Pressemitteilungen

Höfe brauchen eine starke GAP

Presse, AgrarpolitikGesamtverbandBioland e.V.03.08.2026

Bioland kritisiert Streichungspläne bei den Öko-Regelungen und fordert Bekenntnis zum Prinzip „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“.

Mit vier Ansätzen würde die GAP zu einem Instrument, von dem alle profitieren, sagt Bioland. Foto: Bioland / Sonja Herpich

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union muss sich stärker daran ausrichten, wofür sie gesellschaftlich gebraucht wird: eine resiliente Landwirtschaft, die Klima, Biodiversität, Böden, Wasser und Tierwohl schützt und zugleich die Ernährungsversorgung Europas langfristig sichert. Die aktuellen Zahlen zur Teilnahme an den Öko-Regelungen zeigen, dass die Betriebe diesen Weg mitgehen: In Deutschland werden inzwischen auf mehr als 55 Prozent der Agrarfläche Öko-Regelungen umgesetzt. Für Bioland ist das ein klares Signal, dass das Prinzip „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ richtig ist – und dass die Politik jetzt nicht hinter bereits Erreichtes zurückfallen darf.

Bioland-Präsident Jan Plagge unterstreicht: „Wenn auf mehr als der Hälfte der Agrarfläche Öko-Regelungen angewendet werden, zeigt das: Die Bäuerinnen und Bauern sind bereit, Verantwortung für Umwelt, Klima und Biodiversität zu übernehmen – wenn die Leistungen angemessen honoriert werden. Genau diesen Weg müssen wir jetzt unbedingt weitergehen.“

Doch der Umbau der Agrarförderung hin zu einer leistungsorientierten GAP braucht Zeit. Auch deshalb sind Übergangsregelungen und eine verlässliche Finanzierung notwendig.

„Umso unverständlicher ist es, dass die versprochenen Öko-Regelungen zur Weidehaltung und zur Förderung der Biodiversität nun doch nicht kommen sollen. Wenn sich die Nachfrage nach solchen Maßnahmen stetig erhöht, wie die Zahlen des BMLEH selbst belegen, muss die Politik die Angebote weiterentwickeln und attraktiver machen – statt bereits in Aussicht gestellte, sinnvolle Fördermaßnahmen vor der Einführung wieder einzukassieren“, so Plagge.

Die GAP kann zum Instrument für die strategische Unabhängigkeit der EU werden

Auch die aktuellen Entwicklungen bei der GAP auf EU-Ebene geben Bioland Anlass zur Sorge, denn der Kommissionsentwurf sieht das Ende kofinanzierungsfreier Umweltbudgets vor. Damit würde die EU hinter das Ziel zurückfallen, die Agrarförderung Schritt für Schritt auf konkrete gesellschaftliche Leistungen auszurichten. Die geopolitischen Krisen der jüngeren Vergangenheit haben zutage gefördert, wie sehr die EU-Landwirtschaft am Tropf fossiler Rohstoffe aus Ländern und Regionen wie Russland oder dem Nahen Osten hängt.

Eine vielfältige, regional verankerte Landwirtschaft mit starken, nachhaltigen Betrieben, die mit deutlich weniger fossiler Energie auskommen, setzt dem was entgegen: Durch mehr Bio in Europa werden Betriebsmittelabhängigkeiten reduziert, natürliche Ressourcen erhalten und Wertschöpfung in den Regionen gesichert. Eine GAP, die diesen Umbau unterstützt, ist deshalb in erster Linie eine Investition in die strategische Unabhängigkeit der Europäischen Union.

Bioland-Präsident Plagge: „Alle suchen aktuell nach Lösungen für mehr strategische Unabhängigkeit in unsicheren Zeiten. In der Landwirtschaft gibt es ein bewährte Maßnahme: Der Ökolandbau zeigt seit Jahrzehnten, wie sich Lebensmittel durch vielfältige Fruchtfolgen mit heimischen Leguminosen statt importierten Mineraldüngers deutlich unabhängiger und krisenfester erzeugen lassen. Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft in der EU braucht es daher ein starkes GAP-Budget mit einer klaren Priorität für Umwelt, Unabhängigkeit und Resilienz.“

4 Punkte für eine GAP, von der alle profitieren

Bioland fordert für die künftige GAP:

  1. Mehr Budget für mehr Leistung: ein hohes und weiterhin eigenständiges GAP-Budget mit klarem Fokus der Mittelverwendung auf die einkommenswirksame Honorierung konkreter gesellschaftlicher Leistungen

  2. Basis-Absicherung als Grundstock: sinnvolle Differenzierungskriterien, sodass die Flächenzahlungen zielgerichtet bei den Betrieben ankommen, keine Erhöhung der Basisprämie „DABIS“ über den Mindestumfang hinaus

  3. Planungssicherheit für alle, die sich auf den Weg gemacht haben: ein ausreichend finanziertes Budget für Umweltleistungen im bisherigen Umfang (Umschichtung und Kofinanzierung) statt Mehrbelastung der Mitgliedstaaten sowie die Fortführung der 100-% EU-finanzierten, bundesweit angebotenen, attraktiven Umweltmaßnahmen (Öko-Regelungen)

  4. Mehr Bio für mehr Unabhängigkeit: Ökolandbau als höchste gesetzlich geregelte Form der nachhaltigen Landwirtschaft und als Premiumbeispiel für eine funktionierende, dauerhafte und gesamtbetriebliche Fördermaßnahme verankern.

Ihre Ansprechperson

Pressestelle

Pressesprecher Gesamtverband
Leon Mohr

Bioland e.V.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kaiserstr. 18, 55116 Mainz