Gras wird Rohstoff
Fachleute auf einer Tagung des DVL sehen große Potenziale darin, Grünlandbiomasse sinnvoll zu verwerten. Damit sich Produkte aus dem Rohstoff etablieren können, braucht es neue Märkte und regionale Wertschöpfungsketten.

Aus Biomasse von Grünland-Flächen lässt sich zum Beispiel Graspapier herstellen. (Foto: Sonja Herpich)
Grünlandbiomasse ökonomisch zu nutzen, ist grundsätzlich wirtschaftlich machbar und bietet Potenzial für Klimaschutz, Rohstoffversorgung und regionale Entwicklung. Zu diesem Fazit kamen Fachleute auf der Fachtagung „Gras-Bioökonomie: Potenziale und Verwertungswege von Grünland-Biomasse“ am Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) veranstaltete die Fachtagung im Oktober.
Nach Einschätzung der Teilnehmenden wird künftig mehr Grünlandaufwuchs außerhalb der klassischen Futterproduktion zur Verfügung stehen. Gründe sind unter anderem sinkende Tierbestände, Wiedervernässungsprojekte und Veränderungen durch den Klimawandel. Gleichzeitig wächst der Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen als Ersatz für fossile Materialien. Grünlandbiomasse könnte hier eine wichtige Rolle übernehmen. Vorgestellt wurden verschiedene Verwertungswege, darunter Graspapier, Faserwerkstoffe, Dämmstoffe, Torfersatzprodukte, Pflanzenkohle sowie Produkte aus Bioraffinerien. Als besonders vielversprechend bewerteten die Fachleute die sogenannte Kaskadennutzung. Dabei wird die Biomasse zunächst stofflich genutzt, bevor verbleibende Reststoffe energetisch verwertet werden. Das erhöht die Wertschöpfung und verbessert zugleich die Ressourceneffizienz.
Die größten Hürden sehen die Experten derzeit weniger in der Technik als vielmehr in der Wirtschaftlichkeit. Hohe Ernte-, Transport- und Verarbeitungskosten, fehlende Absatzmärkte und unsichere Rahmenbedingungen erschweren bislang den breiten Einsatz. Als wichtige Erfolgsfaktoren nannten die Teilnehmer daher regionale Wertschöpfungsketten, kurze Transportwege, bestehende Infrastruktur und langfristige Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Kommunen und Unternehmen.
Die Tagung machte deutlich: Die technischen Grundlagen für eine Gras-Bioökonomie sind weitgehend vorhanden. Um die Potenziale künftig stärker zu nutzen, braucht es jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen und neue Märkte für biobasierte Produkte.