nicht unerheblich von fossilen Energien, vor allem Erdgas, und hängen damit auch von den Launen einiger besonders einflussreicher Staatschefs ab“, kommentiert Bioland-Präsident Jan Plagge. „Aus dieser Abhängigkeit müssen wir uns dringend befreien. Das ist kein ideologisches Weltverbesserungsthema, es geht dabei um unsere Ernährungssouveränität: Wir brauchen mehr resiliente Kreislaufsysteme, um zu gewährleisten, dass genug gesundes Essen auf den Tisch kommt.“
Ackerbohnen, Erbsen und Klee statt Erdgas
Statt auf Kunstdünger, der mit sehr hohen Mengen importierter fossiler Energie hergestellt wird, setzen nachhaltige Landwirtschaftssysteme wie der Ökolandbau auf Leguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen und Klee. Diese binden mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff direkt aus der Luft und stellen ihn dem Boden als natürlichen Dünger zur Verfügung. Ein mehrjähriger Kleegras-Anbau kann dadurch auch für stark zehrende Nachfrüchte ausreichend Stickstoff pro Hektar bereitstellen – und das ganz ohne fossilen Energieeinsatz. Damit sinkt der Gesamtbedarf an fossiler Energie auf Bio-Betrieben deutlich. Diese Fakten sollte die Politik anerkennen und jetzt mit gezielten Maßnahmen dafür sorgen, dass die Landwirtschaft nicht nur nachhaltiger sondern auch resilienter wird.
„Wir erwarten von der Bundesregierung entschlossenes, strategisches Handeln und dass sie die aktuelle Krise als Weckruf nutzt“, unterstreicht Bioland-Politikleiterin Carolin Pagel. „Bundesminister Rainer sollte die Ärmel hochkrempeln und die deutsche Bio-Strategie auf solide Füße stellen, anstatt sie nach 25 Jahren abzuwickeln. Rainer muss sich dafür einsetzen, dass bei den Fördermitteln der EU-Agrarpolitik nachhaltige landwirtschaftliche Systeme wie der Ökolandbau angemessen berücksichtigt werden – besonders vor dem Hintergrund, welche wichtige Rolle sie für unsere Ernährungssouveränität spielen. Auch in der Wiederherstellungsverordnung und dem neuen Düngerecht sollte der Ökolandbau entsprechend berücksichtigt werden. Nachhaltigkeit und Ernährungssicherung sind kein Entweder-Oder, sie bedingen sich gegenseitig.“
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