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Tag der Biodiversität: Artenvielfalt entscheidet sich auf Schleswig-Holsteins Äckern

Presse, AgrarpolitikSH/HH/MVBioland e.V.22.05.2026

Die biologische Vielfalt ist Grundlage der Landwirtschaft. Bestäubende Insekten, fruchtbare Böden, vielfältige Fruchtfolgen und stabile Ökosysteme sichern Erträge und damit unsere Ernährung. Der internationale Tag der Biodiversität erinnert weltweit an diese existenzielle Bedeutung.

Blühflächen schaffen wertvolle Lebensräume für seltene Vogelarten.

Wie Bioland-Höfe Artenvielfalt konkret fördern

Tag der Biodiversität: Artenvielfalt entscheidet sich auf Schleswig-Holsteins Äckern 
Bioland zum internationalen Tag der Biodiversität am 22. Mai 

Rendsburg, 22. Mai 2026. Die biologische Vielfalt ist Grundlage der Landwirtschaft. Bestäubende Insekten, fruchtbare Böden, vielfältige Fruchtfolgen und stabile Ökosysteme sichern Erträge und damit unsere Ernährung. Der internationale Tag der Biodiversität wurde 2001 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Er erinnert weltweit an die Verabschiedung des UN-Übereinkommens zur Biodiversität im Jahr 1992, um auf die existenzielle Bedeutung aufmerksam zu machen. Doch der Verlust an Arten schreitet seit Jahrzehnten voran – umso wichtiger, etwas dagegen zu tun. Bioland-Betriebe erbringen vielfältige Leistungen, um die Artenvielfalt auf ihren Betrieben und darüber hinaus zu erhalten und zu fördern. 

Artenvielfalt entscheidet sich nicht irgendwo in fernen Ländern, sondern direkt vor unserer Haustür – in den Knicks, auf Wiesen und Äckern Schleswig-Holsteins. Wenn wieder Kiebitze auf unseren Flächen brüten oder selten gewordene Insekten auf unsere Äcker zurückkehren, zeigt das: Landwirtschaft und Naturschutz können zusammen funktionieren. Für die fast 300 Bioland-Höfe in Schleswig-Holstein ist dieses Zusammenspiel gelebter Alltag. Grundlage dafür sind strenge Bioland-Richtlinien, die weit über gesetzliche Anforderungen hinausgehen und konkreten Artenschutz verbindlich machen. Damit noch mehr Betriebe den Weg in eine biodiversitätsfördernde Landwirtschaft gehen, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine Honorierung dieser Leistungen. Wenn uns der Biodiversitätssschutz nicht gelingt, verlieren wir neben Arten und Lebensgrundlagen auch ein Stück norddeutsche Heimat.“, erklärt Dr. Peter Boysen, Vorstandsvorsitzender vom Bioland Landesverband SH HH MV.

Fast 30.000 Fußballfelder mit sehr gutem Ackerwildkrautschutz 

Grundlage für das besondere Engagement der Bioland-Betriebe ist unser Biodiversitätsrichtlinie, die Bioland als erster deutscher Bio-Anbauverband schon 2019 beschlossen und 2021 eingeführt hat. Sie macht die konkreten Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt verbindlich. Die Wirkung zeigt sich deutlich in der Fläche und Struktur der Betriebe: 

So setzen Bioland-Höfe im Schnitt auf vier bis fünf Kulturen pro Betrieb und damit deutlich vielfältigere Fruchtfolgen als der Durchschnitt. Insgesamt werden rund 17.000 Hektar Blühstreifen und Blühflächen bewirtschaftet, ergänzt durch mehr als 89.000 Hektar extensives Grünland, das auf über 40 Prozent der gesamten Grünlandfläche biodiversitätsfördernd bewirtschaftet wird. Hinzu kommen rund 87 Millionen Quadratmeter Strukturelemente wie Hecken, Feldgehölze, Gewässer, Steinriegel oder Totholzhaufen – ein zusammenhängendes Netz wertvoller Lebensräume in der Agrarlandschaft. 

Auch spezifische Artengruppen profitieren messbar: Über 1.000 Betriebe verzichten auf Teilflächen vollständig auf mechanische Beikrautregulierung und fördern damit Ackerwildkräuter auf mehr als 20.000 Hektar – darunter seltene Arten wie der Ackerrittersporn. Mehr als 200 Betriebe geben zudem an, Ackerwildkräuter der Roten Liste auf ihren Flächen zu beherbergen. Auch die Tierwelt profitiert: Mehr als 2.500 Bioland-Betriebe bieten gezielt Schleiereulen, Störchen oder Turmfalken geeignete Nist- und Lebensräume an. Über 4.200 Betriebe fördern Schwalben aktiv.

Artenvielfalt am Nord-Ostsee-Kanal

Wie gelebter Biodiversitätsschutz in Schleswig-Holstein aussehen kann, zeigt beispielhaft der Likedeeler Hof von Lars Hadenfeld am Nord-Ostsee-Kanal. Dort verbindet der Bioland-Betrieb seit 2016 ökologische Landwirtschaft mit aktivem Naturschutz. Auf den Niedermoorflächen des Hofes weidet unter anderem eine seltene schwedische Fjällrinderrasse. Die Tiere helfen Sommer wie Winter dabei, die Flächen offen zu halten und schaffen so Lebensräume für Wiesenvögel wie Kiebitz und Zwergschwan. Auf den umliegenden Äckern baut der Hof verschiedene Getreidearten mit einer vielfältigen Fruchtfolge an – eingebettet in die typische Knicklandschaft Schleswig-Holsteins. Dazu kommen rund ein Hektar Blühflächen, die selten gewordenen Vogelarten wie Feldlerche und Rebhuhn wertvollen Lebensraum bieten. Mit dem Rebhuhn findet dort sogar der „Vogel des Jahres 2026Rückzugsorte. Gerade brütende Wiesenvögel nutzen die Flächen als geschützten Rückzugsort und Einflugschneise. Weitere sechs Hektar des Hofes werden als artenreiches Wertgrünland bewirtschaftet. Dafür wurden gezielt rund 30 verschiedene Kräuter- und Gräserarten eingesät, um die biologische Vielfalt auf den Flächen dauerhaft zu stärken.

In der jährlichen Biodiversitätsauswertung von Bioland erreichte der Likedeeler Hof 378 Biodiversitätspunkte. Mindestens 100 Punkte sind im Rahmen der verbindlichen Bioland-Biodiversitätsrichtlinie vorgeschrieben, um auf den Höfen Biodiversität nachweislich zu fördern.

Bäuerliche Betriebe fördern, die Verantwortung für Artenvielfalt übernehmen! 

Zum Tag der Biodiversität fordert Bioland von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen für eine naturverträgliche Landwirtschaft. Dazu gehören eine konsequente Honorierung von Biodiversitätsleistungen, der weitere Ausbau des Ökolandbaus sowie eine deutliche Reduktion chemisch-synthetischer Pestizide. Öffentliche Gelder müssten stärker an konkrete Umwelt- und Naturschutzleistungen gebunden werden. 

Bioland SH: Artenvielfalt schützt unsere Ernährung | Bioland e.V.