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EU Bio Tag 2026

Agrarpolitik, Landwirtschaft, VerbandSüdtirol23.09.2026

Zahlen, Fakten, Forderungen zum EU Bio Tag 2026

Der Bioanbau in Südtirol entwickelt sich in diesem Jahr je nach Sparte unterschiedlich. Während der Bio-Weinbau moderat wächst und die biologische Milchwirtschaft eine stabile Säule der Berglandwirtschaft bleibt, steht insbesondere der Bio-Obstbau vor Herausforderungen. Gleichzeitig bieten Gemüsebau, Ackerbau und die lokale Bio-Fleischproduktion gute Entwicklungsmöglichkeiten.

Aktuelle Zahlen des Amtes für Landmaschinen und biologische Produktion zeigen: Die Voraussetzungen für eine weitere Entwicklung des Biolandbaus sind vorhanden – dafür braucht es jedoch funktionierende regionale Strukturen, verlässliche Vermarktungswege und entsprechende politische Unterstützung.

Bioflächen: Mehr als ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche

Zum 31. Dezember 2025 waren in Südtirol 1.974 Betriebe im Nationalen Verzeichnis der ökologisch wirtschaftenden Unternehmen eingetragen, darunter 1.624 landwirtschaftliche Betriebe. Insgesamt wurden 35,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche biologisch bewirtschaftet. Ohne Wiesen und Weiden liegt der Anteil der Bioflächen bei 12,2 Prozent der Sonderkultur- und Ackerflächen. Ein Blick auf die einzelnen Kulturarten zeigt jedoch ein differenziertes Bild.

Bio-Obstbau teilweise unter zunehmendem Druck

Im ökologischen Obstbau ist seit dem Höchststand von 2021 ein leichter Flächenrückgang zu beobachten. Damals wurden 2.604 Hektar biologisch bewirtschaftet, 2025 waren es noch 2.354 Hektar, 4% weniger als im Vorjahr. Eine zentrale Herausforderung ist die Pflanzengesundheit. Zunehmend heiße und feuchte Sommer erhöhen den Druck durch Pilzkrankheiten und machen Anbau und Pflanzenschutz für Bio-Betriebe anspruchsvoller.

Bio-Weinbau und Milchwirtschaft bleiben stabile Säulen

Anders stellt sich die Entwicklung im Bio-Weinbau dar. Dieser setzt seinen moderaten Wachstumskurs fort: 2025 wurden 592 Hektar biologisch bewirtschaftet, 1,4% mehr als im Vorjahr. Damit entfielen rund 10,1% der gesamten Südtiroler Weinbaufläche auf den biologischen Weinbau.

Auch die biologische Milchwirtschaft bleibt eine traditionelle und stabile Säule der Südtiroler Landwirtschaft, insbesondere in den Berggebieten. Neben den Wiesen werden dort auch große Flächen an Almen und Weiden biologisch bewirtschaftet.

Gemüse, Ackerbau und Bio-Fleisch bieten Entwicklungschancen

Deutliches Potenzial für die weitere Entwicklung des Biolandbaus sehen die Branchenvertreter vor allem dort, wo regionale Produktion und Nachfrage noch stärker zusammengeführt werden können. Der Bereich Acker- und Gemüsebau kam 2025 auf 429 Hektar und legte damit gegenüber dem Vorjahr um 1,8% zu. Gerade vielfältige Nischen wie Kräuter und Feldgemüse können bei funktionierender Vermarktung zusätzliche Perspektiven für heimische Bio-Betriebe eröffnen.

Auch bei regionalem Bio-Fleisch gibt es Potenzial. Eine stärkere Nachfrage nach biologischen und regionalen Lebensmitteln könnte hier neue Wertschöpfungsmöglichkeiten für die heimische Landwirtschaft schaffen.

