Arche-Hof Birk erhält Goldenen Regenwurm 2026
Barbara und Wolfgang Birk vom Arche-Hof Birk in Weitnau (Allgäu) wurden für ihr Engagement im Ökolandbau, den Erhalt alter Tierrassen und ihre Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit ausgezeichnet. Der Arche-Hof Birk ist ein Aushängeschild des bayerischen Bioland-Verbands.

Barbara und Wolfgang Birk mit ihren Kindern Veronika, Helena und Ludwig. Foto: Elias Treugut
Landwirtschaft mit Haltung – von Anfang an
Der Arche-Hof Birk in Weitnau im Allgäu ist mit dem „Goldenen Regenwurm“ des Bioland-Landesverbands Bayern ausgezeichnet worden. Barbara und Wolfgang Birk erhalten die Ehrung für ihr langjähriges Engagement im ökologischen Landbau, für den Erhalt alter, regionaltypischer Nutztierrassen und für ihre intensive Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Auszeichnung wurde Anfang Februar im Rahmen der Bioland-Woche im Kloster Plankstetten verliehen.
Landwirtschaft mit Haltung – von Anfang an
Foto: Elias Treugut
Seit 2007 wirtschaftet der Familienbetrieb nach den Richtlinien von Bioland. Im selben Jahr wurden die Birks Mitglied im Verband. 2011 folgte die Anerkennung als Arche-Hof und Demonstrationsbetrieb. Als Arche-Hof widmet sich der Betrieb dem Erhalt alter und gefährdeter Nutztierrassen – mit klarem regionalem Schwerpunkt. Neben dem Allgäuer Braunvieh finden sich auf dem Hof unter anderem Bergschafe und Augsburger Hühner.
Foto: Elias Treugut
Tatsächlich steht das Allgäuer Braunvieh im Zentrum des Betriebskonzepts. Rund 50 Milchkühe werden auf dem Hof gehalten. Die Kühe bekommen nur hofeigenes Gras und Heu. Kraftfutter wird nicht eingesetzt. „Leistung und Futter müssen zusammenpassen“, erklärt Wolfgang Birk. Gerade in Zeiten stark schwankender Futtermittelpreise habe sich diese Strategie bewährt. Die Tiere seien robust, langlebig und verursachten vergleichsweise geringe Tierarztkosten. Ziel sei es nie gewesen, maximale Milchmengen zu erzielen, sondern langfristig stabile, tiergerechte Systeme aufzubauen. „Der Arche-Gedanke ist keine Marketingidee für euch, sondern Auftrag“, betonte Karin Agerer, Kreissprecherin des Biolandverbands im Oberallgäu, in ihrer Laudatio. „Ihr legt Wert auf Bewusstheit, Langlebigkeit, geschlossene Kreisläufe und alte, für das Allgäu typische Rassen.“
Foto: Elias Treugut
Geschlossene Kreisläufe und Eigenverantwortung
Zentrales Leitbild des Betriebs ist der möglichst geschlossene Betriebskreislauf. Das Futter stammt ausschließlich von den eigenen Flächen. Der Hof bewirtschaftet rund 60 Hektar Grünland sowie Streuwiesen im Nieder- und Hochmoor. Dort gewinnen die Birks ihr Einstreumaterial selbst – mühsam per Motormäher, oft mit bis zu 20 Kilometern Fußweg am Tag.
Barbara Birk war langjährig stellvertretende Gruppensprecherin der Bioland-Gruppe Naturheilverfahren und bildet sich kontinuierlich weiter – unter anderem als Kräuterfachfrau sowie als Landschafts- und Moorführerin. Barbara erklärt Besuchergruppen die Unterschiede zwischen Hoch- und Niedermoor, spricht über Torfmoose, Arnika und Blutwurz – und über die enorme Bedeutung der Moore als Wasserspeicher und Lebensraum.
Als Demonstrationsbetrieb ist Öffentlichkeitsarbeit fester Bestandteil des Alltags. „Bei Führungen Landwirtschaft erlebbar zu machen, ist die Hauptantriebsfeder für euch beide“, betonte Agerer.
Direktvermarktung und nächste Entwicklungsschritte
Wer alte Rassen hält, weiß: Der Weg in die anonyme Masse funktioniert nicht. Deshalb entschieden sich die Birks früh für die vollständige Direktvermarktung. Fleisch wird in Paketen angeboten, Wurstwaren im Hofladen verkauft, dazu gibt es ein Hofcafé, einen Seminarraum und regelmäßige Führungen.
