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Nachfrage zieht Umsteller an

Tierhaltung23.01.26

Individuelle Beratung ist nötig, wenn Schweinehalter:innen auf Bio umstellen. Nachfrage aus Wertschöpfungsketten überzeugt, zeigt die Rebio.

Einen Auslauf an vorhandene Ställe anzubauen, erfordert sehr individuelle Planung. (Foto: Isabel Heinemann Baptista)

In Baden-Württemberg hat das BÖL-Projekt Wandelschwein der Rebio konventionelle Betriebe zur Umstellung ermutigt. So stehen für die gute Nachfrage insgesamt 3.000 zusätzliche Bio-Schweine zur Verfügung.

Die konventionelle Schweinehaltung steht unter Druck. Kleinere Betriebe neigen dazu, die Schweinehaltung ganz aufzugeben. Dabei bietet der Bio-Markt Wachstumspotenzial: Bio-Schweinefleisch ist gefragt und bislang leben in Deutschland nur ein Prozent der Schweine auf Bio-Betrieben.

„Aber so einen Stallumbau für zwei Millionen Euro, können die Betriebe nicht einfach wuppen“, erklärt Hendrik Alkemade von der Erzeugergemeinschaft Rebio in Rottenburg. Er hat als Wertschöpfungskettenmanager das Projekt Wandelschwein in Baden-Württemberg und Bayern betreut. Ziel war, konventionellen Schweinehalter:innen in den beiden Bundesländern eine Perspektive zu bieten, die aus wirtschaftlichen Gründen den Betriebszweig aufgeben wollten.

Das Projekt Wandelschwein, das von 2023 bis 2025 lief, konnte sieben neue Betriebe für die Bio-Schweinehaltung gewinnen, darunter ein Ferkelerzeuger und ein Betrieb mit einem geschlossenen System. „Insgesamt bringen diese Betriebe 2.800 zusätzliche Bio-Ferkel und etwa 6.000 Bio-Mastschweine an den Markt“, freut sich Alkemade. Damit konnte die Rebio in der Vermarktung dann auch kompensieren, dass andere Bio-Schweinebetriebe aus Baden-Württemberg in der Summe 3.000 Schweine weniger liefern.

 

Baden-Württemberg übernimmt Verantwortung

Weil die Umstellung in der Schweinehaltung Umbaumaßnahmen oder sogar einen Neubau erfordert, sind Betriebe auf Förderprogramme für diese Investitionen angewiesen. Diese Unterstützung konnte das Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung leisten. Weil Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer das Bundesprogramm auslaufen lässt, springt das Land Baden-Württemberg mit einem Förderprogramm ein und unterstützt Betriebe, die die notwendigen Voraussetzungen erfüllen.

Damit umstellungsinteressierte Betriebe den Schritt wagen, ist eine sehr individuelle Beratung nötig, betont Alkemade. Soll der vorhandene Stall umgebaut werden, dann müssen Betriebsleiter und Umstellungsberater tüfteln, wie sich die vorhandenen Strukturen nutzen lassen, wie sich ein passender Auslauf sinnvoll an den vorhandenen Stall angliedern lässt. Die baulichen Möglichkeiten in Verbindung mit den Anforderungen an die Bio-Schweinehaltung zwingen dazu, die Tierzahl zu reduzieren. Betriebsleiter:innen müssen prüfen, ob die Bio-Schweinehaltung unter diesen Umständen wirtschaftlich erfolgreich sein kann. „Außerdem muss jedes Umbaukonzept auch mit einer überschaubaren Arbeitszeit zu bewirtschaften sein“, hebt Alkemade hervor.

Eine gute arbeitswirtschaftliche Situation lässt sich mit einem Neubau einfacher realisieren. Hierbei stelle das Genehmigungsrecht mit Wasserschutz- und Immissionsschutzrecht die größte Hürde für die Betriebe dar.

Die Rebio ist an weiteren Bio-Schweinebetrieben interessiert, betonte auch Benjamin Weis bei einer Informationsveranstaltung für Umstellungsinteressierte. Die Erzeugergemeinschaft bietet 10-Jahresverträge mit Preisabsicherung auf Basis der Vollkosten.  

Projekt Wandelschwein erfolgreich | Bioland e.V.