Tierzüchter gegen Patente
Klare Regeln für Gentechnik in der Tierzucht fordert das Positionspapier, auf das sich deutsche Tierzuchtverbände geeinigt haben.

Gentechnisch veränderte Kühe wollen viele deutsche Milchviehhalter nicht in ihren Ställen haben. Klare Kennzeichnung soll das sicherstellen. (Foto: Sonja Herpich)
Die Neuen Gentechniken (NGT) treiben auch die Tierzuchtverbände um. Dem Bundesverband Rind und Schwein (BRS) ist es gelungen, ein gemeinsames Positionspapier mit 15 Zuchtverbänden zu erstellen. Im Zentrum steht, die Wahlfreiheit der praktischen Nutztierzucht zu erhalten, Rechtssicherheit zu schaffen und Patente auf Tiergenetik zu verhindern. Der Spagat ist weit, denn selbstverständlich wollen viele Tierhalter:innen und -züchter nicht vom weltweiten Zuchtfortschritt abgekoppelt werden, weil der internationale Wettbewerbsdruck wächst. Die Tierzuchtverbände haben die Potenziale neuer Züchtungsmethoden differenziert betrachtet.
Der stellvertretende Geschäftsführer des BRS, Stephan Schneider, betonte gegenüber topagrar, dass dem BRS zugleich die Wahlfreiheit bei der Anwendung von NGT wichtig sei. Es gehe auch darum, jene Nutztierhalter und Zuchtverbände zu schützen, für die neue Züchtungsmethoden auch in Zukunft keine Option darstellen.
Ökologische Tierzucht engagiert sich
Dr. Carsten Scheper von der Ökologischen Tierzucht (ÖTZ) hat für den Ökolandbau am Positionspapier mitgearbeitet. Er betonte gegenüber topagrar: „Die Verbandsrichtlinien und die EU-Öko-Verordnung sind und bleiben hier klar und eindeutig. Uns waren vor allem die grundlegenden Säulen der Wahlfreiheit und Kennzeichnung als Eckpfeiler der Positionierung wichtig, da sie nachhaltige Koexistenz und Transparenz für die ökologischen Züchter in den Herdbüchern sichern“, betonte er.
Besteht Rechtssicherheit für jene, die NGT nicht nutzen wollen, spricht sich der BRS für eine verantwortungsvolle Zulassung von NGT in der europäischen Tierzüchtung aus. Die Positionierung folgt der aktuellen wissenschaftlichen Bewertung, die sich für eine Gleichstellung von NGT1-Verfahren mit konventionellen Zuchtmethoden ausspricht. NGT-Nutztiere aus Drittländern sollten erst in einem marktreifen Stadium in Europa zulässig sein. Der BRS fordert aber auch klare Zulassungs- und Kennzeichnungsregeln. In der Forschung und Förderpolitik sei Aufholbedarf zu erkennen, verstärkte Förderung sei notwendig. Zugleich dürfe es keine Patente auf Nutztiere geben.
Die Forderungen des Bundesverband Rind und Schwein im Überblick:
Wahlfreiheit bei der Anwendung von NGTs auf Grundlage einer risikobasierten, differenzierten Regulierung
Harmonisierung zur Gleichstellung bestimmter NGT-Verfahren mit konventionellen Zuchtmethoden
Zulassung von Nutztieren aus Drittländern erst nach marktreifen europäischen Entwicklungen
Transparente Kennzeichnungs- und Dokumentationssysteme
Stärkung von Forschung und Praxistransfer
Politische Unterstützung für Innovationen und Verbraucherinformation
Keine Patente auf Nutztiere