Mehr Wertschätzung für Weide
Wer Tiere auf der Weide hält, muss bei hoher Arbeitsbelastung mit niedrigem Einkommen leben. Bioland fordert im Verbändebündnis mehr Förderung.

Rinder, Ziegen, Schafe, Pferde oder Büffel leisten wertvolle Landschaftspflege. Diese Form der Tierhaltung geht seit Jahren zurück (Foto: Imago)
Betriebe mit Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden oder Büffeln auf der Weide brauchen verstärkte, strategische Unterstützung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2028. Das fordert jetzt ein breites Bündnis von 154 Verbänden mit zehn Punkten. Denn die Weidehaltung steht seit Längerem unter starkem ökonomischem und arbeitswirtschaftlichem Druck. Dabei erbringen Weidetiere und ihre Halter wichtige Leistungen für das Gemeinwohl und Ökosysteme. Das Bündnis, dem auch Bioland angehört, fordert eine nationale Weidestrategie, um die Herausforderungen ressortübergreifend anzupacken. Förderprogramme müssten gezielt auf Weidetierhalter als Schlüsselakteure des Natur- und Landschaftsschutzes ausgerichtet werden.
Mit den Tierbeständen, die seit Jahren zurückgehen, können in vielen Grünlandgebieten die naturschutzfachlich wertvollsten Flächen heute schon nicht mehr richtig gepflegt werden. Ein weiterer Rückgang der Weidetierbestände führe zu noch größerem Artensterben auf dem Dauergrünland, warnt die Verbändeplattform Grünland. Die Weidetierhaltung sollte deshalb als eine der nationalen Prioritäten der Agrar-, Naturschutz- und Klimaschutzpolitik fest verankert und in den Bund-Länder-Programmen klar priorisiert werden.
Zehn Punkte nennt das Grundsatzpapier zur Unterstützung der Weidetierhaltung:
Deutschland braucht eine ressortübergreifende Nationale Weidestrategie. Die Naturschutz- und Tierwohlanforderungen müssen im Einklang mit einer praktikablen Weidewirtschaft stehen.
In den Ministerien braucht es Verantwortliche mit Zuständigkeit für Weidetierhaltung. Bei der Gestaltung und Umsetzung der GAP 2028 müssen verlässliche, einkommenswirksam Programme implementiert werden. Die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete ist auf das Grünland auszurichten und Tierprämien sind angemessen anzupassen.
Erforderlich ist ein klares gesellschaftliches und politisches Bekenntnis zur Haltung von mehr Weidetieren sowie zur Erhaltung des Dauergrünlandes. In diesem Kontext tragen auch die Medien eine besondere Verantwortung.
Die Weidetierhaltung sollte als zu stärkende Bewirtschaftungsform im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) und in die Umsetzung der Natur-Wiederherstellungs-VO eingebunden werden. In der GAK muss die Sommer-Weidehaltung für Milchkühe mit Nachzucht dauerhaft förderfähig bleiben. Die Förderung von Investitionen in Weideinfrastruktur und -konzepte und für Herdenschutz sowie Beratung muss bestehen bleiben.
Eine umfassende Vereinfachung der Förderbürokratie ist notwendig.
Dem akuten Mangel an Nachwuchskräften ist entgegenzuwirken.
Der Bund muss sich für ein verbindliches Budget für Agrar-, Umwelt- und Klima-Aktionen (AUKA) und für die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete sowie für produktive und nicht-produktive Investitionen entscheiden.
Gekoppelte Tierprämien für Schafe, Ziegen und Rinder müssen deutlich angehoben werden.
Erforderlich sind mehrjährige, mit Handlungsspielraum ausgestattete AUKA für alle landwirtschaftlichen Weidetiere sowie alle Weidenutzungsformen. Sie müssen einkommenswirksam, mit einer WTO-konformen Anreizkomponente ausgestattet und die Kofinanzierung in den Ländern gesichert sein.
Die Ausbildungsordnung für den Beruf des Land- und Tierwirts aller Ausbildungsrichtungen ist dringend zu überarbeiten. Ausreichende Ausbildungskapazitäten sind erforderlich.