Ökolandbau stärken statt kürzen: Bio-Verbände in Mecklenburg-Vorpommern legen konkrete Vorschläge vor
Weniger EU-Mittel gefährden wichtige Umweltleistungen. Die Arbeitsgemeinschaft der Bio-Verbände in Mecklenburg-Vorpommern zeigt, welche Maßnahmen in der EU und im Land ergriffen werden müssen, um elementare Umweltleistungen von ökologischen, aber auch konventionellen Betrieben, abzusichern.

Gruppenfoto, Bildquelle Jan Zuch.
Weniger EU-Mittel gefährden wichtige Umweltleistungen. Die Arbeitsgemeinschaft der Bio-Verbände in Mecklenburg-Vorpommern zeigt, welche Maßnahmen in der EU und im Land ergriffen werden müssen, um elementare Umweltleistungen von ökologischen, aber auch konventionellen Betrieben, abzusichern.
Bartenshagen, 29. Juni 2026 – Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2027 und ihre Folgen für den Ökolandbau standen im Mittelpunkt der Sommerreise der Arbeitsgemeinschaft der ökologischen Anbauverbände in Mecklenburg-Vorpommern. Auf dem ökologischen Acker- und Milchviehbetrieb von Christian Schulz diskutierten 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik und Verwaltung gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus.
Kofinanzierungsfalle stoppen: Weniger EU-Mittel gefährden den Ökolandbau
Mit dem Wegfall eines festen Budgets für Agrar-, Umwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) wie den Ökolandbau und einer Steigerung der Kofinanzierungssätze für Bund und Länder bringt die EU-Kommission die Finanzierung der Umweltleistungen von Öko-Betrieben spürbar in Gefahr. Mecklenburg-Vorpommern müsste, nach einer Studie der Universität Rostock1, im Jahr 2031 gegenüber 2024 etwa 21,4 Millionen Euro allein für die Kofinanzierung des Ökolandbaus drauflegen.
Bleibt es dabei, fehlen zukünftig erhebliche GAP-Gelder für Umwelt, Natur-, Arten- und Klimaschutz in Mecklenburg-Vorpommern. „Die AUKMs sind kein „Nice to have“, sagt Maximilian Schneider, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft. Wer bei Agrarumweltmaßnahmen spart, spart an Artenvielfalt, Gewässer- und Klimaschutz. Der Markt entlohnt die umfangreichen und nachgewiesenen Leistungen von Öko-Betrieben nicht, sie sind auf die GAP-Förderung angewiesen. Hinzu kommt, dass Steuerzahler doppelt zahlen: Zum einen für pauschale Flächenprämien ohne gesellschaftliche Leistungen zum anderen für höhere Preise auf heimische Bio-Lebensmittel, da Betriebe ihre Kosten für den Umweltschutz über den Markt einbringen müssen. Bio-Importe stillen dann die heimische Nachfrage, der Umwelt- und Naturschutz wird exportiert. Dieser Teufelskreis muss verhindert werden.“
Bio-Verbände in MV präsentieren konkrete Fördermaßnahmen
Die Arbeitsgemeinschaft legt konkrete Vorschläge vor, welche Förderprogramme neben dem Ökolandbau künftig priorisiert und wie bestehende Förderinstrumente weiterentwickelt werden sollten. Angesichts knapper werdender Mittel sieht die Arbeitsgemeinschaft mit Zustimmung des Ministers gerade Umweltmaßnahmen wie die extensive Dauergrünlandbewirtschaftung, den Anbau von Getreide mit doppeltem Saatreihenabstand, ein verbessertes Programm für eine vielfältige Fruchtfolge, die Anlage von Ackerbrachen und auch die Förderung der nassen Bewirtschaftung von Moorflächen.
Förderung des mehrjährigen Klee- und Luzernegrasanbaus sowie der Kreislaufwirtschaft
Das bestehende Eiweißpflanzenprogramm bzw. die AUKM „Vielfältige Kulturen“ sollten um eine gezielte Förderung des Anbaus des mehrjährigen Anbaus von Klee- und Luzernegras ergänzt werden. Der artenreiche Klee- und Luzernegrasanbau bietet wertvolle Lebensräume für Feldvögel, Bienen, Schmetterlinge und weitere seltene Insektenarten und trägt zur Bodenfruchtbarkeit bei. Zudem liefert die Maßnahme hochwertiges, eiweißreiches Futter und eröffnet Möglichkeiten zur klimafreundlichen Energie- und Nährstoffversorgung über Biogasanlagen.
