„Offene Weidelandschaften sind der Schlüssel für intakte Ökosysteme“
Das Naturschutzprojekt „Wilde Weiden Waldnaabaue“ im Lkrs. Tirschenreuth erhält den Deutschen Biodiversitätspreis 2026. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet Josef Schmidt vom Bioland-Hof Grenzmühle. Seine Rinder und Wasserbüffel beweiden die Auenlandschaft ganzjährig. Josef Schmidt im Interview.

Bioland-Landwirt Josef Schmidt in der Weidelandschaft der Waldnaabaue; Foto: Rebekka Riebl Biolandhof Grenzmühle;
Josef, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung! Du bist mit deinem Betrieb maßgeblich an den „Wilden Weiden Waldnaabaue“ beteiligt. Nun erhält das Projekt den Deutschen Biodiversitätspreis 2026. Was ist dir in dem Moment durch den Kopf gegangen, als du erfahren hast, dass ihr ausgewählt worden seid ?
Ich habe mich sehr darüber gefreut. Seit mehr als 20 Jahren beschäftige ich mich jetzt schon mit diesem Thema, mache mir Gedanken darüber, wie Landwirtschaft und Naturschutz zusammengehen können. Dass dieser Einsatz jetzt mit einem so bedeutenden Preis gewürdigt wird, ist einfach total super.
Wenn du jemandem die Waldnaabaue zeigst, der noch nie dort war: Was würdest du ihm zeigen, um zu erklären, was sich durch die Beweidung verändert hat?
Ich würde in eines der Gebiete gehen, die früher besonders stark verbuscht waren. Dort sieht man den Effekt am deutlichsten. Zu Beginn des Projekts waren gut 100 Hektar eine dichte grüne Wildnis, durch die kein Mensch freiwillig gegangen ist. Jetzt ist das Springkraut nahezu verschwunden, das Rohrglanzgras deutlich weniger geworden und die dichten Rohrkolben- und Schilfbestände sind lückiger. Das Imposanteste ist für mich, dass man die Landschaft mit ihrem Bodenrelief wieder erkennen kann. Das Projekt liegt in einem Natura-2000-Gebiet mit sehr hohem Schutzstatus. Dort gab es viele wertvolle Lebensräume, die massiv zurückgegangen sind. In der Waldnaabaue hat sich gezeigt, dass es nicht funktioniert, die Flächen einfach der Natur zu überlassen und zu hoffen, dass sich alles von allein gut entwickelt. Um diese wertvollen Graslandflächen zu erhalten, braucht es die großen Pflanzenfresser.
Die Waldnaabaue: vielfältiger Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten; Foto: Rebekka Riebl Biolandhof Grenzmühle;
Gab es eine Beobachtung mit deinen Tieren, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ja, das war heuer, als wir im Rahmen eines sozialen Ausgleichs die Pensionstiere von konventionellen Kollegen bekommen haben. Wir haben das Fleckvieh, das zuvor in Anbindehaltung war, rausgelassen und die Tiere wussten ab der ersten Sekunde, wie sich ein Rind natürlich verhält. Sie sind sofort in ihren Lebensraum, den Wald, gegangen und haben sich im dichtesten Jungwuchs versteckt. Sie wussten von Anfang an, dass sie Beeren und Sträucher fressen können, dass Laub eine wichtige Nahrung für Rinder ist. Das fand ich sehr eindrucksvoll, obwohl diese Tiere über Generationen im Stall gehalten wurden, ist ihre epigenetische Prägung noch vorhanden, ihre natürlichen Verhaltensweisen. Da wird deutlich, wie sehr wir den Rindern ihre natürlichen Lebensräume genommen haben. Das sind die glücklichsten Tiere. Es ist echt hart, dass sie jetzt im Winter wieder von der Weide müssen und in die Anbindehaltung zurückkehren.
Deine eigenen Rinder bleiben ganzjährig draußen?
Ja, meine schon. Die Pensionstiere haben nur Sommerweide. Das ist sozusagen der Deal mit den bisherigen Bewirtschaftern. Insgesamt habe ich gut 80 eigene Rinder und derzeit 16 Pensionstiere. Die Fläche umfasst rund 240 Hektar. Da kann es schon passieren, dass man zwei bis drei Stunden sucht, bis man alle gefunden hat.
Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, solche Flächen zu beweiden?
Mich hat die Idee der wilden Weiden immer schon fasziniert. Für mich sind offene Weidelandschaften der zentrale Schlüssel zur Wiederherstellung eines intakten Ökosystems, in dem Naturschutz, Biodiversität und landwirtschaftliche Nutzung zusammengehen. Ich komme nicht von einem landwirtschaftlichen Betrieb, ich bin Quereinsteiger und habe Landwirt erst als Zweitberuf erlernt. Und dann haben wir die ersten Flächen gepachtet, ohne lange darüber nachzudenken. Wir haben 100 Euro pro Hektar bezahlt. Die Eigentümer haben nur gegrinst darüber, dass jemand Geld ausgibt für Flächen, die sonst keiner haben will. So kamen wir zu unseren ersten zwölf Hektar und sind Bioland-Mitglied geworden.
Du bist nicht nur Bewirtschafter, sondern warst auch Initiator des Projekts „Wilde Weiden Waldnaab“. Wie ist es dazu gekommen?
Ich wusste, dass der Bayerische Naturschutzfond solche Großweideprojekte unterstützt und dass dem Landkreis Ausgleichsgelder zur Verfügung standen. Also habe ich im Kreistag angestoßen, ein solches Projekt im Landkreis zu etablieren und fand sofort Unterstützung bei den Grünen und der CSU. Daraufhin wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt mit dem Ergebnis, dass sich das Projekt in der Waldnaabaue als Gebietskulisse am besten realisieren ließe. Das Projekt erhielt eine Förderung von einer halben Million Euro aus beim Bayerischen Naturschutzfond, der Landkreis steuerte weitere 200.000 Euro aus eigenen Haushaltsmitteln bei. Dann ging es los.
Welche Perspektive eröffnet die extensive Beweidung für Flächen, die sich bisher kaum landwirtschaftlich nutzen ließen?
Wir leisten hier multifunktionale Landwirtschaft: Wir fördern den Artenschutz, tragen zum Klimaschutz bei und schaffen einen großen Gemeinwohlwert. Seit die Flächen wieder bewirtschaftet werden, ist die CO₂-Sequestrierung hier deutlich höher als bei Wald. Gleichzeitig kehrt die Artenvielfalt zurück. Wir leisten außerdem einen Beitrag zur nachhaltigen Ernährung. Die Tiere verwerten Sauergräser, die der Mensch nicht direkt als Nahrung nutzen kann, und machen sie über Rindfleisch für uns verfügbar. Natürlich ist die Fleischproduktion pro Hektar gering. Trotzdem entsteht ein Lebensmittel, während wir gleichzeitig wertvolle Lebensräume erhalten.
Rechnet sich das denn für dich als Landwirt?
Das ist ein dickes Brett, das wir bohren müssen. Das Projekt passt nicht in die Schublade der Standardlandwirtschaft. Und wenn etwas nicht in die üblichen Kategorien passt, wird es für die Agrarförderbehörden schwierig. Es gibt eine Endlosdebatte darüber, welche Flächen förderfähig sind und welche nicht. Von den rund 240 Hektar bekommen wir für weniger als die Hälfte überhaupt Agrarförderung. In der ersten Säule der GAP sind es nur etwa 100 Hektar. Die Behörden sind derzeit der Meinung, dass eine solche Landnutzung in der ersten Säule nicht abgebildet werden kann. Dabei könnte man sich anschauen, wie Schleswig-Holstein es gelöst hat. Dort gibt es einen eigenen Nutzungscode für extensive Weide und da kräht kein Hahn danach, was darauf steht. Bei uns ist die Fläche in viele einzelne Feldstücke unterteilt, obwohl die Tiere überall frei hinkönnen. Jedes Feldstück wird separat betrachtet. Auf manchen wachsen Pflanzen, die weniger gefressen werden, auf anderen werden sie stärker abgeweidet. Dann müssen wir für jedes einzelne Feldstück nachweisen, dass die Mindestbewirtschaftung eingehalten wird. Man könnte die gesamte Fläche betrachten.
