Mehr Bio-Saatgut nötig
Bis 2037 muss die Produktion von ökologischem Saat- und Pflanzgut deutlich wachsen, um die Vorgaben der EU zu erfüllen
Die Nachfrage nach Öko-Saatgut wird in den kommenden Jahren steigen. (Foto: Alexander Kögel)
Die Biobranche muss die Produktion von ökologischem Saat- und Pflanzgut in den kommenden Jahren deutlich ausweiten. Zu diesem Ergebnis kamen rund 70 Fachleute aus Landwirtschaft, Züchtung, Saatgutwirtschaft, Handel und Wissenschaft auf der FiBL-Saatgutkonferenz in Fulda. Ihr Fazit: Jetzt müsse die Branche vom Ziel in die Umsetzung kommen.
Hintergrund ist die EU-Öko-Verordnung: Ab 2037 darf im Ökolandbau kein konventionelles Pflanzenvermehrungsmaterial mehr eingesetzt werden. Derzeit besteht jedoch in vielen Kulturen noch großer Nachholbedarf. Nach Einschätzung der Teilnehmenden müsste die Produktion von ökologischem Saat- und Pflanzgut um 500 bis 600 Prozent steigen, um den künftigen Bedarf zu decken. Besonders im Gemüse-, Obst- und Weinbau bestehen noch Lücken. „Wir stehen an einem Scheideweg, wenn es um die Grundlagen unserer Ernährung geht“, sagte Thomas Lang, Vorstandsmitglied beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).
Zusätzlichen Druck erzeugt aus Sicht der Branche die Diskussion um neue gentechnische Verfahren. Auf der Konferenz wurde betont, dass sich die Gentechnikfreiheit im Ökolandbau am sichersten über ökologisch erzeugtes Saat- und Pflanzgut absichern lasse. Ein weiterer Schwerpunkt war die Transparenz entlang der Lieferketten. Die Teilnehmenden diskutierten, wie Informationen zur Herkunft von Saat- und Pflanzgut besser dokumentiert und weitergegeben werden können. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie die zusätzlichen Kosten und Risiken der ökologischen Vermehrung innerhalb der Wertschöpfungskette verteilt werden sollen.
Die Konferenz endete mit der Forderung nach verbindlicher Nachfrage, mehr Transparenz und klaren Verantwortlichkeiten. „Die Konferenz war ein Anfang, kein Abschluss“, sagte Dr. Freya Schäfer vom FiBL und ergänzt: „Jetzt gilt es, die Erkenntnisse in die Praxis zu übersetzen.“
Einen ausführlichen Bericht über die FiBL-Saatgutkonferenz können Sie in der Ausgabe 8/2026 des bioland-Fachmagazins lesen.