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Goldener Regenwurm für die Bioland-Schäferei Michler

PresseBayernBioland e.V.17.02.2026

Die Bioland-Schäferei Michler aus dem Gemündener Ortsteil Adelsberg im nördlichen Spessart wurde auf der Bioland-Woche im Kloster Plankstetten für ihre herausragende ökologische Wanderschäferei, ihr Engagement im Herdenschutz und ihren unermüdlichen Einsatz für Natur- und Artenschutz ausgezeichnet.

Christiane Geiger und Dieter Michler mit ihren Schafen auf einer Weidefläche im Biosphärenreservat Rhön; Foto: Elias Treugut

Christiane Geiger und Dieter Michler ausgezeichnet

Mit rund 900 Mutterschafen und knapp 400 Hektar ökologisch wertvoller Fläche gehört die Bioland-Wanderschäferei Michler zu den wenigen hauptberuflichen Wanderschäfereien im Verband.

Arbeiten zwischen Idylle und Herausforderung

Der Arbeitsplatz der beiden ist außergewöhnlich: Weideflächen im Biosphärenreservat Rhön, darunter auch Areale auf dem Truppenübungsplatz bei den „Schwarzen Bergen“. Die Arbeit richtet sich nicht nur nach Wetter, Gelände und Tierwohl – sondern auch nach den Schießplänen der Bundeswehr. „Hüteschäferei heißt: flexibel sein.“ Jeden Abend wird der Nachtpferch neu aufgebaut. Jeden Tag ist mindestens eine Person ganztägig bei der Herde. „Man sieht jeden Tag etwas anderes“, erzählt Schäfer Dieter Michler. „Mal lahmt ein Schaf, mal müssen Klauen geschnitten werden.“

Foto: Elias Treugut

Die Arbeit ist naturnah – und oft einsam. „Man muss es mit sich selbst aushalten können“, sagt Christiane Geiger. „Wenn man ein Problem damit hat, allein zu sein, dann kann man den Beruf nicht machen. Manchmal sieht man den ganzen Tag niemanden.“

Von fünf Schafen zur großen Herde

Dieter Michler hat die Schäferei gemeinsam mit seinem Vater aufgebaut: „Als ich zehn Jahre alt war, hat er mit fünf Schafen angefangen. Heute sind es über 900.“ Christiane Geiger stammt aus einer alten Schäferfamilie. „So weit man zurückdenken kann – schon immer. Ich könnte mir ehrlich gesagt nichts anderes vorstellen.“ Trotz ihres Studiums der Agrarwissenschaften entschied sie sich bewusst für diesen Weg: „Der Beruf hat sein Für und Wider, aber ich würde nichts anderes machen wollen.“

Foto: Elias Treugut

Naturschutz durch Hütebeweidung

Die Hüteschäferei ist auf vielen Flächen die einzige praktikable Beweidungsform – insbesondere auf Truppenübungsplätzen, wo feste Zäune nicht möglich sind. Durch das gezielte Hüten entsteht ein Mosaik unterschiedlich stark verbissener Bereiche – wertvolle Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. „Ihr betreibt aktiven Naturschutz, haltet Landschaft offen, tragt zum Erhalt der Artenvielfalt bei“, würdigte Laudator Josef Schmidt, Mitglied im bayerischen Landesvorstand von Bioland das Engagement des Paares. Gleichzeitig verstehen sich Geiger und Michler nicht nur als Landschaftspfleger. Die Zucht und Erzeugung hochwertiger Bio-Produkte sind ihnen wichtig.