Ähnliche Schwierigkeiten gibt es bei der Ökoregelung 5. Nicht auf allen dieser künstlich gebildeten Feldstücke findest du vier Kennarten. Im Portfolio gibt es aber locker 15 bis 20 davon. Jeder Graben, auch wenn er beweidet wird, wird als Grenze gesehen und muss herausgerechnet werden. Selbst auf den Naturschutzflächen mussten wir heuer 50 Hektar aus der Förderung nehmen, nachdem das Umweltministerium nicht bereit dazu war, solche halboffenen Strukturen mit viel Himbeere und Brombeere– die im Übrigen sogar lieber gefressen werden als manche gute Grasstandorte - als geförderte Fläche anzuerkennen.
Welche finanziellen Folgen hat das für deinen Betrieb?
Auf fünf Jahre gerechnet fehlen uns damit rund 100.000 Euro an Erlösen, also etwa 20.000 Euro pro Jahr. Wir bewirtschaften diese Flächen trotzdem. Ich hoffe, dass wir mit dem Biodiversitätspreis noch einmal deutlich machen können, dass sich an der Fördersystematik etwas ändern muss. Flächen, auf denen mit hohem Aufwand wertvolle Lebensräume erhalten und weiterentwickelt werden, brauchen eine entsprechende Förderung.
Ganzjährige Beweidung mit Rindern und Wasserbüffeln; Foto: Rebekka Riebl Biolandhof Grenzmühle;
Die Flächen werden nicht gemäht, sondern von den Tieren gepflegt. Warum ist die ganzjährige Beweidung so wichtig?
Das ist einer der Hauptaspekte des Projekts. Wir müssen die Flächen ganzjährig beweiden. Wenn wir dem massiven Rückgang der Insekten etwas entgegensetzen wollen, brauchen wir das ganze Jahr über frische Kuhfladen. Auch im Winter gibt es warme Phasen, in denen Insekten wieder aktiv werden und nach einem warmen Kuhfladen suchen, in den sie ihre Eier legen können. So entsteht im Frühjahr eine Startpopulation junger Insekten. Wenn die Tiere nicht das ganze Jahr auf der Fläche sind, fehlt dieser Effekt. Zwischen November und Mai entsteht dann eine lange Lücke, in der ein wichtiger Teil des Ökosystems zusammenbricht.
Wie viel Arbeit und Verantwortung stecken hinter der Betreuung der Tiere auf einer so großen Fläche?
Die Tiere müssen täglich kontrolliert werden. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und absolut notwendig, denn sie dürfen auf keinen Fall verwildern. Sie müssen sich zählen lassen und sich anfassen lassen. Wir streicheln sie auch, damit der Kontakt zu Menschen bestehen bleibt und sie handhabbar bleiben. Es kann sein, dass ein Tier eine Ohrmarke braucht oder krank ist. Das kann man nicht aus 100 Metern Entfernung beurteilen. Deshalb ist die tägliche Kontrolle so wichtig. Außerdem müssen wir den Zaun täglich abgehen. Wir haben fast 20 Kilometer Zaun und im Gebiet leben auch viele Biber, was für die Natur sehr wertvoll ist. Allerdings überlegen sie beim Umwerfen von Bäumen nicht unbedingt, ob dabei unser Zaun im Weg steht.
Warum braucht es neben den Rindern auch Wasserbüffel?
Rinder passen gut zu den trockeneren Bereichen der Aue. In den Feuchtgebieten halten sie sich dagegen weniger auf und können dort auch gefährdet sein. Wasserbüffel haben eine andere Funktion. Sie sind sozusagen der Bagger auf vier Füßen. Sie legen Suhlen und Tümpel an und öffnen alte Fließrinnen. Das schafft Lebensräume für Amphibien und Reptilien, die ebenfalls stark zurückgehen und offene, feuchte Stellen brauchen. Ein gutes Beispiel sind Schwalben. Sie bauen ihre Nester aus Matsch. Weil es in der Landwirtschaft immer weniger offene Matschstellen gibt, fehlt ihnen zunehmend das Nistmaterial. Viele weitere Arten sind auf solche Strukturen angewiesen: Frösche, Eidechsen und Molche brauchen offene Bodenstellen und Kleingewässer. Die Wasserbüffel helfen uns, solche Lebensräume wiederherzustellen. Derzeit haben wir elf Tiere. Wenn es mit dem Nachwuchs klappt, sollen es ungefähr 30 werden.