„Wir müssen regionale Kreisläufe konsequenter schließen“

Reinhard Verdorfer, Geschäftsführer von Bioland Südtirol, sieht in der Entwicklung des Biosektors eine Chance für die Widerstandsfähigkeit der regionalen Lebensmittelwirtschaft:

„Bio-Produkte sind ehrlich und streng kontrolliert – das schätzen die Konsumentinnen und Konsumenten, ganz besonders beim direkten Einkauf am Marktstand. Wollen wir aber biologische und regionale Kreisläufe in Südtirol konsequent schließen, gibt es noch viel Luft nach oben. Die Arbeit geht uns hier sicher nicht aus.“

Entscheidend sei dabei auch, dass die landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaftlich tragfähig arbeiten können. Dafür brauche es verlässliche Partnerschaften mit dem Handel und eine faire Entlohnung der Erzeugerinnen und Erzeuger.

„Wir brauchen einen Handel, der eine langfristige Beziehung auf Augenhöhe mit dem Biolandbau aufbaut und auskömmliche Preise bezahlt. Der Bauer und die Bäuerin müssen von ihrer harten Arbeit leben können und die nötige Wertschätzung erfahren. Fehlt diese wirtschaftliche Basis, werden schrittweise Betriebe aufgegeben – und das führt letztlich dazu, dass die Preise am Markt nur noch stärker steigen.“

Öffentliche Hand kann wichtige Impulse setzen

Auch die öffentliche Verwaltung sieht Verdorfer in der Verantwortung, regionale Bio-Produkte stärker zu berücksichtigen. Insbesondere bei öffentlichen Ausschreibungen und in der Gemeinschaftsverpflegung könnten neue Ansätze dazu beitragen, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.

Forderungen: Regionale Strukturen und Logistik ausbauen

Damit die vorhandenen Potenziale genutzt werden können, braucht es aus Sicht der Branchenvertreter bessere Rahmenbedingungen für die regionale Produktion und Vermarktung. Im Mittelpunkt stehen vier Bereiche:

1. Biologische und regionale Kreisläufe stärken

Der Ausbau lokaler Wirtschaftskreisläufe muss politisch stärker gefördert und priorisiert werden.

2. Regionale Wertschöpfungsketten aufbauen

Für Gemüse, regionales Fleisch sowie Spezial- und Nischenkulturen braucht es gezielte Unterstützung beim Aufbau funktionierender Wertschöpfungsketten – von der Produktion bis zum Verbraucher.

3. Zentrale Anlaufstellen und Bündelungsstrukturen schaffen

Handel, Tourismus und öffentliche Verwaltung suchen verlässliche Ansprechpartner für regionale Bio-Produkte. Dafür braucht es koordinierende Strukturen, die Angebot und Nachfrage zusammenbringen und kleinere Produktionsmengen bündeln können.

4. Regionale Logistik verbessern

Eine funktionierende regionale Logistik ist entscheidend, um auch kleinere Bio-Mengen und Nischenprodukte effizient zu sammeln, aufzubereiten und bedarfsgerecht auf den Markt zu bringen.

„Das Potenzial ist da – jetzt müssen die Strukturen mitwachsen“, lautet die zentrale Botschaft von Bioland Südtirol. Eine stärkere Vernetzung von Landwirtschaft, Handel, Tourismus und öffentlicher Hand könne dazu beitragen, regionale biologische Kreisläufe zu schließen und die Wertschöpfung stärker im Land zu halten.

Zahlen und Fakten zum Ökolandbau in Südtirol - Stand: 31. Dezember 2025

• 1.974 Betriebe sind im Nationalen Verzeichnis der ökologisch wirtschaftenden Unternehmen eingetragen, davon 1.624 landwirtschaftliche Betriebe.

• 35,2 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Südtirols werden biologisch bewirtschaftet.

• Ohne Wiesen und Weiden liegt der Bio-Anteil bei 12,2 % der Sonderkultur- und Ackerflächen.

Bioflächen nach Kulturart

• Kernobstbau: 2.354 ha – 13,5 % der Gesamtfläche

• Weinbau: 592 ha – 10,1 % der Gesamtfläche

• Ackerland & Kräuterbau: 429 ha – 10,1 % der Gesamtfläche

• Wiesen: 5.259 ha – 8,7 % der Gesamtfläche

• Weiden & Almen: 67.829 ha – 51,6 % der Gesamtfläche

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