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Warnschuss wahrnehmen: Landwirtschaft jetzt strategisch unabhängiger machen

PresseGesamtverbandBioland e.V.24.07.2026

Bioland zum EU-Düngemittelhilfspaket und zur strukturellen Abhängigkeit der Landwirtschaft

Wie zukunftsfähige, kreislauforientierte und resiliente Landwirtschaft gelingt, zeigt der Ökolandbau zeit Jahrzehnten. Foto: Bioland / Sonja Herpich

Die EU-Agrarminister haben im Schnellverfahren europaweit 540 Millionen Euro zur Unterstützung landwirtschaftlicher Betriebe freigegeben. Rund 60 Millionen Euro davon fließen nach Deutschland. Das wird einige akut in Schieflage geratene Betriebe entlasten. Eine langfristige Lösung für die strukturelle Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Energien ist die Nothilfe jedoch bei weitem nicht, unterstreicht Bioland.

„Die 60 Millionen Euro aus Brüssel, die nun an die Höfe fließen sollen, sichern kurzfristig die Handlungsfähigkeit bäuerlicher Betriebe in einer extrem angespannten Marktlage“, sagt Bioland-Präsident Jan Plagge. „Aber: Ad-hoc-Zahlungen für fossile Düngemittel kurieren nur kurzfristig ein Symptom. Wir müssen endlich weg von der Pflaster-Politik, denn die Pflaster gehen uns langsam aus. Stattdessen brauchen wir jetzt eine Politik mit Weitsicht, die langfristige Resilienz und Unabhängigkeit unserer Landwirtschaft fördert: mit mehr heimischen Eiweißpflanzen, engen Kreisläufen und möglichst wenig fossiler Energie. Der Öko-Landbau zeigt schon seit vielen Jahrzehnten sehr erfolgreich, wie wir ohne fossile Dünger Lebensmittel erzeugen und dadurch unser Ernährungssystem krisenfest aufstellen können.“

Die massiven Preisausschläge am Düngermarkt offenbaren ein strukturelles Risiko: die extreme Abhängigkeit der europäischen Landwirtschaft von fossilen Energien und Importen. Mehr als 50 Prozent der Importe von fossilen Stickstoffdünger stammen aus Ländern wie Russland oder dem Nahen Osten – von deren Regierungen der Agrarsektor damit stark abhängig ist. Gleichzeitig verschlingt allein die Herstellung dieses fossilen Düngers rund 50 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der europäischen Landwirtschaft.

25 % Ökolandbau in der EU würden fossilen Stickstoffdünger drastisch reduzieren

Dass ein Systemumbau enorme Einsparpotenziale bei fossilen Ressourcen birgt, ist messbar: Würde das politische Ziel erreicht, 25 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der EU ökologisch zu bewirtschaften, ließe sich der Einsatz von synthetischem Stickstoffdünger um 2,7 Millionen Tonnen reduzieren – ein Rückgang von 26 Prozent. Statt auf erdgasbasierten Dünger setzt der Ökolandbau auf natürliche Prozesse und bindet Stickstoff über Leguminosen direkt aus der Luft. Dieser Verzicht auf synthetische Inputs minimiert nicht nur die Importabhängigkeit, sondern würde auch die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen um bis zu 25 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente senken.

Jan Plagge unterstreicht: „Wer glaubt, dass sich der Welthandel auf absehbare Zeit wieder normalisieren wird, ist naiv. Das, was aktuell passiert, muss ein Warnschuss für alle sein, die in Deutschland und Europa weitreichende Entscheidungen für die Landwirtschaft treffen. Eine echte strategische Autonomie des Agrarsektors lässt sich nicht durch immer weitere Subventionen für importierte Betriebsmitteln erreichen. Sie braucht praxiserprobte, verlässliche, resiliente Kreislaufsysteme. Leider steuert das Bundeslandwirtschaftsministerium aktuell in die entgegengesetzte Richtung, indem es seinen Einsatz für mehr heimische Eiweißpflanzen und Ökolandbau reduziert und damit die wirksamsten strategischen Hebel für eine resiliente, unabhängige Landwirtschaft aus der Hand gibt. Höchste Zeit, das Steuer herumzureißen!“

 

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