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Klare Regeln gegen Spekulation gefordert

Politik31.03.26

Ein bundesweiter Bodenkongress forderte gemeinwohlorientierte Bodenpolitik und klare Regeln gegen Spekulation, um bäuerliche Strukturen und ländliche Räume zu stärken.

Nach Ackerflächen greifen kapitalstarke außerlandwirtschaftliche Investoren, dazu gehören auch der LEH und die Immobilienbranche. (Foto: Imago)

Wie lassen sich landwirtschaftliche Flächen gemeinwohlorientiert sichern? Diese Frage stand im Mittelpunkt des bundesweiten Bodenkongresses der AbL Mitte März in Apolda. Deutlich wurde: Ohne politische Leitplanken droht der Bodenmarkt weiter aus dem Ruder zu laufen.

Boden ist kein Spekulationsobjekt

Für Prof. Laura Calbet von der Universität Stuttgart ist klar: Boden und Wohnraum gehören zu den Gütern, die sich nicht vermehren lassen – gerade deshalb seien sie so anfällig für Spekulation. Steigende Boden- und Pachtpreise treffen sowohl bäuerliche Betriebe als auch die Stadtbevölkerung. „Wir brauchen faire Bedingungen für alle, die mit Boden leben und arbeiten“, so der Tenor vieler Teilnehmender.

Landwirt:innen fordern Transparenz

AbL-Bundesvorsitzende und Demeter-Milchviehbäuerin Claudia Gerster schilderte, wie unübersichtlich der Markt inzwischen geworden ist. Während finanzstarke Investorengruppen und Firmen aus LEH oder Immobilienbranche leicht an Flächendaten gelangen, bleiben Landwirt:innen oft ohne Informationen über Pachtpreise, Eigentumsverhältnisse oder Vertragslaufzeiten. „Diese Intransparenz schadet uns und öffnet Tür und Tor für unfaire Angebote“, sagte Gerster.

BVVG-Flächen: Gemeinwohl statt Ausverkauf

Ein zentrales Anliegen: Die verbliebenen 88.000 Hektar BVVG-Flächen müssen in öffentlicher Hand bleiben und gemeinwohlorientiert verpachtet werden. Ein Verkauf an Konzerne wie Aldi oder große Versicherungsgesellschaften dürfe nicht zugelassen werden. In Thüringen soll dazu ein Volksbegehren starten, begleitet vom neu gegründeten Trägerkreis „Heimische Landwirtschaft vor Investoren schützen“.

Agrarstrukturgesetz als Chance

Auch aus der Landespolitik kamen Impulse. Niedersachsen arbeitet an einem Agrarstrukturgesetz, das unter anderem Share Deals eindämmen soll – jene Konstruktionen, bei denen große Flächenpakete den Besitzer wechseln, ohne dass Grunderwerbsteuer fällig wird. Niedersachsens Agrarministerin Miriam Staudte will vor allem kleine und mittlere Betriebe stärken, Preistreiberei bremsen und den Zugang zu Land gerechter gestalten.

GAP muss gerechter werden

Die Teilnehmenden machten zudem deutlich, dass auch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU stärker auf Gemeinwohl und Nachhaltigkeit verpflichtet werden muss. Dazu gehört eine klare Definition des Begriffs „Aktiver Landwirt“, aber auch eine wirksame Förderung für Junglandwirt:innen. Nur so kann Landwirtschaft enkeltauglich bleiben.

Landwirt:innen und Politiker:innen stellen Besipiele und aktuelle Vorhaben zum Bodenmarkt im bioland-Fachmagazin 4/2026 vor.

Klare Regeln gegen Spekulation gefordert | Bioland e.V.