Früher Start dient Kuh und Weide
Grasnarbe, Tiere und Nachsaaten profitieren, wenn Rinder schon im zeitigen Frühjahr auf die Weide kommen.

Die Kühe genießen den Weidegang schon im frühen Frühjahr. (Foto: Anne Verhoeven, LWK NRW)
Die stundenweise Vorweide kann beginnen, sobald die Weideflächen tragfähig sind. Das fängt ab einer Temperatursumme von 200 °C an. Möglicherweise ist noch kaum Aufwuchs erkennbar, die Tiere bekommen ihr Futter noch im Stall. Aber die Vorweide ist die effektivste Form der Weidepflege im Frühjahr. Daran erinnert Anne Verhoeven, Rinder- und Grünlandberaterin im Haus Riswick, der Öko-Station der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.
Zunächst sollten alle Weideflächen nur stundenweise bestoßen werden - am besten alle hofnahen Flächen. Das gilt auch, wenn sie später zur Silierung bestimmt sind. Der Verbiss drängt frühschossende Obergräser wie Wiesenfuchsschwanz zurück wie auch unerwünschte Kräuter und minderwertige Gräser; wertvolle Futtergräser wie Weidelgräser erhalten den Impuls, zu bestocken. Die stabile Narbendichte verbessert die Trittfestigkeit während der Weidesaison.
Vorweide zur Nachsaat nutzen
Die Kühe beschädigen die winterfeuchten Weideflächen weniger als Maschinen. Die maschinelle Pflege mit Schleppen, Striegeln und Walzen folgt erst auf die Vorweide. Dabei verteilt man die Kotfladen auf den Schnittflächen. Und auf Flächen mit Mäuseschäden, Maulwurfshügeln und lückigen Narben passt eine gezielte Nach- oder Übersaat perfekt zur Vorweide. Die Kühe halten den bestehenden Aufwuchs kurz. Der Tritt stellt den Bodenschluss von Saatgut und Boden sicher. Die Nachsaat kann dann zügig keimen und sich etablieren.
Gleitende Fütterungsumstellung
Durch die Vorweide gelingt es, die Fütterung der Tiere gleitend von der Winter- auf die Weidefütterung umzustellen. Der Gras-Klee-Anteil steigert sich langsam mit zunehmendem Wachstum. Das Pansenmilieu hat mitunter mehrere Wochen Zeit, sich schonend umzustellen. Die Tiere profitieren mehrfach vom frühen ersten Austrieb:
UV-Strahlung der Sonne wirkt gegen Parasiten wie Räudemilben
natürliches Vitamin D3 wird gebildet (UV-Strahlung auf der Haut)
Förderung der Fitness
uneingeschränkte, artgerechte Liegehaltung/Ruheposition
Die jungen Triebe sind reich an Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen
Schonende Gewöhnung an die bevorstehende Weideperiode: Pansenmikroben benötigen Zeit zur Anpassung an neue Futtergrundlage (Kleegras + Kräuter).
Ist die Klauenpflege rechtzeitig erfolgt, haben die Tiere ausreichend Zeit bis zur Weidesaison das "neue Schuhwerk“ einzulaufen