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Hilfe aus der Tiefe

Pflanzenbau21.10.26

Das Thünen-Institut hat im Rahmen eines Projektes Regenwurmgänge künstlich angelegt und herausgefunden, dass sich dadurch der Ertrag von Weizen steigern lässt.

Bodenschnitt mit tiefen Pflanzenwurzeln und einem Messstab zur Tiefenangabe, darüber grünes und gelbes Gras.

Eine Reihe mit künstlichen Regenwurmgängen in einer Versuchsparzelle (Foto: Thünen-Institut/Elron Wiedermann)

Auf verdichteten Ackerböden könnten künstliche Regenwurmgänge künftig zu höheren Getreideerträgen beitragen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Feldstudie des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz. In Versuchen stiegen die Erträge je nach Standort um bis zu 15 Prozent.

Für die Untersuchungen ergänzten die Forschenden die vorhandenen natürlichen Regenwurmgänge um künstliche Öffnungen. Mithilfe von Metallstangen wurden pro Quadratmeter rund 100 zusätzliche Gänge bis in eine Tiefe von 80 Zentimetern gestochen. Bereits vier Monate später waren 86 Prozent dieser Gänge von Wurzeln besiedelt. „Die Wurzeln nutzen diese Gänge wie Autobahnen, um tiefere Bodenhorizonte zu erreichen“, erklärt Projektleiter Prof. Axel Don. Dadurch erschließen die Pflanzen zusätzliche Wasser- und Nährstoffreserven im Unterboden, was insbesondere in Trockenphasen von Vorteil sein kann.

Die Versuche fanden in Südniedersachsen und Mecklenburg statt. Die stärksten Effekte wurden auf einem stärker verdichteten Standort in Mecklenburg gemessen. Dort lag der Mehrertrag bei zwölf Prozent. Da die Versuchsjahre vergleichsweise feucht waren, vermuten die Forschenden, dass die Vorteile in Trockenjahren noch größer ausfallen könnten.

Nach Angaben des Thünen-Instituts ist etwa die Hälfte der deutschen Ackerböden im Unterboden teilweise so stark verdichtet, dass die Wurzeln nur eingeschränkt wachsen können. Die künstlichen Gänge sollen helfen, diese Barrieren zu überwinden. Gleichzeitig betonen die Wissenschaftler:innen, dass die Förderung natürlicher Regenwurmpopulationen und der vorsorgende Bodenschutz weiterhin Vorrang haben sollten. In einem Folgeprojekt wollen die Wissenschaftler:innen nun untersuchen, wie viele künstliche Gänge für optimale Effekte notwendig sind und welche Auswirkungen sie langfristig auf Bodenstruktur und Humusaufbau haben.

Zu dem Projekt gibt es auch ein Video auf Youtube.

Künstliche Regenwurmgänge steigern Getreideerträge | Bioland e.V.