Foto: Elias Treugut

Leben im Wolfsgebiet – und Verantwortung übernehmen

Seit neun Jahren ist die Region Wolfsgebiet. Heute lebt dort ein Rudel von rund zwölf Tieren – das größte in Bayern. Als Geiger und Michler 2010 die Flächen pachteten, war durch Habitat-Analysen bereits klar, dass Wölfe hier geeignete Bedingungen finden würden. Fünf Jahre später waren die ersten Wölfe da. Christiane Geiger schilderte in ihren Dankesworten offen die Herausforderung: „Der Wolf hat nichts Böses im Sinn, aber er hat manchmal einfach auch Hunger. Er frisst das Lamm, das ist die Realität. Und setzt uns schon vor eine existenzielle Bedrohung.“

Foto: Elias Treugut

Christiane Geiger und Dieter Michler setzen auf konsequenten Herdenschutz. Bereits seit 2012 arbeiten sie mit Herdenschutzhunden. Erfahrungen sammelten sie auf Lehrfahrten u.a. nach Brandenburg, Frankreich und in die Schweiz. „Ihr lebt vor, dass Herdenschutz möglich ist“, so Schmidt. „Und manchmal bläst euch dafür der Wind eisig ins Gesicht.“ Tatsächlich stießen sie mit ihrem Ansatz nicht überall auf Zustimmung.

„Wir wollen das Zusammenleben mit den Wölfen möglich machen“, berichtete Christiane Geiger. „Wir möchten einfach unsere Schafe schützen. Das ist unser Anliegen. Wir möchten weitermachen mit unserem Beruf, unsere Existenz nicht aufs Spiel setzen, und auch für die Branche etwas erreichen. Zeigen, wie es gehen kann. Mit den Herdenschutzhunden kann man eine Trennlinie ziehen zwischen dem Wolf und dem Lamm.

Engagement weit über den Betrieb hinaus

Das Engagement der beiden reicht weit über die eigene Herde hinaus. Christiane Geiger arbeitet im Bioland-Bundesfachausschuss „Schafe und Ziegen“ und in der Arbeitsgruppe „Wolf“ mit, engagierte sich im EU-Projekt „LIFEstockProtect“ und setzte sich für eine bessere Vermarktung von Bio-Lämmern ein. „Ihr seid unglaublich kollegial“, sagte Schmidt. „Wenn jemand Hilfe braucht, muss man euch nur ansprechen.“ Dieses Miteinander wirke weit über den eigenen Betrieb hinaus.

Für ihre Arbeit wurden Geiger und Michler bereits 2016 mit dem NABU-Preis „Gemeinsam Boden gutmachen“ ausgezeichnet. Nun folgte der „Goldene Regenwurm“. Mit der Auszeichnung hatten die beiden nicht gerechnet. „Ich dachte erst, das wäre ein Irrtum“, sagte Christiane Geiger sichtlich bewegt. Und sie versprach: „Wir werden auch weiterhin unseren Weg gehen. Ich habe schon eine Menge Ideen.“

Auszeichnung mit Signalwirkung

Die Ehrung erhält zusätzliche Aktualität: Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums ausgerufen. Damit soll die zentrale Rolle von Hirten und Weidelandschaften für Biodiversität, Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft gewürdigt werden. Christiane Geiger und Dieter Michler zeigen schon heute, was das bedeutet.

Bio-Königin Annalena Dworschak eröffnete den Abend mit den Worten: „Der „Goldene Regenwurm“ ehrt Menschen, die verstanden haben, dass ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft keine kurzfristige Entscheidung, sondern eine Lebensaufgabe ist – eine Aufgabe, die Geduld, Durchhaltevermögen und Mut verlangt.“

Foto: Sigi Hagl, Bioland

Neben der Bioland-Wanderschäferei Michler wurden in diesem Jahr auch Barbara und Wolfgang Birk vom Arche-Hof Birk im Allgäu sowie die Familie Krieger vom Riedenburger Brauhaus geehrt. Der „Goldene Regenwurm“ wird traditionell auf der Bioland-Woche im Kloster Plankstetten verliehen. Mit ihm zeichnet der Bioland Landesverband Bayern jährlich engagierte Mitglieder – und seit 2024 auch verarbeitende Partnerunternehmen – für besondere Verdienste um den ökologischen Landbau aus.

Goldener Regenwurm für die Bioland- Schäferei Michler | Bioland e.V.