Foto: Rebekka Riebl Biolandhof Grenzmühle;
Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Was beobachtest du selbst, das bisher noch nicht untersucht wurde?
Die Wirkung ist groß. Besonders gut sieht man das an den Bäumen. Ein entsprechendes Monitoring gibt es dazu bisher noch nicht, aber wir hoffen, dass Dr. Eva Zeiler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf das untersuchen kann. Die Tiere haben die Bäume innerhalb von zwei Jahren großflächig aufgeastet. Wenn man alte Bilder von Weidelandschaften anschaut, sieht man solche Gehölze mit kahlen Stämmen und einer schirmartigen Krone. Genau solche Strukturen entstehen jetzt wieder. Die Tiere fressen das Laub und die Triebe im Unterwuchs und schlagen Äste herunter. Dadurch kommt wieder Licht auf den Boden, und unter den zuvor stark zugewachsenen Sträuchern kann sich eine Grasschicht entwickeln. Was genau das für die Artenvielfalt bedeutet und welche Arten sich dort ansiedeln, müssen wir noch beobachten. Spannend ist auch, dass die Tiere offenbar systematisch vorgehen. Wenn sie eine gewisse Auflichtung erreicht haben, hören sie plötzlich auf, die Bäume so stark zu bearbeiten. Auch die Ernährung der Tiere ist interessant. Sie fressen im Frühjahr am liebsten frisches und im Herbst abgefallenes Laub. Momentan besteht etwa die Hälfte ihrer täglichen Nahrung aus Laub, obwohl ausreichend Gras vorhanden wäre. Auch das ist wissenschaftlich spannend.
Die Rinder fressen im Frühjahr am liebsten frisches und im Herbst abgefallenes Laub; Foto: Rebekka Riebl Biolandhof Grenzmühle;
Gibt es Situationen, in denen Naturschutz und Tierwohl miteinander in Konflikt geraten?
Aus meiner Sicht passen sie für die Tiere gut zusammen. Die größten Reibungspunkte entstehen mit dem Veterinärrecht. Dort ist die Regel, dass Nutztiere im Winter einen Unterstand brauchen und Rinder mindestens einmal im Jahr eine Klauenpflege benötigen. Ich habe Kühe, die 15 Jahre alt sind und in ihrem Leben noch keine Klauenpflege gebraucht haben. Ihre Klauen sind besser als die vieler anderer Rinder.
Es fehlt oft das Verständnis dafür, dass Tiere, wenn sie natürlich leben, manche Dinge selbst auf natürliche Weise lösen können. Wir haben fast 40 Hektar Waldanteil im Gebiet. Dort finden die Tiere Schutz. Wenn ein strenger Winter kommt oder die Waldnaab zu weit über die Ufer tritt, ziehen sie sich in höher gelegene Bereiche zurück. Die Tiere wissen häufig schneller und besser als wir Menschen, wo sie sich aufhalten sollten.
Die Veterinärverwaltung würde sich auch wünschen, dass wir mindestens einmal im Jahr flächendeckend Parasiten bekämpfen, weil sie davon ausgeht, dass Rinder auf einer so nassen Weide zwangsläufig stark verwurmt sein müssen. Im Projekt ist eine solche Behandlung jedoch nicht zulässig. Außerdem dürfen die entsprechenden Mittel in so wassersensiblen Gebieten nicht eingesetzt werden. Wir müssten die Tiere dafür von der Fläche nehmen und außerhalb des sensiblen Wassergebiets behandeln. Das Problem ist aber, dass die Mittel über Wochen nachwirken. Die Larven in den Kuhfladen könnten dann absterben, bevor sie sich entwickeln. Wir haben gerade erst ein Monitoring durchgeführt. Das Ergebnis war eine sehr geringe Verwurmung oder gar kein Nachweis in allen Proben.
Kommen wir zur Wirtschaftlichkeit. Das Projekt verfolgt auch das Ziel, Vermarktungsstrukturen für ökologische Fleischerzeugnisse zu entwickeln. Gibt es bereits konkrete Erfahrungen mit der Vermarktung?
