Wenig Kupfer zur Kupfertagung
Die Kupfertagung zeigte neue Ansätze, um Kupfer im Ökolandbau zu minimieren. Auf der Tagung stand jedoch die Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade im Fokus, da sie vermehrt für Schäden sorgt.

Eine Schwarzbrache entzieht den Nymphen der Schilf-Glasflügelzikade die Nahrung und reduziert die Population. (Foto: Johannes Ritz)
Bisher gibt es keine wirksame Einzelmaßnahme gegen die Schilf-Glasflügelzikade. Nur ein Bündel verschiedener Maßnahmen hilft. In dieser Aussage waren sich alle Expertinnen und Experten einig, die auf der jährlichen Kupfertagung Mitte November in Berlin referierten. Neue Schädlinge wie die Schilf-Glasflügelzikade sorgen in vielen Regionen Deutschlands für erhebliche Schäden an Zuckerrüben, Kartoffeln und wichtigen Gemüsearten wie Zwiebeln, Möhren und Rote Bete. Einen Überblick zur Problematik neuer Schadinsekten gab Dr. Inga Jakobs vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Sie verwies auf die eingeschränkten Bekämpfungsmöglichkeiten durch synthetische Insektizide im Ökolandbau. „Umso mehr kommt es deshalb auf vorbeugende Maßnahmen an, auf ein gutes Monitoring und auf die Sortenwahl“, betonte Jakobs. Für die Schilf-Glasflügelzikade hat das Julius Kühn-Institut (JKI) schon voriges Jahr ein flächendeckendes Monitoring in Gemüse, Kartoffeln und Zuckerrüben eingerichtet. Praxis, Politik und Forschung müssten sich intensiv abstimmen, ebenso EU-Institutionen. Das sei elementar, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden. Dr. Julia Wießner vom Verband süddeutscher Zuckerrübenanbauer verdeutlichte das große Schadpotenzial der Schilf-Glasflügelzikade. Die Zikadenart überträgt zwei Arten von Schadbakterien (Phytoplasmen). Kommt es zu einer Massenvermehrung fällt der Zuckerertrag in Rüben, bis hin zum Totalausfall. „Das Jahr 2023 war für die südhessischen Betriebe wie ein Tsunami“, sagte Wießner.
Im Bio-Kartoffelanbau bestätigte Bioland-Berater Christian Landzettel eine Ausbreitung von Stolbur durch Bakterienübertragung der Schilf-Glasflügelzikade. Ein Problem sei, dass die Bestände zum Teil bis in den Juli hinein gut aussehen und dann innerhalb von vier Wochen zusammenbrechen. Neben verdrehten und schnell absterbenden Blättern erkenne man Stolbur an der Ausbildung vieler kleiner Luftknollen in den unteren Blattachseln und an bräunlich gefärbten Gefäßbündeln bei den Erntekartoffeln. Als wichtigste Maßnahme empfahl Landzettel eine Schwarzbrache über Winter nach einer späten Sommerung, auch wenn das für den Boden nicht optimal sei. Zudem könne eine möglichst frühe Pflanzung mit vorgekeimten Kartoffeln helfen, bei stärkerem Befall einen Teil der Ernte zu retten. „Es wirkt sehr gut, wenn man die Bestände bewässert und einnetzt. Allerdings sind Netze sehr teuer und deshalb nur für frühe Ware sinnvoll“, empfahl der Berater.
Der BÖLW und das JKI haben die Tagung initiiert und sie wurde vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) gefördert. Einen ausführlichen Bericht über die Kupfertagung können Sie in der Ausgabe 2/2026 des bioland-Fachmagazins lesen.
Text: Jürgen Beckhoff, Journalist