Hier hakt ein weiterer Vorschlag zur Verbesserung der Schließung von Nährstoffkreisläufen ein: Mit einer Investitionsförderung für Anlagen und Maschinen zur Verwertung von betriebseigenen Grünasseaufwüchsen entstünde ein zielgerichteter Baustein, um Nährstoffkreisläufe im Ökolandbau auch unter fehlender Tierhaltung zu schließen und betriebliche Unabhängigkeit zu stärken. Bezahlt werden könnte die Maßnahme zudem aus anderen Finanzquellen abseits der Gemeinsamen Agrarpolitik.
Artenreiches Ackerland: Ackerwildkräuter-Kennartenprogramm
Wissenschaftliche Studien zeigen: Seit den 1960er-Jahren sind die Bestände der Ackerwildkräuter um 95 bis 99 Prozent zurückgegangen. Mit ihnen verlieren zahlreiche Insektenarten ihre Lebensgrundlage. Vor diesem Hintergrund haben der ÖKORING und weitere Partner im Auftrag des Ministeriums ein Programm zur Förderung artenreicher Äcker entwickelt, das sich derzeit in der Erprobungsphase befindet. Das Besondere an dem Konzept: Es verbindet Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung, indem bewirtschaftete Ackerflächen gleichzeitig dem Schutz seltener Ackerwildkräuter dienen. Die Maßnahme „Artenreiches Ackerland“ könnte zudem über den Verkauf von Biodiversitätszertifikaten mitfinanziert werden.
Minister will sich einsetzen
In der Diskussion zeigte sich Landwirtschaftsminister Dr. Backhaus offen für die Vorschläge und bekräftigte seinen Einsatz für den Erhalt der Agrarumweltleistungen in der künftigen GAP. Arne Bilau, stellvert. Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, fasste die Forderung der Verbände zusammen: „Öffentliche Gelder müssen an öffentliche Leistungen gebunden sein. Die künftige GAP muss den Pfad einer stärkeren Honorierung von Umweltleistungen weitergehen, anstatt ihn zu verlassen. Im Kern müssen die umweltwirksamen und gut angenommenen Programme weitergeführt und mit EU-Geld unterlegt werden. Insbesondere der Ökolandbau als Leistungsträger für Arten-, Gewässer- und Klimaschutz muss verlässlich abgesichert werden“
Arbeitsgemeinschaft der ökologischen Anbauverbände MV
Ansprechpartner der Arbeitsgemeinschaft: Arne Bilau: arne.bilau@oekoring.bio und Maximilian Schneider: Maximilian.Schneider@bioland.de
Die Arbeitsgemeinschaft der ökologischen Anbauverbände in Mecklenburg-Vorpommern bündelt die Interessen der Bio-Verbände im Land und setzt sich für die Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus ein. Die Sommerreise wird jährlich von der Arbeitsgemeinschaft organsiert und bietet eine Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Praxis, Forschung, Verwaltung und Verbänden.
1 Auswirkungen des GAP-Reformvorschlags auf die Förderung des Ökolandbaus in Deutschland Sebastian Lakner 1: Universität Rostock, Fakultät für Agrar, Bau und Umwelt, Rostock
Hintergrundpapier
Nährstoffversorgung und Herstellung geschlossener Nährstoffkreisläufe im Ökolandbau verbessern
Die Sicherung einer nachhaltigen Nährstoffversorgung stellt insbesondere für vieharme und spezialisierte Ökobetriebe eine zunehmende Herausforderung dar. Während geschlossene Nährstoffkreisläufe ein zentrales Leitbild des Ökolandbaus sind, zeigt die betriebliche Praxis, dass insbesondere Marktfruchtbetriebe häufig auf den überbetrieblichen Zukauf von Wirtschaftsdüngern angewiesen sind. Dies betrifft vor allem organische Düngemittel wie Mist, Gülle oder Gärreste, HTK, die für die Versorgung, insbesondere mit Stickstoff, aber auch Phosphor und Kalium unverzichtbar sind. Die Verfügbarkeit geeigneter Wirtschaftsdünger ist jedoch regional sehr unterschiedlich und begrenzt.
