„Bio beweist besondere Krisenresilienz“
„Die Zukunft in der Hand – wie krisenfest ist unsere Ernährung?“ – Podiumsdiskussion mit Landwirtschaftsministerin Marion Gentges bei der Veranstaltung „Bioland trifft Muswiese“ in Rot am See.

Gastgeber war der Bioland Landesverband Baden-Württemberg: Christoph Zimmer (links) und Landesvorstand Heiko Reinhardt (rechts) mit Bioland-Präsident Jan Plagge, Landwirtschaftsministerin Marion Gentges und Landkreistags-Präsident Dr. Achim Brötel (Foto: Stefan Zimmer/Bioland e. V.).
Wie krisenfest ist unsere Ernährung?
Diese Frage haben bei der politischen Veranstaltung des Bioland-Landesverbands Baden-Württemberg Marion Gentges, Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Dr. Achim Brötel, Präsident des Deutschen Landkreistags und Bioland-Präsident Jan Plagge am Abend vor der Muswiese in Musdorf/Rot am See diskutiert.
Die Reihe „Bioland trifft Muswiese“ ist etabliert: Rund 1200 Gäste verfolgten In der Hofburk die engagierte Debatte zwischen Landesregierung, Landkreistag und Bioland. Von der Effizienz zur Resilienz, Klimawandel als neue Realität, Stickstoffanbau statt Importabhängigkeit von Dünger, heimisch und souverän statt importorientiert und krisenanfällig: Mit seinem Einführungsreferat gab Jan Plagge den Rahmen der Diskussion vor.
„Unser täglich Brot ist auch heute nicht selbstverständlich“, sagte Marion Gentges angesichts der geopolitischen Spannungen und Extremwetterereignisse: „Keine Produktion ist so risikobehaftet wie die Lebensmittelproduktion unter freiem Himmel.“ Die Ministerin bekannte sich zu dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziel der grün-schwarz geführten Regierung, die Ernährungssouveränität in die Landesverfassung aufzunehmen.
Das verpflichte, die notwendigen Instrumente für verlässliche Bedingungen in der Lebensmittelerzeugung sicherzustellen. „Der ökologische Landbau hat hier einen wichtigen Anteil“, betonte Gentges. Ohne chemischen Dünger brechen die konventionellen Erträge schnell zusammen. Die Importabhängigkeit von Stickstoffdünger treffe den ökologischen Landbau nicht: „Bio beweist eine besondere Krisenresilienz.“
Es sei wichtig, die Bio-Absatzmärkte zu stärken. Ein Baustein sei die so genannte Kantinenrichtlinie, mit der die Landesregierung den Weg zu 30 bis 40 Prozent Bio-Landwirtschaft bis 2030 vorgegeben hat: „Wir investieren in diese Wertschöpfungskette, weil sie zur Ernährungssouveränität beiträgt.“
Dazu zählen Maßnahmen wie die Einrichtung und Förderung der Bio-Musterregionen in Baden-Württemberg. Dr. Achim Brötel hob in diesem Zusammenhang das Engagement der Landesregierung für den ökologischen Landbau hervor. „Ein gut vernetztes Regionalmanagement in Baden-Württemberg ist wichtig“, betonte Brötel, auch Landrat im Neckar-Odenwald-Kreis, in dem eine der 14 Bio-Musterregionen des Landes etabliert ist. Hier werde viel bewegt, etwa mit dem anstehenden Bio-Markttag in Buchen: „Sie sind herzlich eingeladen.“ Er wies aber auch auf die dramatische finanzielle Lage der Kommunen und insbesondere der Krankenhäuser hin: „Resilienz hat ihren Preis.“
Stichwort Gentechnik in der Landwirtschaft: Von Juli 2028 an müssen die abgeschwächten neuen EU-Regeln für neue Gentechniken angewendet werden. Dann könnten auch hierzulande erste modifizierte Pflanzen zum Anbau kommen, deren Produkte nicht mehr als „gentechnisch verändert“ gekennzeichnet werden müssen. „Wie soll künftig rechtssicheres Arbeiten möglich sein“, fragte der Bioland-Präsident an Marion Gentges gewandt. Für die Ministerin ist klar: „Die überwiegende Mehrheit der Verbraucher will keine gentechnisch veränderten Lebensmittel.“ Angesichts der hierzulande vorherrschenden kleinteiligen Landwirtschaft und der Unternehmen, die gentechnikfrei wirtschaften, werde man genauere Regelungen brauchen, gentechnikfreie Lebensmittel sicherzustellen.
Der Applaus im Saal bewies: Mit dieser Absichtserklärung ist die baden-württembergische Landesregierung zumindest nach Meinung der Mehrzahl in Musdorf auf dem richtigen Weg.
Zum Bioland-Verband
Bioland ist der bedeutendste Verband für ökologischen Landbau in Deutschland und Südtirol. Im Landesverband Baden-Württemberg wirtschaften rund 1.800 Erzeugungsbetriebe sowie 350 Partnerbetriebe aus Herstellung und Handel nach den Bioland-Richtlinien. Gemeinsam bilden sie eine Wertegemeinschaft zum Wohl von Mensch und Umwelt.
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Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V.
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