Töne genügen als Weidezaun
Rinder reagieren auf virtuelle Zäune ähnlich wie auf gespannte Litzen. Die Weidetierhaltung könnte dadurch flexibler werden.

Rinder zeigten auf dem versuchsgut der Universität Göttingen, dass sie das Konzept virtueller Zäune schnell erlernen. (Foto: Natascha A. Grinnell)
In einer Weidehaltung mit virtuellen Zäunen tragen die Rinder Halsbänder, die beim Annähern an die Grenze akustische und bei Bedarf auch elektrische Impulse abgeben. Die Grenzen können Landwirt:innen am Computer setzen und verschieben. Solche Zäune sind bislang in Deutschland nicht für die Praxis zugelassen. Doch in eine Studie der Universität Göttingen zeigte sich, dass die Tiere die Signale verstehen lernen und die Grenzen respektieren. Im Verlauf des Lernprozesses verknüpfen sie den Warnton mit dem aversiven Reiz und respektierten die virtuell gesetzte Grenze anschließend meist schon beim akustischen Signal. Die virtuellen Zäune dienen dazu, Teilflächen innerhalb eines größeren umzäunten Areals abzugrenzen.
In einem neuen Versuch haben Wissenschaftler:innen die Bewegungsmuster von 31 Färsen per GPS beobachtet, um zu erkennen, ob die Tiere bestimmte Zonen auf einer freigegebenen Fläche bevorzugen. Doch zeigte sich, dass auch ein virtueller Zaun ihr Bedürfnis nicht verändert, Abstand zu halten vom Zaun. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht der Zauntyp entscheidend ist, sondern die Wahrnehmung der Weidegrenze durch die Tiere“, sagt Erstautorin Dr. Natascha A. Grinnell von der Abteilung Graslandwissenschaft der Universität Göttingen. „Virtuelle Zäune werden von Rindern ähnlich zuverlässig respektiert wie herkömmliche Elektrozäune und sind aus Tierschutzsicht nicht grundsätzlich problematischer. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten für ein modernes und flexibles Weidemanagement.“ Die Tiere hielten sich unabhängig vom System seltener in den Randbereichen auf, bewegten sich dort langsamer und nutzten vor allem die Weidemitte. Virtuelle Zäune führten zudem zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Tiere auf der Fläche.