Ein Ausbau der Tierhaltung als Grundlage eigener Nährstoffkreisläufe ist auf vielen Betrieben nur eingeschränkt möglich. Gründe hierfür sind der zunehmende Fachkräftemangel, hohe Investitionskosten, begrenzte Genehmigungs- und Standortmöglichkeiten für Stallanlagen sowie die fortschreitende Spezialisierung der landwirtschaftlichen Betriebe. Gerade flächenstarke Marktfruchtbetriebe verfügen oftmals nicht über die infrastrukturellen Voraussetzungen, um eine Tierhaltung in einem Umfang aufzubauen, der den Nährstoffbedarf ihrer Ackerflächen und die Versorgung der Hauptkulturen ausreichend decken könnte. Hinzu kommt, dass bei extensiven Haltungsverfahren, beispielsweise in der Mutterkuh- und Schafhaltung, aufgrund des hohen Weideanteils vergleichsweise geringe Mengen an sammelbarem Wirtschaftsdünger anfallen. Die Potenziale zur Verbesserung betrieblicher Nährstoffkreisläufe über die Tierhaltung sind daher vielerorts begrenzt.
Die Versorgung vieharmer Marktfruchtbetriebe mit Wirtschaftsdüngern wird darüber hinaus zunehmend schwieriger und kostenintensiver. Die Nachfrage nach organischen Düngern steigt sowohl im ökologischen als auch im konventionellen Landbau, während gleichzeitig die Kosten für Transport, Lagerung und Ausbringung zunehmen. Die Wirtschaftlichkeit des Wirtschaftsdüngertransports sinkt mit zunehmender Entfernung deutlich. Insbesondere bei Transportentfernungen von mehr als 15 Kilometern stehen die Kosten häufig nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis zum Nährstoffwert der transportierten Stoffe. Gleichzeitig verschlechtern sich mit zunehmender Transportentfernung die Umweltbilanz und die Ressourceneffizienz der Nährstoffverwertung (vgl. KTBL 2024; LfL Bayern 2023).
Vor diesem Hintergrund sollten landwirtschaftliche Betriebe stärker dabei unterstützt werden, alternative und ergänzende Wege zur Verbesserung ihrer Nährstoffversorgung umzusetzen. Hierzu zählt insbesondere die Ausweitung des Anbaus von Kleegras- und Luzernegrasbeständen in den Fruchtfolgen. Leguminosen leisten durch ihre Fähigkeit zur biologischen Stickstoffbindung einen wichtigen Beitrag zur Eigenversorgung mit Stickstoff und fördern gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit sowie den Humusaufbau. Kleegras gilt als zentraler Bestandteil ökologischer Fruchtfolgen und trägt wesentlich zur Stickstoffversorgung der Folgekulturen bei (Thünen-Institut 2024). Allerdings entstehen durch den Anbau dieser Kulturen Kosten und Ertragsverzichte, die bislang häufig nicht ausreichend gedeckt werden. Somit liegt der Fruchtfolgeanteil von Klee- und Luzernegras auf Ökobetrieben in Mecklenburg-Vorpommern häufig unter der Mindestzielmarke von 20%.
Darüber hinaus sollten Betriebe in die Lage versetzt werden, Wirtschaftsdünger stärker selbst aufzubereiten oder herzustellen. Neben Investitionen in Anlagen zur Kompostbereitung, Lagerkapazitäten und moderne Ausbringungstechnik sollten deshalb auch Biogasanlagen (mit bestimmten Kriterien) gezielt gefördert werden. In Mecklenburg-Vorpommern bieten sich hier weiterhin große Potenziale. Neben Ackerfutteraufwüchsen könnten auch (späte) Aufwüchse des Dauergrünlands (energetisch) genutzt werden. Die entstehenden Gärreste könnten anschließend als wertvoller organischer Dünger dem Ackerbau zugeführt werden und damit zur Verbesserung der betriebseigenen Nährstoffkreisläufe beitragen (KTBL 2024).
Eine besondere Chance bietet dabei die Verwertung von Kleegras- und Luzernegrasaufwüchsen in Biogasanlagen. Erfahrungen aus der Praxis sowie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Vergärung von Kleegras mit anschließender Rückführung der Gärreste zu einer verbesserten Nährstoffnutzung und zu messbaren Ertragssteigerungen im Acker- und Pflanzenbau führen kann. Untersuchungen der Technischen Universität München belegen, dass die Kleegrasvergärung im ökologischen Landbau sowohl die Ertragsleistung als auch den Humusaufbau positiv beeinflussen kann (Hülsbergen et al. 2021). Durch den Vergärungsprozess werden die in der Biomasse enthaltenen Nährstoffe schneller pflanzenverfügbar und können über die Gärreste gezielt den Kulturen wieder zugeführt werden. Gleichzeitig bleibt die positive Wirkung der Leguminosen auf die biologische Stickstoffbindung erhalten. Die Kombination aus Energieerzeugung, effizienter Nährstoffnutzung und verbesserter Düngewirkung der Gärreste trägt dazu bei, die Ertragsstabilität und die Nährstoffeffizienz insbesondere in vieharmen Marktfruchtbetrieben nachhaltig zu verbessern.
