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Gentechnik im Essen: Verbraucher*innen droht der Verlust von Transparenz und Wahlfreiheit

PresseGesamtverbandBioland e.V.16.01.2026

Grüne Woche in Berlin - Expertinnen aus Landwirtschaft, Handel und „Ohne GenTechnik“-Siegel-Vergabe warnen vor EU-Plänen zur Deregulierung.

Die geplante Deregulierung des EU-Gentechnikrechts schränkt die Transparenz bei Lebensmitteln massiv ein und nimmt Verbraucher*innen die Möglichkeit, gentechnisch veränderte Produkte sicher zu erkennen. Das wurde beim heutigen Presse-Talk ‚Sicher gentechnikfrei – bald nur noch bei Bio und „Ohne Gentechnik“?‘ deutlich, zu dem die Verbände Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG) und Bioland e.V. im Rahmen der Grünen Woche in Berlin eingeladen hatten.

Vor dem Hintergrund der kurz vor dem Abschluss stehenden EU-Gesetzgebung zu neuen gentechnischen Verfahren (NGT) diskutierten Vertreter*innen aus Landwirtschaft, Handel und „Ohne GenTechnik“-Siegel-Vergabe die möglichen Folgen für die Praxis und Verbraucherorientierung. Einig waren sich die Podiumsteilnehmenden: Ohne verbindliche Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und Risikoprüfung steht die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen auf dem Spiel.

Kennzeichnung als Grundpfeiler der Verbraucherentscheidung

Alexander Hissting, Geschäftsführer des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik e.V., warnte vor einem grundlegenden Systembruch:

„Wenn neue gentechnische Verfahren aus der Kennzeichnungspflicht entlassen werden, verlieren Verbraucher*innen die Möglichkeit, bewusst zu entscheiden. Transparenz ist kein Nice-to-have, sondern die Grundlage von Vertrauen. Der einzige erkennbare Grund für die Abschaffung der Kennzeichnungspflicht ist, dass die Gentechnik-Hersteller den Verbraucher*innen etwas verschleiern wollen und damit dieses Vertrauen gezielt untergraben. Wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, wären ‚Ohne Gentechnik‘ und Bio die letzten verlässlichen Orientierungspunkte in Sachen Gentechnik im Supermarkt.“

Landwirtschaft zwischen Abhängigkeit und Kontrollverlust

Aus Sicht der ökologischen Landwirtschaft gleicht der aktuelle EU-Vorschlag einem riskanten Täuschungsmanöver. Carolin Pagel, Leiterin Politik bei Bioland, erklärte:

„Was hier als Fortschritt verkauft wird, ist in Wahrheit ein trojanisches Pferd. Unter dem Deckmantel von Innovation drohen Abhängigkeiten durch Patente, Kontrollverlust über Saatgut und eine schleichende Aushöhlung europäischer Grundwerte wie Wahlfreiheit und Ernährungssouveränität. Das starke EU-Gentechnikrecht hat uns bislang geschützt, es ohne Not aufzugeben, wäre ein historischer Fehler. Der Ökolandbau arbeitet auch künftig ohne Gentechnik, für eine Landwirtschaft, die Wandel gestaltet, ohne ihre Prinzipien zu verraten.“

Bio-Handel fordert lückenlose Kennzeichnung vom Acker bis ins Regal

Auch der Bio-Handel rechnet mit spürbaren Folgen für Kund*innen. Gunther Weiss, Bereichsverantwortlicher Qualitätsmanagement bei Alnatura, betonte:

„Unsere Kundinnen und Kunden wollen sehr genau wissen, wie ihre Lebensmittel produziert werden. Bio überzeugt durch seinen Ansatz mit der Natur zu arbeiten und ohne Gentechnik. Bio steht für eine Produktionsweise mit klaren Regeln und einer durchgehenden Auslobung. Das muss auch für die neue Gentechnik gelten. Nur so können Kunden frei wählen.“

Lukas Nossol, Leiter Kommunikation bei Dennree, ergänzte:

„Der Bio-Handel lebt von Glaubwürdigkeit. Wenn staatliche Regeln Transparenz abbauen, steigt der Druck auf Handel und Hersteller, diese Lücke selbst zu schließen. Doch Wahlfreiheit darf nicht privatisiert werden, sie ist eine politische Verantwortung.“

Appell an Politik und EU-Institutionen

Die Diskussion machte deutlich, dass zentrale Fragen von der Politik weiterhin unbeantwortet sind. Sind die langfristigen Risiken der neuen Gentechnik ausreichend erforscht? Ist der Schutz vor einer massenhaften Patentierung von Pflanzen wirklich gewährleistet? Angesichts der bislang international äußerst bescheidenen Erfolgsbilanz von NGT in der Praxis bestehe kein Anlass zu unausgereiften Entscheidungen. Die Vertreter*innen des Podiums fordern die Politik, insbesondere das EU-Parlament auf, sich nicht von vagen Versprechen täuschen zu lassen, sondern die Notbremse zu ziehen, für eine klare Kennzeichnung zum Schutz der Verbraucher und für wirksame Patentbegrenzung zum Schutz der Landwirte.

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