Vielfalt gegen Klimawandel
Artenarmes Grasland nimmt weniger Kohlendioxid auf und ist weniger resilient gegenüber wechselndem Extremwetter.

Viele Arten Gräser, Kräuter und Leguminosen stabilisieren Graslandschaften und verbessern die Klimabilanz. (Foto: Landpixel)
Ein Verlust der Pflanzenvielfalt im Grasland hat gravierende Folgen: Er konnte dazu führen, dass Wiesen und Weiden weltweit gegen Mitte dieses Jahrhunderts rund 15 Prozent weniger CO2 durch Photosynthese aufnehmen als bei erhaltener Vielfalt. In besonders betroffenen Regionen könnte der Unterschied bis zu 50 Prozent betragen. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).
Durch den Klimawandel könnten Pflanzen, die heute eine Weide oder Wiese prägen, an Produktivität verlieren. Bleibt die Vielfalt erhalten, könnten andere trockenresistente Pflanzen Bedeutung gewinnen, erklärt Stephen Wirth, PIK-Forscher und Erstautor der Studie. Er weist zugleich auf die Bedeutung dieser Landschaften für die Tierhaltung hin und ergänzt: „Es geht um mehr als eine geringere Photosyntheseleistung: Der Verlust von Pflanzenvielfalt schwächt auch die Futtergrundlage für Weidetiere, was auch die Lebensgrundlage der Menschen gefährden kann, die von der Weidewirtschaft leben. Zugleich speichern Boden weniger Kohlenstoff und tragen so weniger zum Klimaschutz bei.“
Mit einem Computermodell verglichen die Forschenden, wie sich Grasland mit unterschiedlicher Pflanzenvielfalt entwickelt. Das Ergebnis: Bei einer Erwärmung von unter zwei Grad nimmt Grasland mit stark reduzierter Vielfalt bis 2050 weltweit rund 11 Milliarden Tonnen weniger CO2 pro Jahr durch Photosynthese auf als bei erhaltener Vielfalt. Auch die Böden speichern dem Modell zufolge dann weniger Kohlenstoff. Besonders in vielen tropischen und subtropischen Regionen könnte artenarmes Grasland bis zur Hälfte weniger CO2 bis 2050 aufnehmen. „Um die Produktivität von Grasland im Klimawandel zu erhalten, brauchen wir eine Bewirtschaftung, die bestehende Vielfalt langfristig bewahrt und Überweidung vermeidet“, sagt Friedhelm Taube, CAU-Forscher und Ko-Autor der Studie.