Bio braucht jetzt Verlässlichkeit
Bioland und Naturland werben für Zustimmung zur EU-Öko-Reform.

Zentral sind für die Verbände vor allem auch Nachbesserungen in der Bio-Tierhaltung, unter anderem bei der Weidepflicht.
Vor der Abstimmung im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments am 14. Juli appellieren Bioland und Naturland an die Abgeordneten, mit zentralen Weichenstellungen mehr Bio in Deutschland und Europa zu ermöglichen und damit die strategische Unabhängigkeit der Ernährungsversorgung voranzubringen. Die Verbände begrüßen notwendige Fortschritte bei der Weiterentwicklung des Bio-Rechts und werben für Zustimmung zum ausgehandelten Kompromisspaket. Zugleich sehen sie an entscheidenden Stellen Nachbesserungsbedarf.
Im Vordergrund des Kompromisspakets stehen praktikable Übergangsfristen für die Umsetzung neuer Importregelungen, damit der internationale Bio-Handel nicht gefährdet wird. Unnötige Bürokratie muss dabei jedoch vermieden werden. So lehnen Bioland und Naturland unter anderem eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung einzelner Zutaten sowie eine regelmäßige gesetzliche Überarbeitung der EU-Öko-Verordnung ab, weil dies den Aufwand für Unternehmen erheblich erhöhen und dringend benötigte Planungssicherheit gefährden würde.
Europäische Bio-Erfolgsgeschichte weiterschreiben
Bioland-Präsident Jan Plagge erklärt: „Bio ist eine europäische Erfolgsgeschichte. Damit sie fortgeschrieben werden kann, braucht der Sektor neben einer verlässlichen finanziellen Grundlage vor allem praxistaugliche Regeln. Die gezielte Überarbeitung der EU-Öko-Verordnung ist richtig und notwendig, damit wieder mehr Bio-Betriebe neu hinzu kommen beziehungsweise im System gehalten werden. Parlament und Mitgliedstaaten müssen nun schnell zu einer Einigung kommen, damit Betriebe die Rechts- und Planungssicherheit erhalten, die sie dringend benötigen. An einigen Stellen sind die Entwürfe aber noch ein Stück von der Praxistauglichkeit entfernt.“
Zentral sind für die Verbände vor allem auch Nachbesserungen in der Bio-Tierhaltung. Unter anderem braucht es flexible Regelungen bei Auslaufüberdachungen für Rinder und Schweine, die Tierwohl und betriebliche Umsetzbarkeit gleichermaßen berücksichtigen.
Eberhard Räder, Präsident von Naturland, verdeutlicht: „Die Bio-Tierhaltung verbindet als höchster gesetzlicher Standard Tierwohl, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit. Das unterstreicht erfreulicherweise auch die EU in ihrer kürzlich vorgestellten Nutztierstrategie. Nun geht es darum, diese Art der Tierhaltung in Deutschland und Europa weiter auszubauen. Dazu braucht es ein praxistaugliches Bio-Recht, mit Regelungen, die zum Betriebsalltag der Bio-Tierhalter passen. Dabei dürfen Grundprinzipien und hohe Standards nicht aufgelöst oder verwässert werden – denn das würde der Glaubwürdigkeit der Bio-Tierhaltung schaden.“
Naturland und Bioland zu Weidepflicht: Flexibilität ohne Grundsatzaufweichung
In der Frage nach der künftigen Umsetzung der Bio-Weidepflicht unterstützen Bioland und Naturland einen innerhalb der europäischen Bio-Bewegung abgestimmten Vorschlag, der eine gezielte Flexibilität für begründete Ausnahmefälle ermöglicht, ohne den Grundsatz der Weidehaltung aufzugeben. Ziel ist eine Lösung, die den unterschiedlichen Standortbedingungen gerecht wird und zugleich die Glaubwürdigkeit des Bio-Sektors erhält, so die Verbände. Diese Position entspricht auch den Empfehlungen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) an die Mitglieder des Europäischen Parlaments.
Da dieser europäisch geeinte Vorschlag bislang noch nicht Teil des Kompromisspakets ist, müssen die Abgeordneten dafür sorgen, dass dieser dort integriert wird. Nur so lassen sich das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher, die Wettbewerbsfähigkeit der Bio-Milchviehhaltung und die Zukunftsfähigkeit der ökologischen Landwirtschaft gleichermaßen sichern, betonen Naturland und Bioland.
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