Ich glaube, dass es eines der wenigen Projekte in Deutschland ist, das vollständig privat und eigenwirtschaftlich betrieben wird. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, weil wir uns zutrauen, das Projekt als Biolandhof Grenzmühle mit einem optimierten Vermarktungskonzept wirtschaftlich zu betreiben. Deshalb habe ich auch meinen Metzgermeister gemacht. Wir müssen passende Marktzugänge schaffen und den besonderen Wert der Tiere vermitteln. Es funktioniert nicht, wenn die Tiere auf dem Schlachthof in irgendeinem No-Name-Hackfleisch verschwinden. Den Mehrwert, den diese Tiere für die Landschaft leisten, wollen wir sichtbar machen und entsprechend in Wert setzen. Das ist uns mit einem wichtigen Partner bereits gelungen: Die Schullandheime in Oberfranken setzen ausschließlich unser Fleisch ein und nutzen das auch für ihre Umweltbildung. In dieser Richtung gibt es sicher noch einiges an Potenzial.
Die Nachfolge in unserer Metzgerei ist inzwischen gesichert. Ein junger Metzgermeister übernimmt sie zum Jahreswechsel. Damit können wir die Verarbeitung weiterentwickeln und unsere Produkte künftig mehr Menschen zugänglich machen. Derzeit haben wir allerdings noch keinen Überschuss. Wir bauen die Herde ja erst auf. Dass in zwei Jahrgängen viele weibliche Kälber geboren wurden, hilft uns dabei. An der Vermarktung arbeiten wir weiter.
Das klingt nach einem erfolgreichen Projekt. Funktioniert tatsächlich alles so, wie du es dir vorgestellt hast?
Es kostet unglaublich viele Nerven. Bei der Umsetzung funktioniert vieles nicht auf Anhieb. Das Projekt gäbe es nicht, wenn unser Betrieb nicht dahinterstünde und beharrlich wäre.
„Ich wünsche mir, dass durch diese Auszeichnung viele weitere Initiativen entstehen“; Foto: Rebekka Riebl Biolandhof Grenzmühle;
Wenn du zehn Jahre in die Zukunft blickst: Was sollte sich in der Waldnaabaue bis dahin entwickelt haben?
Das Projekt hat schon jetzt gigantisch viel erreicht. Mit der Entwicklung der Artenvielfalt, die wir heute sehen, hätte ich frühestens in drei oder vier Jahren gerechnet. In zehn Jahren wünsche ich mir hier eine wunderschöne, blühende Auenlandschaft mit einer intakten Pflanzenstruktur und einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Ich hoffe auch auf eine messbare Verbesserung der Gewässerqualität und der Fischbestände. Vieles wird sich erst noch entwickeln. Gerade in den Gewässern wissen wir heute noch gar nicht genau, was dort künftig entstehen wird.
Und ganz persönlich: Was gibt dir die Arbeit in dieser Landschaft?
Es ist viel Arbeit, aber ich empfinde große Dankbarkeit. Für mich ist es ein Privileg, das machen zu dürfen. Der Leitsatz unseres Betriebs lautet: Alles, was wir tun, muss dem Ökosystem dienen. Dass ich die Möglichkeit bekommen habe, das hier umzusetzen, und zur richtigen Zeit mit der richtigen Idee am richtigen Ort war, ist für mich etwas Besonderes. Ich wünsche mir, dass durch die Auszeichnung viele weitere Initiativen entstehen.
Das Gespräch führte Sigi Hagl, Bioland Landesverband Bayern
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Hintergrund: Deutscher Biodiversitätspreis 2026
Der Deutsche Biodiversitätspreis der Heinz Sielmann Stiftung geht 2026 an zwei Naturschutzprojekte in Bayern. Aus insgesamt 107 Bewerbungen bundesweit wurden Projekte zum Moor- und Auenschutz in Schwaben und der Oberpfalz ausgewählt. Beide Preisträger zeigen, wie sich wertvolle Feuchtlebensräume durch extensive Beweidung wiederherstellen und langfristig erhalten lassen. Wasserbüffel und robuste Rinder schaffen dabei vielfältige Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Die Auszeichnung ist mit jeweils 25.000 Euro dotiert und wird am 26. November 2026 im Meistersaal in Berlin verliehen.
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Bioland Landesverband Bayern e.V.
Auf dem Kreuz 58
86152 Augsburg
