Wurmmittel stört Ökologie
Werden Schafe, Ziegen oder Rinder mit dem Wirkstoff Moxidectin behandelt, stört das nicht nur Insektenlarven, sondern auch Grünlandsamen.

Mit dem Kot von Weidetieren gelangen auch Wirkstoffe von Wurmmitteln in die Umwelt und wirken dort. (Foto: Niklas Wawrzyniak)
Das ganze ökologische Zusammenspiel auf Grünland leidet, wenn der Wirkstoff des Antiparasitikums Cydectin über den Kot der Weidetiere auf die Fläche gelangt. Das haben Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Universität Trier nachgewiesen. Sie haben dazu eine Nahrungskette aus drei Arten in geschlossenen Käfigen kombiniert und beobachtet: die Kultur-Erdbeere, die Grüne Pfirsichblattlaus und die Hainschwebfliege. Alle drei Arten reagierten auf das Wurmmittel.
Den Wirkstoff Moxidectin im Präparat Cydectin verwenden Landwirt:innen häufig gegen Parasiten bei Weidetieren. Bislang war bereits bekannt, dass Wurmmittel einzelne Arten beeinflussen können: Samen von typischen Grünlandpflanzen verändern zum Beispiel ihr Keimungsverhalten, wenn sie mit Wurmmitteln in Kontakt kommen. Käfer- und Fliegenlarven, die im Kot behandelter Weidetiere leben, zeigen geringere Überlebensraten.
Im Versuch bildeten die Erdbeerpflanzen unter Wurmmitteleinfluss rund ein Viertel weniger Früchte und die Blattläuse vermehrten sich zehnmal stärker – allerdings nur, wenn keine Schwebfliegenlarven anwesend waren. Eine mögliche Erklärung: Das Wurmmittel schwächt die Abwehrkräfte der Pflanze gegen die Blattläuse. Auch die Schwebfliegen reagierten: Weibchen, die Blüten wurmmittelbehandelter Pflanzen besuchten, legten viermal mehr Eier. Diese Eier waren jedoch ungleichmäßiger in der Größe und wirkten optisch weniger vital. Unter dem Strich könnte das den Fortpflanzungserfolg der Schwebfliegen verringern.
„Wir waren überrascht, wie weitreichend ein einzelnes Präparat das Zusammenspiel zwischen Pflanze und Insekt verändern kann", sagt Dr. Andrés García von der CAU Kiel. „Das zeigt, dass wir bei der Bewertung von Tierarzneimitteln nicht nur einzelne Arten, sondern ganze ökologische Beziehungen im Blick behalten müssen."