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Planen für die Weidesaison

Tierhaltung27.03.25

Grünfutter von der Weide ist kostengünstig und kann sehr hochwertig sein. Verlustarme Kurzrasenweide erfordert Management.

Der frühe Weideaustrieb hilft den Kühen bei der Futterumstellung und pflegt das Grünland, indem junge Unkräuter noch abgefressen werden. (Foto: Anne Verhoeven)

Milchviehbetriebe, die über stallnahe, arrondierte Grünlandflächen verfügen, sollten ihr Weidemanagement im Vorfeld überdenken und gezielt planen. Darauf weist Anne Verhoeven vom Versuchs- Und Bildungszentrum der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Haus Riswick, hin. Sie empfiehlt, mit der Planung darauf abzuzielen, den Tieren möglichst über den gesamten Weideverlauf immer jungen, hochverdaulichen Weideaufwuchs zu bieten, den die Kühe in Milchleistung umsetzen. Dafür sollten Tierhalter:innen den Weideaufwuchs messen und Flächenbedarf und Besatzdichte entsprechend anpassen. Wird die Weidemenge konsequent zugeteilt mit durchschnittlichen Wuchshöhen von 5 bis 6 cm, lassen sich die Weideverluste geringhalten.

Bei der Kurzrasenweide handelt es sich um stets junge, qualitativ hochwertige, energiereiche und hochverdauliche Aufwüchse. Ergebnisse der Weideversuche im Ökobetrieb Haus Riswick belegen: Durchschnittliche Weidefutterqualitäten von über 6,5 MJ NEL während der Weidesaison, bei der Frühjahrsweide sogar über 7 MJ NEL/ kg TM Weidefutter sind erreichbar! Daraus ergeben sich tägliche tierindividuelle Milchleistungen von 23 bis 25 kg ECM aus Weidegras während der gesamten Weideperiode und sogar nahezu 28 kg ECM aus der Frühjahrsweide. 

Weide und Zufütterung kombinieren
Bei wärmerer Witterung im April verläuft das Graswachstum explosionsartig und die Futterqualität des Frühjahrsaufwuchses ist nahezu unübertrefflich. Unter optimalen Wachstumsbedingungen kann in diesem Zeitraum je nach Standort und Höhenlage mit 50 bis 95 kg Weidetrockenmassezuwachs je ha und Tag kalkuliert werden. Im Laufe der Vegetation nimmt der Ertrag kontinuierlich ab, nicht aber die Futterqualität bei jungem Aufwuchs, betont Verhoeven. Die Qualität des Weidefutters sinkt erheblich mit zunehmendem Alter des Aufwuchses. Es gilt also, Futterangebot und Beweidung/Weideaufnahme in Einklang zu bringen. Je nach Weidefutterangebot müssen Weideanteil oder auch Tierbesatzdichte zu- oder abnehmen. „Eine maximale Weidefutterausnutzung ist Voraussetzung für hohe Milchleistung aus Weide. Das ist die Basis für eine wirtschaftliche Milchproduktion“, betont Verhoeven. 

Bei Hitze und Trockenheit sowie auch im Herbst wächst die Grasnarbe nur eingeschränkt nach. Dann sollte den Tieren möglichst mehr Fläche angeboten werden. Ist die verfügbare Weidefläche begrenzt, muss in solchen Phasen im Stall zugefüttert werden. In Hitzeperioden empfiehlt es sich, die Tiere nur über Nacht weiden zu lassen. Bleiben die Tiere auch im Hochsommer auf der Weide, sind Schattenspender wie Bäume oder Hecken notwendig. 

Die Beraterin empfiehlt, Kühe während der Weideperiode möglichst nicht zu sehr an die Stallfütterung zu gewöhnen. „Die ruhig weidende Vollweide-Kuh verursacht weniger Schäden als die satte, wartende, herumeilende Kuh, die bereits die nächste Futtermahlzeit im Stall erwartet“, hat sie beobachtet. Kühe sollen möglichst hungrig auf die Weide gehen.

Zur Zufütterung im Sommer eignen sich Kleegras- oder Grassilagen im Wickelballen. Denn Fahrsilos brauchen insbesondere im Sommer einen ausreichenden Vorschub, damit die Silage nicht verdirbt. Das lässt sich mit möglichst intensiver Weidenutzungs schwer kombinieren.

Unter feuchten Bedingungen besteht die Gefahr, dass die Tiere Tritt- und Narbenschäden verursachen, die der Verunkrautung den Weg ebnen. Zudem kann das Weidefutter verschmutzt sein, die Tiere fressen dann weniger und die Futterverluste steigen.

Schnitt- und Weide im Wechsel
Wer seine Weiden intensiv nutzt, dem empfiehlt Verhoeven, möglichst einen Wechsel von Schnitt- und Weideflächen zu planen. Dabei geht es vor allem um die Nährstoffsicherung. 
Bei ausgedehnter Weideführung ist auf den Flächen hinsichtlich der Grundnährstoffe (P2O5-, K2O-, Mg-Gehalt) keine Mangelsituationen zu erkennen. Bei der intensiven Weidewirtschaft mit minimaler Zufütterung im Stall bringen die Tiere die aufgenommenen Nährstoffe weitestgehend auf die Flächen zurück. Den tatsächlichen Nettoentzug über die Milch überlagert die natürliche Variation im Boden. 

Schnittphasen senken den N-min-Gehalt
Anders sieht es aus bei den N-min-Gehalten im Boden, betont Verhoeven. Im Ökobetrieb Haus Riswick liegen diese im Mittel der Weideversuche mit 48 kg N-min-Stickstoff in der Tiefe von 0 bis 90 cm Tiefe in einem noch tolerablen Bereich. In Jahren der Mähweidenutzung mit gewissen Schnittanteilen (Weide + Schnitt) lagen die N-min-Werte mit 30 bis 35 kg N-min-N/ha erheblich niedriger als bei ausschließlicher Beweidung. Anders als bei den Grundnährstoffen ist ein gewisser N-Input in die Weidefläche durch die Stickstofffixierleistung des Weißklees zusätzlich vorhanden. Nicht zuletzt aus diesem Grunde ist es sinnvoll, mit den Schnittflächen über die gesamte Weidefläche zu rotieren, um die N-Bilanz der Fläche im Gleichgewicht zu halten. 

Im Herbst schließlich sollten Flächen, die gerade erst beweidet wurden, nicht auch noch eine Gülledüngung erfahren, sagt die Expertin der Landwirtschaftskammer. Denn die N-min-Gehalten im Herbst benötigen besondere Beachtung. Sollen Kühe im Herbst bei starkem Wachstum weiden, ist eine hohe Besatzdichte notwendig. In der Folge gelangt dadurch relativ spät im Jahr eine stärkere Stickstoffrücklieferung durch Kot und Harn auf die Fläche. Diese Herbstbeweidung wirkt ähnlich wie eine Güllegabe. Daher rät Verhoeven von einer Gülledüngung auf solchen Flächen ab.