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Mutterkuh- und Fleischrinderexkursionen in Eifel und Ostwestfalen

LandwirtschaftNordrhein-WestfalenBioland e.V.20.05.2026

Sechs Höfe, viele Einblicke und intensive Fachgespräche: Die diesjährigen Mutterkuh- und Fleischrinderexkursionen von Bioland NRW führten rund 50 Teilnehmende in die Eifel und nach Ostwestfalen.

Bild: Jörn Bender

Die traditionelle Frühjahrsexkursion der Mutterkuhhalter im Bioland NRW führte im Frühjahr 2026 in die Eifel und nach Ostwestfalen. Diesmal standen ausnahmsweise gleich zwei abwechslungsreiche Samstage rund um die Fleischrinderhaltung auf dem Programm. Jeweils drei Mutterkuh- beziehungsweise Rindermastbetriebe öffneten in der Eifel sowie im nordöstlichen Westfalen ihre Hoftore und empfingen die insgesamt rund 50 Teilnehmenden offen und herzlich.

Bei der Veranstaltung in der Eifel wirkten neben dem Bioland Landesverband NRW auch der Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland sowie die Naturlandberatung mit und steuerten jeweils einen Exkursionsbetrieb bei. In Ostwestfalen wurden drei zum Teil langjährige Bioland-Betriebe aus dem Gebiet der Regionalgruppe Bielefeld besucht.

9. Mai – Eifel in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz

Den Auftakt am 9. Mai machte der Bioland-Betrieb von Senior Erhard und Junior André Klöcker in Nettersheim. Auf dem Betrieb werden rund 25 Limousin-Mutterkühe gehalten. Seit Jahren setzen die Klöckers auf hochwertige Herdbuchbullen, sodass die Teilnehmenden hervorragende Absetzer als Kernprodukt des Nebenerwerbsbetriebes begutachten konnten. Darüber hinaus bewiesen die Betriebsleiter ein besonderes Händchen für Technik und Maschinenpflege. In einer neu errichteten Maschinenhalle konnte sich die Reisegruppe von hervorragend gepflegten Grünlandmaschinen und Fendt-Schleppern überzeugen.

Weiter ging es nach Duppach in Rheinland-Pfalz zum Zuchtbetrieb von Stefan und Norbert Meyer. Im Vollerwerbsbetrieb werden rund 80 Angus-Mutterkühe beider Farbschläge gehalten. Aktuell kommen drei verschiedene Bullen zum Einsatz, deren individuelle Vererbungsmerkmale Bemuskelung, Rückenlänge und Charakter der Nachzucht positiv beeinflussen sollen. Die Meyers setzen auf natürliche Weidesysteme im Herdenverbund – auch aufgrund der Wolfpräsenz am Standort. Die Anguszucht des Bioland-Betriebes blickt auf eine lange Tradition zurück. Schwerpunkt der Vermarktung sind Lebendverkäufe von Zuchttieren, daneben betreibt der Hof eine Direktvermarktung von Rindfleisch.

Zum Abschluss des Tages besuchte die Reisegruppe den Naturland-Betrieb der Familie Reusch in Brandscheid. Aus Überzeugung für die Mutterkuhhaltung wurde dort im Jahr 2025 ein neuer, geförderter Kuhstall für perspektivisch etwa 20 Mutterkühe errichtet. Die Reusch GbR hält die Rasse Piemonteser und vermarktet das Fleisch über verschiedene Fleischpakete direkt an Kundinnen und Kunden. Zum Abschluss der Tour gab es im Stall eine leckere Gulaschsuppe – selbstverständlich mit Fleisch vom eigenen Rind.

16. Mai – Ostwestfalen

Eine Woche später ging es nahe der niedersächsischen Landesgrenze im Kreis Herford erneut um Mastrinder und Mutterkühe. Seit mittlerweile 25 Jahren wirtschaftet Christian Becker vom Hof Meyer-Arend in Herford als überzeugter Bioland-Betrieb und erfahrener Hofladenbetreiber. Neben einem rund 300 m² großen Hofladen auf der Diele des alten Hofgebäudes werden auf etwa 80 Hektar Mastbullen, Mastschweine, Legehennen und Mastgeflügel gehalten.

