Regionales Interview – Hans Peter Maier
Der Rinderhalter aus dem Allgäu wurde bei der Wintertagung 2026 in den geschäftsführenden Vorstand des Landesverbandes Baden-Württemberg gewählt. Im Interview erzählt er, wie er zu Bioland kam und was ihn antreibt.

Hans Peter Maier aus Leutkirch in seinem offenen Laufstall mit freiem Zugang zur Weide für alle Altersgruppen (Foto: Biohof Maier)
"Kein Bio-Kalb verlässt das Dorf"
Du bist seit über 15 Jahren bei Bioland, warum hast du dich damals entschieden, Mitglied zu werden?
Die Landwirtschaft allgemein steckte 2008 in der Krise und die Stimmung war richtig schlecht. Das hat mich damals extrem demotiviert und ich wollte so nicht bis zu Rente weitermachen. Mein Vater hatte Jahre zuvor schonmal mit dem Ökolandbau geliebäugelt, weshalb ich dann angefangen habe, Bioland-Umstellungsseminare zu besuchen. Dort habe ich gleich Anschluss an die Gruppe gefunden und bin jedes Mal beflügelt und mit neuer Energie heimgekommen. Zum 01.01.2010 habe ich dann den Cut gezogen und mich dabei für die 24-Monatsumstellung entschieden. Das war rückblickend das Beste, was ich machen konnte!
Wie bist du zum Landesvorstand gekommen und was hat dich motiviert, dich auch auf dieser Ebene einzubringen?
Ich war schon ab 2013 Gruppensprecher – gleich von Anfang an immer erfolgreich im Team mit Alexander Schwenk – wurde dann 2019 zum Delegierten gewählt und bin 2020 in den erweiterten Vorstand und jetzt in den Landesvorstand vorgerückt. Für mich ist es eine persönliche Herausforderung, weil ich was bewegen will. Gemeinsam mit anderen an was zu arbeiten und was zu schaffen motiviert mich ungemein. Besonders schätze ich dabei die unterschiedlichen Leute, die man im Verband trifft. Aus allen Sparten sind ganz verschiedene Charaktere vertreten, vom Schweinezüchter bis zur Gemüsebäuerin, alle mit ihren individuellen Ansichten und Perspektiven. Ich fahre von jedem Treffen und jeder Sitzung mit einem guten Gefühl nach Hause, weil wir wieder etwas weitergebracht haben.
Worin siehst du aktuell die größten Herausforderungen für Bio-Betriebe?
Der Ökolandbau muss praktikabel bleiben. Das aktuellste Beispiel ist die Weideverordnung. Ich bin starker Befürwortung der Weide und will, dass meine Tiere draußen sind. Aber zu starke Regulation, zu viel Dokumentation, zu viel Bürokratie machen einem das Leben unnötig schwer. Als Landwirt weiß ich am besten was gut für meine Tiere ist, das kann man nicht allgemein und für jeden Betrieb bis ins kleinste Detail in Verordnungen gießen.
Was würdest du dir von Politik und Gesellschaft wünschen?
Ein größeres Bewusstsein dafür, was der Ökolandbau leistet. Ich bin absoluter Verfechter von bezahlbaren Bio-Produkten. Meine Zielgruppe sind nicht nur die Besserverdiener, aber ich möchte auch dass die Erzeuger dabei ein gutes Auskommen finden. Die Deutschen geben nur 10 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus und am Urlaub wird als letztes gespart. Wenn man die wahren Kosten für Klima und Umwelt anschaut, dann kommen uns nicht nachhaltig erzeugte Produkte aber am Ende wesentlich teurer zu stehen. Die Gesellschaft muss insgesamt ökologischer denken und verstehen, dass die Bio-Landwirtschaft für sie in Vorleistung geht. Es darf nicht nur der Preis ausschlaggebend sein und es muss für beide Seiten fair bleiben.
Warum ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um in die Bio-Erzeugung einzusteigen?
Vor 20 Jahren wäre der Zeitpunkt noch besser gewesen (lacht). Aber wenn man sich die Klimaveränderungen anschaut, die ganzen Krisen und Kriege auf der Welt, dann wird einem relativ schnell klar, dass Ökolandbau ein Teil der Lösung sein kann. Die Landwirtschaft muss die Welt ernähren, das geht nicht mit Streichelzoos, aber Kapitalinteressen von Agrochemie-Konzernen dürfen dabei nicht im Vordergrund stehen. Wenn der Boden in den Händen der Bauern bleibt, wenn sie Verantwortung übernehmen und in möglichst geschlossenen Kreisläufen wirtschaften, dann entsteht Unabhängigkeit. Wir müssen jetzt so schnell wie möglich so viel wie möglich umstellen.
Was gibt dir Zuversicht?
Dass doch ein gewisser Wandel in der Gesellschaft stattfindet. Mal stärker, mal schwächer, aber er ist immer da. Auch unsere Abnehmer werden immer mehr, ohne dass wir groß Werbung machen würden. Bewusstsein und Nachfrage steigen eigentlich seit Anfang an. Dass es kontinuierlich in die richtige Richtung geht, das macht mir Hoffnung.
Zum Abschluss erzähl uns in einem Satz: Ein echter Bioländer/eine echte Bioländerin hat schon mal...
... Zweifel am eigenen Tun gehabt, die aber immer wieder sehr schnell verfliegen.
Betriebsinfo
Hans Peter Maier bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau Claudia und Sohn Johann 120 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Neben 70 Milchkühen und 30 in der Nachzucht versorgt die Familie 120 Mastbullen und -färsen. Dabei bekommen sie Unterstützung von einer Auszubildenden und nehmen regelmäßig Praktikant*innen auf. Alle Futtermittel (außer Mineralfutter) werden auf den eigenen Flächen erzeugt, eine Photovoltaik-Anlage macht den Hof auch energetisch nahezu autark. Eine Besonderheit ist die Aufzucht von Bruderkälbern aus dem eigenen und von benachbarten Milchviehbetrieben. Sie werden von Ammenkühen aufgezogen und zum Teil über die lokale Gastronomie vermarktet.