„Wenn wir das mit den alten Rassen machen, dann müssen wir das auch herausstellen“, sagen die Birks. Sie übernehmen bewusst Verantwortung für die gesamte Wertschöpfungskette.
Der nächste Schritt steht unmittelbar bevor: die Verarbeitung der eigenen Milch auf dem Hof. Die baulichen Voraussetzungen für eine Hofmolkerei sind bereits geschaffen. Finanziert wurde das Projekt über Genussrechte – ein Beteiligungsmodell, bei dem Unterstützerinnen und Unterstützer Geld investieren und Zinsen in Form von Naturalien erhalten. Mitte des Jahres soll die Milch- und Joghurtproduktion vom Arche-Hof Birk beginnen.
Engagement für Ausbildung und Verband
Neben Tierhaltung und Vermarktung engagieren sich die Birks intensiv in der Ausbildung. Zwei Auszubildende – einer in der Landwirtschaft, eine in der Hauswirtschaft – gehören fest zum Betrieb. Agerer erinnerte in ihrer Ansprache an ein Gespräch mit Wolfgang Birk, in dem es um die Ausbildung eines landwirtschaftlichen Lehrlings ging. Der vermittelte Auszubildende habe später maßgeblich dazu beigetragen, dass sein elterlicher Betrieb auf Bio umgestellt wurde. „Was wir Frauen eingefädelt hatten und Wolfgang in der Lehre vermittelt hat, trug seine Früchte“, sagte Karin Agerer.
Auch überregional bringt sich Wolfgang Birk ein, etwa im Verein „Original Allgäuer Braunvieh“ oder in Forschungsprojekten wie „Kuh pro Klima“.
Dank und Ausblick
Foto: Elias Treugut
In seinen Dankesworten betonte Wolfgang Birk die Bedeutung des Netzwerks: „Dass wir gleich mit der Umstellung auf Bio zum Biolandverband gegangen sind, habe ich nie bereut. Ganz im Gegenteil.“ Besonders prägend seien die frühen Jahre in der Regionalgruppe gewesen: „Wir haben da einfach reinwachsen dürfen.“ Gewinnmaximierung sei nie sein oberstes Ziel gewesen. „Ich möchte, dass wir den Hof ökologisch in einem genauso guten Zustand an die nächste Generation weitergeben können. Das ist mir ein Herzensanliegen.“
Barbara Birk ergänzte per Videobotschaft: „Als wir Bioland-Hof wurden, hat eine tolle Reise für uns begonnen.“ Entscheidend seien die Menschen an ihrer Seite gewesen. „Was ist wichtiger – der Weg oder das Ziel? Es sind eindeutig die Weggefährten.“ Dass so viele Menschen mit der Auszeichnung ihre Arbeit würdigten, freue sie besonders.
Karin Agerer brachte es am Ende ihrer Laudatio auf den Punkt: „Ihr versteht es, eure Ressourcen und die eures Hofes bestmöglich einzusetzen. Euer Betrieb gehört zu den Aushängeschildern des Bioland-Verbandes Bayern.“ Der Arche-Hof Birk zeige eindrucksvoll, dass Landwirtschaft dann Zukunft hat, wenn sie auf Herkunft setzt, Verantwortung übernimmt und Menschen mitnimmt. Mit Herz, Verstand und Konsequenz leben Barbara und Wolfgang Birk vor, wie nachhaltige Landwirtschaft im Allgäu aussehen kann – und warum sie dafür den „Goldenen Regenwurm“ mehr als verdient haben.
Die Auszeichnung „Goldener Regenwurm“
v.l.n.r.: Bioland-Landesvorsitzende Oliver Alletsee u. Thomas Lang, Preisträger Wolfgang Birk (Arche-Hof Birk), Laudatorin Karin Agerer, Bioland-Kreissprecherin Oberallgäu; die Bayerische Bio-Königin Annalena Dworschak; Foto: shagl
Der „Goldene Regenwurm“ wird traditionell im Rahmen der Bioland-Woche im Kloster Plankstetten verliehen. Mit der Auszeichnung ehrt der Bioland-Landesverband Bayern jährlich engagierte Mitglieder – seit 2024 auch verarbeitende Partnerunternehmen –, die sich in besonderer Weise um die Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus im Freistaat verdient gemacht haben. Neben dem Arche-Hof Birk wurden in diesem Jahr auch die Familie Krieger vom Riedenburger Brauhaus sowie Christiane Geiger und Dieter Michler von der Bioland-Wanderschäferei Michler ausgezeichnet.