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Zahlen im Lebensmittelhandwerk alarmieren

Markt & Management29.04.26

BNN und AöL begrüßen Studie zum Strukturwandel: Seit 2002 ist die Zahl der Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung um 44 Prozent gesunken. Das Thema verlangt Aufmerksamkeit und Maßnahmen.

Schwindet das Lebensmittelhandwerk, ist regionale Wertschöpfung bedroht. (Foto: Sonja Herpich)

Eine Studie der Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswirtschaft an der Universität Freiburg zum Strukturwandel in der deutschen Lebensmittelverarbeitung zeigte: In handwerklich geprägten Branchen wie Bäckereien, Mühlen und Fleischerei verschwanden sogar um bis zu 60 Prozent der Unternehmen. Für den Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e. V. und die Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller (AöL) ist sie ein wichtiges Signal dafür, dass politische Maßnahmen zum Erhalt kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) notwendig sind.

Die Studie wurde zwischen 2023 und 2026 erarbeitet. Sie zeigt das volle Ausmaß des Strukturwandels: Während große Industrieunternehmen Marktanteile, Macht und Kapital auf sich konzentrieren, verschwinden KMU und Handwerksbetriebe dauerhaft aus dem Sektor. Mit ihnen gehen regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze und handwerkliche Kompetenz verloren, was weitreichende Folgen für Versorgungssicherheit und Resilienz, insbesondere im ländlichen Raum, mit sich trägt. „Die Politik behandelt Lebensmittelmärkte noch immer wie gewöhnliche Märkte und überlässt sie entsprechend den Kräften des Marktes. Die Krisen der vergangenen Jahre haben jedoch deutlich gemacht: Sie sind Teil unserer kritischen Infrastruktur und damit zentral für die Versorgungssicherheit. Ein Ernährungssystem, das vom Anbau über die Verarbeitung bis zum Handel vor allem strukturelle Größe belohnt und von wenigen Akteuren dominiert wird, ist nicht resilient. Wer Versorgungssicherheit ernst nimmt, muss Vielfalt im Markt sichern. Das gelingt nur durch den gezielten Wiederaufbau und die konsequente Förderung regionaler Wertschöpfungsketten“, so Kathrin Jäckel, Geschäftsführerin des BNN. „Mit jedem verschwundenen Handwerksbetrieb verlieren wir regionale Ernährungssicherheit und handwerkliches Know-how, während Märkte versagen und Handlungsalternativen schwinden. Wir brauchen politische Leitplanken, die faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und KMU strukturell stärken“, so Matthias Beuger, Geschäftsleiter nationale Netzwerke bei der AöL.

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