Gleichzeitig bietet sich für die Betriebe eine bessere Nutzungsperspektive für Klee- und Luzernegras und die Anbauattraktivität wird gesteigert. Gleichzeitig eröffnet die gezielte Aufbereitung organischer Düngemittel weitere Möglichkeiten zur Steigerung der Nährstoffeffizienz. Gut aufbereiteter Rottemist, separierte Gärreste, die gezielte Mischung verschiedener Substrate sowie unterschiedliche Formulierungen organischer Dünger können die Pflanzenverfügbarkeit der Nährstoffe verbessern und die Düngewirkung deutlich erhöhen. Dadurch lassen sich Nährstoffverluste reduzieren und die vorhandenen Ressourcen effizienter nutzen (KTBL 2024).
Vor diesem Hintergrund schlägt die Arbeitsgemeinschaft der Öko-Anbauverbände Mecklenburg-Vorpommern als ersten Schritt zwei zentrale Maßnahmen vor:
1. Investitionsprogramm zur Verbesserung der Nährstoffkreisläufe
Es sollte ein Investitionsprogramm zur Verbesserung betrieblicher und regionaler Nährstoffkreisläufe aufgelegt werden. Förderfähig wären insbesondere Investitionen in Kompostierungsanlagen, Lager- und Aufbereitungstechnik für Wirtschaftsdünger, moderne Ausbringungsverfahren sowie Biogasanlagen zur Verwertung von Kleegras-, Luzernegras- und Grünlandaufwüchsen.
2. Erweiterung des Eiweißpflanzenprogramms
Das bestehende Eiweißpflanzenprogramm beziehungsweise die Agrarumwelt- und Klimamaßnahme „Vielfältige Kulturen“ sollte um eine gezielte Förderung des artenreichen und mehrjährigen Klee- und Luzernegrasanbaus erweitert werden. Dadurch könnten zusätzliche Anreize geschaffen werden, den Leguminosenanbau auszudehnen und die Eigenversorgung mit Stickstoff nachhaltig zu stärken. Zudem kann mit einem solchen Programm ein wirksamer und wertvoller Nutzen für die Biodiversität in der Agrarlandschaft generiert werden. Diese Maßnahmen würden nicht nur dem Ökolandbau zugutekommen, sondern auch im konventionellen Landbau einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Nährstoffeffizienz, zur Stärkung regionaler Stoffkreisläufe und zur Erreichung von Umwelt- und Klimaschutzzielen leisten. Darüber hinaus besteht insbesondere für konventionelle Milchviehbetriebe die Chance, in den Anbau von eiweißhaltigem Grundfutter verstärkt einzusteigen.
Quellen
1. Thünen-Institut (2024): Optimierte Kleegrasetablierung durch situationsangepasste Aussaattechnik sowie weitere Veröffentlichungen zum ökologischen Acker- und Futterbau.
2. Hülsbergen, K.-J. et al. (Technische Universität München) (2021): Untersuchungen zur Kleegrasvergärung und Gärrestrückführung im ökologischen Landbau, zusammengefasst bei C.A.R.M.E.N. e.V.
3. Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) (2024): Biogas in der Landwirtschaft sowie Veröffentlichungen zu Nährstoffkreisläufen und Gärrestnutzung.
4. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) (2023): Veröffentlichungen zu Wirtschaftlichkeit und Logistik von Wirtschaftsdüngertransporten.
Bilder zum Download

Auf dem ökologischen Acker- und Milchviehbetrieb von Christian Schulz diskutierten 40 Vertreter*innen aus Landwirtschaft, Politik und Verwaltung mit Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus.

Arne Bilau (Mitte) stellt den Teilnehmenden das neue Ackerkennartenprogramm, die Maßnahmen zur Förderung des mehrjährigen Klee- und Luzernegrasanbaus und zur Kreislaufwirtschaft vor.

Die Gruppe besuchte die Milchviehherde und ließ sich von Betriebsleiter Christian Schulz das Herdenmanagement erklären.
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mit Vorschlägen der Arbeitsgemeinschaft
Kontakt zur Pressestelle
Bioland Landesverband Ost (Berlin/Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) e.V.
Gradestraße 92
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