Niedersächsische Bioland Betriebe ackern für die Vielfalt
Die biologische Vielfalt ist Grundlage der Landwirtschaft. Bestäubende Insekten, fruchtbare Böden, vielfältige Fruchtfolgen und stabile Ökosysteme sichern Erträge und damit unsere Ernährung. Zwei niedersächsische Beispielbetriebe zum Tag der Biodiversität am 22. Mai.

Ruchgras ist eine der Kennarten, die Johannes Thieße auf seinem Grünland findet. (Foto: Eike Poddey)
Der Verlust an Arten schreitet seit Jahrzehnten voran – umso wichtiger, etwas dagegen zu tun. Bioland-Betriebe erbringen vielfältige Leistungen, um die Artenvielfalt, die Vielfalt an Lebensräumen sowie die genetische Vielfalt zu erhalten.
Johannes Thieße: Extensiver Grünlandbetrieb
Völlig unterschätzt ist in der allgemeinen Wahrnehmung das sogenannte Grünland: Wiesen und Weiden gehören in Niedersachsen und Bremen zu den wichtigsten Lebensräumen. Hier fühlen sich nicht nur Kühe, Schafe und Ziegen richtig wohl, auch unzählige Insekten, Vögel und Pflanzen und mehr als ein Drittel aller heimischen Pflanzenarten finden sich hier. Damit es nicht zuwuchert und deshalb an Vielfalt verliert, muss es beweidet oder gemäht werden. So fördert die Weidetierhaltung z.B. Wiesenvögel wie Kiebitz und Bekassine, die nur im baumfreien Grünland ihre Brutplätze finden. Geringe Tierdichte, keine übermäßige Düngung, Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmaßnahmen sind wichtige Aspekte und Standard für einen Bioland-Betrieb.
Kriechender Günsel
Artenreich ist Grünland, wenn es zusätzlich extensiv bewirtschaftet wird. Eine außerordentlich große Artenvielfalt findet sich beispielsweise auf dem Grünland von Johannes Thieße. Rund 70ha bewirtschaften der 37-jährige Maschinenbauingenieur und seine Familie im Nebenerwerb. Auf den Wiesen in der Gemeinde Steimbke bei Nienburg grasen seine 45 Mutterkühe samt Nachwuchs. Auf den Weideflächen finden die inzwischen geübten Blicke des Landwirts Kriechenden Günsel, Wiesenschaumkraut, Gamander Ehrenpreis, Ruchgras, Spitzwegerich, Kuckuckslichtnelken, Rotklee und Hornklee, Doldengewächse, Seggen und Simsen. Lauter Kennarten, deren Vorkommen seit einigen Jahren im Rahmen von Förderprogrammen nach Nachweis besonders vergütet werden.
Gamander Ehrenpreis
„Seitdem es die Kennarten-Programme gibt, schenken wir Pflanzen Aufmerksamkeit, die wir zuvor nie beachtet haben. Womöglich gibt es bei uns weitere seltene Gräser, die im klassischen Futterbau aufgrund der geringen Futterwerte keine Rolle spielen“, sagt Thieße.
Alte Schweinerassen für die genetischen Vielfalt
Der Erhalt der genetischen Vielfalt ist ein Herzensthema von Nadja Poppen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Hermann bewirtschaftet sie einen Bioland-Betrieb in Aurich. Dort halten sie Schwedische Linderöd Schweine. Diese seltene Schweinerasse ist heute vornehmlich in Erhaltungszuchten zu finden.
Das Schwedische Linderöd Schwein
„Alte Rassen nicht Aussterben zu lassen, ist von großer Bedeutung für die genetische Vielfalt sowie zukünftige Zuchtprogramme. Wir müssen uns die Anpassungsfähigkeit in der Schweinehaltung, Resilienz gegen Krankheiten und Klima bewahren“, ist sich Poppen sicher. Zudem seien alte Rassen ein Teil des kulturellen und landwirtschaftlichen Erbes in Europa.
In Niedersachsen wurden im November 2025 7,2 Mio. Schweine gehalten. (Quelle: BMEL-Statistik: Schweinehaltung). In den meisten Ställen Niedersachsen sind dabei stets die gleichen Rassen und damit wenig genetische Vielfalt anzutreffen.
Sau mit Ferkeln.
Das habe laut Poppen vor allem wirtschaftliche Gründe. „Alte Rassen, wie die Linderöd Schweine sind im Vergleich vor allem robuster und anpassungsfähiger an extensive und ökologische Haltungssysteme. Zudem erlauben die oftmals die Nutzung von strukturreichem Futter, das auf Weiden und im Wald zu finden ist“, erklärt Poppen. Aus den eigenen Beobachtungen kann Nadja Poppen zudem die guten Muttereigenschaften sowie das ruhige Verhalten, das dieser Rasse zugeschrieben wird, bestätigten. Wenngleich die Vermarktung von alten Rassen sehr aufwendig ist, sind die Kundinnen und Kunden von der hervorragende Fleischqualität überzeugt.
Mehr Informationen zum Bioland Hof Sonnenschein: Bioland Hof Sonnenschein | Bioland-Schweinezucht in Ostfriesland
