Energiewende am Niedersteinhof

Am Niedersteinhof setzt man auf erneuerbare Energien
Energiewende am Niedersteinhof
Unter dem Motto „Zu Gast beim Bio Power-Bauer“ lud Biolandwirt Walter Moosmair zu einer Veranstaltung, die nicht nur Einblicke in seinen Betrieb bot, sondern auch Raum für Austausch und Diskussion schuf. Moosmair, Ceres-Award-Gewinner 2025 in der Kategorie „Energielandwirt“, zeigte gemeinsam mit seiner Familie eindrucksvoll, welches Potenzial auch kleine Höfe im Bereich erneuerbarer Energien entfalten können.
Bereits ab dem späten Vormittag standen die Hoftore offen. An die 150 Interessierte kamen mit dem gut organisierten Shuttle-Dienst ab St. Leonhard, aber auch zu Fuß oder mit dem E-Bike auf den Niedersteinhof. Die Besucherinnen und Besucher konnten bei der Hofführung und der Präsentation moderner E-Maschinen hautnah erleben, wie nachhaltige Energieversorgung und effizientes Energiemanagement in der Praxis funktionieren.
Auch kulinarisch spiegelte sich die Philosophie des Hofes konsequent wider: Bei der Veranstaltung wurde transparent auf regionale und biologische Lebensmittel geachtet. Die verwendeten Zutaten stammten aus dem Bioland-Netzwerk – darunter Fleisch vom Niedersteinhof selbst, Brot aus der Profanter Natur-Backstube in Brixen, Käse vom Schupferhof in St. Martin in Passeier, Polenta von Alma Calliari sowie Kartoffeln von Daniele Piscopiello. Ein besonderes Highlight war der „Hai“-Fisch, der von Siegi und seinem Team vom Jägerhof – Partner von Bio Fair Südtirol – frisch vor Ort zubereitet wurde.

Ein besonderes Augenmerk lag auch auf dem Angebot für Kinder und Familien: Heuhüpfen und Vorlesestunden mit Isabella Halbeisen sorgten für Unterhaltung bei den jüngsten Besucherinnen und Besuchern und machten das Hoffest zu einem Erlebnis für alle Generationen. Auch das Bogenschießen, organisiert vom Jungen Bioland fand viele Anhänger.
Im Zentrum des Interesses stand jedoch das innovative Energiekonzept des Niedersteinhofs. Eine Photovoltaikanlage mit 65 kWp, eine Wärmepumpe, ein Kleinwindrad und ein durchdachtes System zur Steuerung von Wärme und Stromversorgung zeigen, wie die Energiewende auch im kleinstrukturierten Berggebiet gelingen kann. Moosmair hatte bereits vor Jahren begonnen, Maschinen und Infrastruktur konsequent auf erneuerbare Energien umzustellen.

Ein Höhepunkt des Tages war die Podiumsdiskussion zum Thema „Ökonomische und ökologische Kreisläufe schließen“. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Wirtschaft diskutierten über Chancen und Herausforderungen regionaler Kreisläufe. Dabei wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Dimension hat.
Walter Steger, Obmann von Bioland Südtirol, betonte die Bedeutung starker Netzwerke, die Landwirtinnen und Landwirte unterstützen und widerstandsfähiger machen. Kreislaufwirtschaft sei kein neues Konzept, gewinne jedoch angesichts globaler Krisen zunehmend an Bedeutung. Matthias Bertagnolli vom Südtiroler Bauernbund verwies auf die enge Verflechtung der Landwirtschaft mit der Weltwirtschaft und unterstrich zugleich die zentrale Rolle regionaler Strukturen und biologischer Produktion.
Auch die energiepolitische Abhängigkeit Südtirols wurde thematisiert. Thomas Egger vom Klima Club Südtirol machte deutlich, dass sich die Region nicht von globalen Entwicklungen abkoppeln könne. Derzeit sei Südtirol stark von fossilen Energieträgern abhängig – insbesondere in der Mobilität und im Heizbereich. Jährlich fließen laut Egger zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro in den Ankauf fossiler Energie, obwohl die technischen Voraussetzungen für mehr Eigenständigkeit gegeben wären. Nach mehreren Energiekrisen in den vergangenen Jahrzehnten sei es höchste Zeit, konsequent umzusteuern, um auch soziale Spannungen zu vermeiden. Gleichzeitig plädierte er dafür, den Wandel positiv anzugehen und konkrete Beispiele wie den Niedersteinhof als Motivation zu nutzen.

Landesrätin Rosmarie Pamer hob hervor, dass die Politik bereits wichtige Fördermaßnahmen auf den Weg gebracht habe, etwa im Bereich Photovoltaik und Wärmepumpen. Ziel sei es, langfristig mehr Energieautarkie zu erreichen und gleichzeitig soziale Nachhaltigkeit zu stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Verbindung von Energie, Landwirtschaft und Tourismus. Daniel Campisi, Experte für Ladeinfrastruktur, sprach über die Chancen einer flächendeckenden Elektromobilität. Gerade im Tourismus könne Südtirol eine Vorreiterrolle einnehmen, indem Mobilität neu gedacht und konsequent auf nachhaltige Lösungen gesetzt werde.
Das Hoffest am Niedersteinhof zeigte eindrucksvoll, wie innovative Ansätze und gelebte Praxis zusammenwirken können. Es machte deutlich, dass die Energiewende nicht nur eine globale Herausforderung ist, sondern auch im Kleinen beginnt – auf Höfen wie jenem von Walter Moosmair.
