Verwertung statt Entsorgung
Aus Nebenströmen der Agrar- und Lebensmittelindustrie sollen neue Rohstoffe entstehen. Eine digitale Plattform vernetzt dafür Betriebe und Verarbeiter.

Aus Brauereitreber und Hefe lassen sich Mykoproteine herstellen. (Foto: Eat Beer biotech GmbH)
Aus Prozesswasser, Brauereitreber und Hefe sollen neue Rohstoffe entstehen. Wie das in der Praxis funktionieren kann, erprobt das im Juli gestartete Projekt AgriFoodLoop an konkreten Stoffströmen aus der Landwirtschaft. Nährstoffreiches Prozesswasser aus der Frucht- und Gemüseverarbeitung kann man verwenden, um Algen zu züchten.
In der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft fallen täglich große Mengen an Prozesswasser, Fasern und organischen Reststoffen an. Viele Betriebe entsorgen sie bislang kostenpflichtig, obwohl sich die Nebenströme teilweise weiterverwerten lassen und ein hohes ökologisches und wirtschaftliches Potenzial besitzen. Zugleich steigen die Anforderungen daran, Herkunft und Verwendung von Rohstoffen zu dokumentieren. Dazu tragen die EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft und der Digitale Produktpass bei, den die EU schrittweise für verschiedene Produktgruppen einführt.
AgriFoodLoop entwickelt deshalb in den nächsten drei Jahren eine digitale Plattform, die reale Stoffströme abbildet. Sie zeigt Betrieben, welche Verwertungswege für ihre Nebenströme infrage kommen. KI-Modelle sollen Mengen prognostizieren und verschiedene Möglichkeiten bewerten. So erhalten Betriebe eine Grundlage für Entscheidungen. Zudem will die Plattform Erzeuger von Nebenströmen mit spezialisierten Akteuren für deren Verwertung von Nebenströmen zusammenbringen. Die Projektpartner wollen die Plattform frei zugänglich entwickeln und das Datenmodell mit dem Digitalen Produktpass kompatibel gestalten.
Fünf Partner aus Forschung und Wirtschaft arbeiten drei Jahre lang an dem Projekt. Dazu gehören die Bonn Consulting Group, das Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik sowie Unternehmen Lebensmittelwirtschaft und Biotechnologie. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Projekt.