Podiumsdiskussion: Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam denken
Wie können Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen? Vertreter von Parteien, Verbänden und Landwirten diskutierten in Rheinland-Pfalz über Grünland, Ökolandbau und Fördermöglichkeiten – mit klarem Fokus auf Praxis, Politik und Dialog.
Teilnehmende auf dem Podium (v.l.) Dr. Helmut Martin (CDU), Marco Weber (FDP), Katrin Eder (Grüne), Regino Esch (AÖL), Sabine Yacoub (BUND), Helge Schwab (FW), Klaus Gewehr (SPD)
Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam denken
Wie lassen sich Naturschutz und Landwirtschaft besser miteinander verbinden – und unter welchen politischen Rahmenbedingungen kann das gelingen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion im Vorfeld der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam von den Bauern- und Winzerverbänden, den Naturschutzverbänden NABU und BUND sowie der politischen Vertretung der Ökoverbände, der Arbeitsgruppe Ökologischer Landbau, organisiert. Damit zeigten die Verbände bereits vorab einen Schulterschluss und ein bewusstes Zusammendenken von Naturschutz und Landwirtschaft.
Vertreterinnen und Vertreter von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Freien Wählern diskutierten über zentrale Herausforderungen für landwirtschaftliche Betriebe, Umweltpolitik und ländliche Räume.
Ein Schwerpunkt der Diskussion war die Zukunft des Grünlands. Dabei wurde deutlich, dass sowohl dessen ökologische Bedeutung als auch seine wirtschaftliche Nutzung eine wichtige Rolle spielen. Marco Weber, welcher die FDP vertrat, verwies unter anderem auf die Bedeutung von Grünland im Zusammenhang mit der Energieerzeugung, etwa durch Biogas. Die amtierende Umweltministerin und Spitzenkandidatin der Grünen Katrin Eder betonte dagegen stärker die Bedeutung der Weidehaltung und vertrat die Auffassung, dass Grünland am besten durch eine aktive landwirtschaftliche Nutzung geschützt werden könne. Gleichzeitig äußerte sie sich kritisch gegenüber einem verstärkten Energiepflanzenanbau. Auch von Seiten der Freien Wähler wurde von Helge Schwab hervorgehoben, dass Rheinland-Pfalz ein landwirtschaftlicher Produktionsstandort bleiben müsse. Der Erhalt der Betriebe sei Voraussetzung dafür, dass auch Naturschutz langfristig funktionieren könne. Klaus Gewehr stellte für die SPD insbesondere die Förderung der Nutztierhaltung heraus, wies jedoch auch auf steigende Pachtpreise hin, die unter anderem durch Biogasanlagen beeinflusst würden. Aus Sicht der CDU und Dr. Helmut Martin steht zudem die Ernährungssicherheit stärker im Fokus. Artenreiches Grünland liege im Interesse der Allgemeinheit und müsse daher auch angemessen vergütet werden.
Kontrovers wurde auch über den Pflanzenschutz diskutiert. Während die FDP schnellere Zulassungsverfahren, mehr Forschung und innovative Technik forderte, betonten die Grüne Katrin Eder die Notwendigkeit, Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln weiter zu erforschen und Beratung auszubauen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass Schutzgebiete klare Ziele benötigen, damit Nutzung und Naturschutz besser miteinander in Einklang gebracht werden können.
Ein weiteres Diskussionsthema war die Rolle des Ökolandbaus. Hier zeigten sich unterschiedliche Einschätzungen über dessen zukünftige Entwicklung. Der Vertreter der Freien Wähler äußerte Zweifel daran, dass eine vollständige Umstellung auf ökologischen Landbau realistisch sei und verwies auf die Bedeutung funktionierender Absatzmärkte. Auch aus Sicht der CDU muss sich der Ökolandbau langfristig im Markt behaupten. Die SPD verwies dagegen auf notwendige Veränderungen im Konsumverhalten sowie auf den starken Preisdruck entlang der Lebensmittelkette. Die Grünen betonten die gesellschaftlichen Leistungen des Ökolandbaus für Umwelt- und Ressourcenschutz und sahen darin einen wichtigen Baustein für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen.
Mehrfach wurde in der Diskussion deutlich, dass Naturschutzleistungen der Landwirtschaft auch wirtschaftlich tragfähig sein müssen. Vertreter verschiedener Parteien betonten, dass Leistungen für Biodiversität, Klima- oder Gewässerschutz honoriert werden sollten. Dabei wurden sowohl staatliche Förderinstrumente als auch neue Finanzierungsansätze diskutiert.
Im Verlauf der Diskussion zeigte sich trotz unterschiedlicher politischer Ansätze auch eine gemeinsame Erkenntnis: Landwirtschaft und Naturschutz lassen sich nur im Dialog und mit praktikablen Rahmenbedingungen zusammenbringen. Eine bessere Zusammenarbeit zwischen Politik, Verbänden und landwirtschaftlicher Praxis wurde von mehreren Teilnehmenden als entscheidend für die kommenden Jahre bezeichnet.
Dabei brachte die Interaktion mit dem Publikum zusätzliche Dynamik in die Diskussion. Teilnehmende stellten gezielte Fragen zu Fördermaßnahmen, praktischen Problemen und Konflikten zwischen Naturschutz und Wirtschaft, während die Moderation mehrfach nach konkreten Ideen der Parteien nachhakte. Kleine Spitzen zwischen den Parteivertretern sorgten für lebhafte Debatten, gleichzeitig wurde deutlich, was die amtierende Landesregierung bereits gut umgesetzt hat und was eine künftige Regierung noch anzugehen hat. Besonders praktisch war, dass Vertreterinnen aus dem Ministerium und der Verwaltung im Publikum saßen, welche spezielle Fragen zu Förderinstrumenten direkt beanworten konnten. Dieser direkte Austausch zeigte, dass das Thema sowohl in der Praxis als auch politisch von großem Interesse ist.
Text: Samuel Himmel
Bioland Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e.V.
Kaiserstr. 18
55116 Mainz