Frauen bewegen Bio: Frauenempfang auf der Bioland-Woche

Aus dem VerbandBayernBayern 16.03.26

Spricht man über Innovationen im Ökolandbau, spielen Frauen eine wichtige Rolle. Beim Eröffnungsempfang zum UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft auf der Bioland-Woche wurde deutlich, wie prägend ihr Beitrag für Höfe, Betriebe und die Bio-Branche ist.

Frauen bewegen Bio: Der Eröffnungsempfang der diesjährigen Bioland-Woche war ganz dem Internationalen Jahr der Landwirtin 2026 gewidmet. Foto: shagl

Moderatorin Teresa Lukaschik von der LVÖ Bayern stellte gleich zu Beginn die zentrale Frage: Wohin kann dieser Auftakt den Verband führen? Die Antworten waren so vielfältig wie die Lebenswege der Frauen auf der Bühne. Ihre Geschichten zeigten Leidenschaft, Mut, Unternehmergeist – aber auch die Herausforderungen, denen sich Landwirtinnen täglich stellen.

Agnes Edenhofer

ist Bioland-Bäuerin, Kommunalpolitikerin, aktive im ehrenamtlichen Landesvorstand von Bioland und Trägerin der Bayerischen Staatsmedaille,. weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig Gestaltungswille ist. Schon als Kind wollte sie Bäuerin werden, heute führt sie mit ihrer Familie einen gewachsenen Bio-Betrieb mit Hofladen. „Wenn wir die Betriebe weiterentwickeln wollen, brauchen wir die Innovationskraft, den Schwung und die Kommunikationsfähigkeit der Frauen“, sagt sie.

Agnes Edenhofer; Foto: shagl

Franziska Wagner

Ähnlich entschlossen ging Franziska Wagner aus Oberthürheim ihren Weg. Ihre Leidenschaft sind Kühe – und die brachte sie kurzerhand mit in die Ehe. „Ich habe gesagt: Ich komme, aber wir brauchen Kühe.“ Heute führt sie mit ihrem Mann als gleichberechtigte Betriebsleiterin den Hof. Die 50 Milchkühe und die Direktvermarktung liegen in ihrer Verantwortung. Dass sie ihre Arbeit auf Social Media zeigt, hat einen Grund: „Wir müssen sichtbar machen, wie viele tolle Frauen es in der Landwirtschaft gibt.“

Franziska Wagner; Foto: Elias Treugut

Barbara Birk

... aus dem Allgäu fand ihre Leidenschaft eher außerhalb des Stalls. Gemeinsam mit ihrem Mann entwickelte sie einen Arche Hof mit Bildungsangeboten, Hofführungen, Hofcafé und Öffentlichkeitsarbeit. „Wenn jeder ein bisschen nachgibt, kommt man gemeinsam weiter“, sagt Barbara Birk über das Zusammenspiel von Familie, Betrieb und persönlicher Vision.

Barbara Birk; Foto: Elias Treugut

Barbara Scheitz

Dass Frauen häufig diejenigen sind, die neue Impulse setzen, bestätigt auch Barbara Scheitz, Geschäftsführerin der Andechser Molkerei Scheitz. Auf Umstellerveranstaltungen höre sie immer wieder, dass die Frau über den Bio-Weg entscheide. „Das hat viel mit Authentizität, Überzeugung und Liebe zum Ökolandbau zu tun“, sagt sie.

Barbara Scheitz; Foto: Elias Treugut

Steffi Riegg

vom Gradhof in Oberbayern stellte 2021 gemeinsam mit ihrem Mann den Betrieb auf Bio um. Im Landwirtschaftsstudium fühlte sie sich zunächst fremd. Erst durch den Kontakt zum Ökolandbau entwickelte sie eine echte Begeisterung für den Beruf. Heute arbeitet sie daran, den ehemaligen Zuckerrübenbetrieb Schritt für Schritt ökologisch weiterzuentwickeln – und spricht offen darüber, wie schwierig es sein kann, Landwirtschaft, Familie und wirtschaftliche Realität miteinander zu vereinbaren.

Steffi Riegg; Foto: Elias Treugut

Sabine Friedl

Aus ungewöhnlichen Ideen entstehen neue Betriebszweige: Sabine Friedl baute im Stadl eine erfolgreiche Gastronomie auf. Aus „verrissenem“ Emmentaler wurden Käsespätzle, so fing es an – heute ist die Küche zentraler Bestandteil des Hofes. Sabine wurde mit „Friedls Stadlleben“ zur Unternehmerin. Sie kauft ihrem Mann regelmäßig Kälber ab und verkocht sie from nose to tail. „Ohne Partner funktioniert Landwirtschaft nicht“, sagt sie. Sabine und ihr Mann führen ihre Betriebe bewusst auf Augenhöhe.

Sabine Friedl; Foto: shagl

Doch die Geschichten zeigen auch die Schattenseiten. Mehrfachbelastung, wirtschaftlicher Druck und gesellschaftliche Erwartungen können an Grenzen führen. Eine junge Bäuerin spricht offen über ihre Depression – ein Thema, das in der Landwirtschaft noch immer tabuisiert wird. „Mir hilft, darüber zu sprechen“, sagt sie. Auch andere Frauen berichten von Burnout oder existenziellen Krisen.

Tanja Zeller

aus Ipsheim in Mittelfranken zeigt, wie viel Kraft notwendig ist. „Augen zu und durch“, beschreibt sie ihre Anfangszeit, die von wirtschaftlichen und persönlichen Herausforderungen geprägt war. Entscheidend sind für sie die Leidenschaft für den Ökolandbau, Durchhaltevermögen und ihr Partner, der Halt gibt. Heute öffnet sie den Betrieb für Besucher und engagiert sich in der Ausbildung junger Menschen – 2024 wurde ihr Betrieb mit dem Staatsehrenpreis für vorbildliche Ausbildung ausgezeichnet.

Tanja Zeller; Foto: Elias Treugut

Lucia Gruber

Wie wichtig Austausch und Netzwerke sind, betonte Lucia Gruber. Sie führt gemeinsam mit ihrer Schwester einen Hof in Niederbayern, den beide 2021 von ihrem Vater übernommen und neu ausgerichtet haben. Neben Landwirtschaft gibt es dort Veranstaltungen, Workshops und sogar Hochzeiten. Besonders wichtig ist ihr die Begegnung mit Frauen. „Viele Herausforderungen sind ähnlich – auch wenn jeder Betrieb ganz individuell ist“. Gerade deshalb sei der Austausch so wertvoll.

Lucia Gruber; Foto: Elias Treugut

Johanna Zierl

Die Lebenswege sind vielfältig. Allen gemeinsam ist der Wille, den Ökolandbau aktiv zu gestalten. Johanna Zierl vom Jungen Bioland brachte auf den Punkt, was es dafür braucht - inspirierende Vorbilder, Menschen, die hinter einem stehen, und Netzwerke, die tragen, wenn es schwierig wird. „Wir brauchen starke Frauen – und Männer, die ihnen zuhören.“ 

Johanna Zierl; Foto: Elias Treugut

Unser Podcast dazu: MIKRO & MISTGABEL – Folge 5
Sarah Weiß hat mit den Frauen auf der Bioland-Woche gesprochen. Es geht um Selbstverständnis, Stolpersteine und Mutmacher. Und darüber, was es braucht, damit Anerkennung, Verantwortung und endlich zusammenkommen.
Jetzt reinhören!
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