Im Fokus des Besuches stand zunächst der vor rund zehn Jahren errichtete Laufstall für die etwa 35 Mastbullen des Hofes. Der zweigeteilte Stall umfasst eine überdachte Liegehalle mit Stroheinstreu sowie einen befestigten Laufhof mit Außenfuttertisch und Schieberentmistung. Ein Großteil der Mastbullen hat zusätzlich Weidegang auf rund drei Hektar angrenzender Fläche – unmittelbar am Rand der Herforder Wohnbebauung. Schwieriger als die Weidehaltung gestaltet sich für den Betriebsleiter die Suche nach Rindern gleicher Rasse und Qualität. Becker bevorzugt Angusrinder, kauft jedoch auch Tiere anderer Herkünfte zu, da er möglichst regionale Tiere aufstallen möchte. Ein Rundgang durch den beeindruckenden Hofladen rundete den Auftakt des Tages ab.

Weiter ging es auf den ebenfalls seit einem Vierteljahrhundert zum Bioland-Verband gehörenden Hof von Kalle und Heike Röthemeier in Bad Oeynhausen. Über Ackerbau, Texelschafzucht, einen Landhandel für Saatgut, Tierzuchtbedarf und Futtermittel sowie den Aufbau einer Charolaiszucht mit französischen Blutlinien entwickelte sich der Betrieb zu einem vielfältigen Unternehmen in der Region. Aktuell wird die Rinderhaltung aufgestockt, sodass derzeit nur wenige Zuchttiere verfügbar sind. Einige Mastbullen vom Hof Röthemeier konnten bereits zuvor in den Ställen von Christian Becker besichtigt werden. Von diesen Tieren stammten auch die leckeren Beefburger zum Mittagsimbiss.

Für die Charolaisherde kann der Betrieb auf große zusammenhängende Grünlandflächen zurückgreifen, die im Zuge der A 30-Umgehung von Bad Oeynhausen als Ausgleichsflächen ausgewiesen wurden.

Mit dem dritten Exkursionsbetrieb des Tages, dem Biohof Wiehenglück in Hüllhorst am namensgebenden Wiehengebirge, besteht seitens der Familie Röthemeier eine Zusammenarbeit im Bereich der Mutterkuhhaltung. Im Bereich der Gemarkung Espelkamp bewirtschaftet der auf Ackerbau und Schweinemast spezialisierte Bioland- und Naturland-Betrieb von Eyke Pahmeyer und seinem Bruder Hendrik Holzmeier große Grünlandflächen auf Niedermoorstandorten. Dort werden mit Charolais, Angus und Pinzgauer insgesamt drei Fleischrinderrassen gehalten. Während die Angusrasse eher auslaufend ist, werden die Bestände an Pinzgauern und Charolais weiter ausgebaut. Die gute Futtergrundlage am Standort spricht eher gegen Angus, da die Tiere dort schnell zur Verfettung neigen. Die Nachzucht der Mutterkühe wird überwiegend als Absetzer in die Bio-Rindermast verkauft.

Zum Ausklang des Tages wurden bei einem kleinen Hofrundgang auch die Schweine- und Legehennenhaltung besichtigt. Zudem diskutierten die Teilnehmenden gemeinsam mit Christoph Dahlmann, Geschäftsführer der Biofleisch NRW eG, aktuelle Themen rund um Vermarktung und Absatz.

Danke

Die Bioland-Beratung bedankt sich bei allen Teilnehmenden, insbesondere aber bei den sechs gastgebenden Betrieben für die Öffnung ihrer Hoftore, die interessanten Einblicke in Tierhaltung, Vermarktung und Betriebswirtschaft sowie die hervorragende Versorgung mit vielfach hofeigenen Produkten.

Ebenso gilt der Dank dem BMLEH für die Förderung der Veranstaltung am 16. Mai 2026 im Rahmen des Programms „Öko-Wissen für die Praxis“ als Teil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau.

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