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Regionales Interview: Engagement für Bioland

Verband, LandwirtschaftBaden-Württemberg29.04.2026

Bei der letzten Wintertagung wurde die Gärtnerin in den erweiterten Vorstand des Landesverbandes Baden-Württemberg gewählt. Im Interview erzählt sie, wie sie zu Bioland kam und was sie bewegt.

Salome Bruder nach der Vorstandssitzung in der Bioland-Geschäftsstelle. Foto: Dominik Strobel

„Das Problem ist, dass alles davon Spaß macht.“

Eure Gärtnerei in Hessental wirtschaftet schon seit Ende der 1950er-Jahre organisch-biologisch. Die Gärtnerfamilie Scharpf war Gründungsmitglied des Vereins, aus dem später Bioland hervorgegangen ist. Wie kamst du dazu?

Meine Mutter hat in jungen Jahren ihre Ausbildung in der Scharpfschen Gärtnerei gemacht und den Betrieb 1993 übernommen. Mir wurde Bioland quasi in die Wiege gelegt. Hätte mir vor 10 Jahren jemand gesagt, dass ich mal das Gleiche wie meine Eltern mache, hätte ich ihm wahrscheinlich den Vogel gezeigt. Trotzdem fiel bei mir in der Oberstufe der Entschluss, dass ich draußen arbeiten will. Ich habe dann in einem befreundeten Betrieb zur Probe gearbeitet und war nach Ausbildung und Meisterschule ab 2020 voll im Betrieb.

Du hast dich schon ab 2021 im Jungen Bioland engagiert und bist seit Anfang 2026 Teil des erweiterten Vorstands im Landesverband. Was hat dich motiviert, dich auch auf dieser Ebene einzubringen?

Kurz nach Corona gab es in Bad Boll ein Vernetzungstreffen, bei dem das junge Bioland wieder reaktiviert werden sollte. Meine Mutter hat mir den Tipp gegeben und ich bin hingefahren. Ich bin ein Teamplayer und fand’s toll, wie da so viele Leute die Köpfe zusammengesteckt haben und gemeinsam was voranbringen wollten, also habe ich mitgemacht. Bei der Landesdelegiertenversammlung wurde ich dann relativ spontan von Heiko Reinhardt vorgeschlagen. Ich hatte 5 Minuten Bedenkzeit, habe mich dafür entschieden und wurde dann auch tatsächlich gewählt. Durch die basisdemokratische Struktur haben Praktiker und Praktikerinnen im Verband eine Stimme, diese Möglichkeit wollte ich nutzen.

Worin siehst du aktuell die größten Herausforderungen für Bio-Betriebe?

Auch wir sind mit Klimawandel, Insektensterben usw. konfrontiert. Im Gemüsebau arbeiten wir dicht am Boden, da bekommt man alles nochmal anders mit. Gerade die Wasserknappheit macht sich bemerkbar. Daneben ist es einfach wahnsinnig viel Handarbeit, die auch bezahlt werden will. Im Bio-Sektor gibt es aber noch ein bisschen mehr Spielraum, um Sachen auszuprobieren. Wir machen die Jungpflanzenanzucht und die Veredelung von Gurken und Auberginen selbst und vermarkten alles direkt. Daneben produzieren wir auch Beet- und Balkonpflanzen und betreiben Grabpflege. Eigentlich ist in der Landwirtschaft Spezialisierung und hohe Schlagkraft angesagt. Wir fahren eine andere Strategie, sind richtig breit aufgestellt und besetzen viele Nischen. Das hat natürlich auch manchmal Nachteile. Das Problem ist, dass alles davon Spaß macht!

Was gibt dir Zuversicht?

Durch die Direktvermarktung habe ich direktes Feedback unserer Kunden und bin im Laden und auf den Märkten nahe an den Menschen. Dabei erfahre ich viel Wertschätzung für meine Arbeit. Fast jede Woche bedankt sich jemand dafür, dass wir das machen und wie wir es machen. Das motiviert ungemein.

Was bedeutet es im Jahr 2026 als Frau in der Landwirtschaft zu arbeiten? Was sind deine Erfahrungen?

Mir ist in den letzten Jahren immer bewusster geworden, wie wichtig die ganze Arbeit im Hintergrund ist. Dass viele Betriebe einpacken könnten, wenn sich niemand um Familie, Haushalt und Büro kümmert. Das machen nach wie vor meist Frauen. Trotzdem stehen nach außen dann die Männer im Vordergrund, sind Betriebsinhaber und erster Ansprechpartner. Dabei tragen die Frauen genauso viel zum Erfolg eines Betriebes bei. Das wird zu wenig gesehen.

Gleichzeitig beobachte ich, gerade bei Weiterbildungen im Gemüsebau, dass der Frauenanteil kontinuierlich steigt. Es wird normaler, dass Frauen den Beruf ausüben, Betriebe leiten und Verantwortung übernehmen. Dass sie die Positionen, die ihnen zustehen, vermehrt einfordern. Trotzdem sind die alten Rollenbilder noch weit verbreitet. Bei der Ausbildung hatte ich häufiger das Gefühl, dass mir Maschinen nicht so genau gezeigt werden, wie meinen männlichen Kollegen. Dabei macht Schlepper fahren jedem Geschlecht Spaß!

Zum Abschluss vervollständige bitte diesen Satz: Ein echter Bioländer/eine echte Bioländerin hat schon mal ...

… am Gruppentreffen teilgenommen. Die Treffen sind die Basis dafür, dass wir uns vernetzen und austauschen können. Dabei merkt man schnell, dass die anderen die gleichen Probleme haben. Es hilft, aus dem eigenen Trott rauszukommen und seinen Horizont zu erweitern. Irgendwas lernt man immer dazu.

Betriebsinfo

Salome Bruder betreibt zusammen mit ihrer Mutter Karin Krummrein-Bruder die gleichnamige Bioland-Gärtnerei in Hessental bei Schwäbisch Hall. Auf 4 Hektar (davon 2.300 qm unter Glas und Folie) produziert der Familienbetrieb Jungpflanzen und saisonales Obst und Gemüse. Die Produkte werden direkt über den Hofladen und zwei Haller Märkte vertrieben. Der kleinstrukturierte Betrieb ermöglicht vielfältige Einblicke in den ökologischen Gemüsebau und ist regelmäßiger Lernort für die 3. Klassen der örtlichen Grundschule.